Erste Bilanz : Car-Sharing Flensburg läuft besser als erwartet

Meilenstein für den Klimapakt: Bürgermeister Henning Brüggemann (l.) und Cambio-Prokurist Carsten Redlich.
Meilenstein für den Klimapakt: Bürgermeister Henning Brüggemann (l.) und Cambio-Prokurist Carsten Redlich.

Anbieter und Klimateam sind zufrieden mit der Auslastung nach rund drei Monaten. Im Herbst soll es Gespräche über weitere Autos und Standorte geben.

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19. Juni 2015, 08:00 Uhr

Zwei Jahre dauerte es, bis das Paket gepackt und verschnürt war: Ende März endlich ging es los mit einem professionellen Car-Sharing-Angebot in Flensburg. Anbieter ist das Unternehmen Cambio, das sich jetzt, knapp 100 Tage nach dem Startschuss, ausgesprochen zufrieden mit dem „Flensburger Modell“ zeigt.

Dieses Modell sah und sieht vor, dass gewerbliche Partner des kommerziellen Anbieters für eine Basis-Auslastung sorgen, damit es sich überhaupt lohnt. Denn eigentlich ist Flensburg zu klein für zentral organisiertes Car-Sharing. Heute gibt es „gut über 100 private Kunden“ in Flensburg, so Carsten Redlich, Prokurist bei Cambio und Geschäftsleiter für Hamburg und Flensburg.

Dazu kommen „200 bis 300 Personen der Vertragspartner Aktiv-Bus, Stadt, Nospa, Selbsthilfe-Bauverein und IHK“, die für etwa zwei Drittel der Gesamtauslastung sorgen. „Unsere Erwartung bezüglich der Auslastung wurde gut übertroffen“, freut sich Redlich.

Bisher gibt es zehn Autos von Cambio in Flensburg, die an fünf Standorten auf Fahrer warten. Es sind sieben Ford Fiesta und drei VW Caddy. Sie müssen vor der Benutzung gebucht werden; das geht per Smartphone-App oder per Computer, „aber bei uns nach wie vor auch immer telefonisch“, so Redlich. „Wir werden im Herbst mit den Partnern über neue Fahrzeuge und neue Standorte sprechen“, kündigte er an.

„Das Car-Sharing-Angebot stellt die ideale Ergänzung zum ÖPNV und der Nutzung des Fahrrades dar – für Flensburg ein wichtiger Meilenstein für eine zukunftsfähige Mobilität und für mich die Alternative zum eigenen Auto“, lobt Bürgermeister Henning Brüggemann, Vorsitzender des Klimapakt-Vereins, das neue Angebot. Ein Beispiel: Imke Voigtländer, Öffentlichkeitsarbeiterin beim Selbsthilfe-Bauverein, nutzt den Cambio-Ford nicht nur dienstlich, sondern auch privat und erwägt, den eigenen Privatwagen abzuschaffen. Ähnliches hat Redlich auch in Facebook-Kommentaren gelesen. „Schön, dass es Cambio Car-Sharing jetzt auch in Flensburg gibt. Wir haben unser Auto verkauft, am Monatsende mehr Geld im Portemonnaie und mehr Platz auf der Einfahrt“, schreibt beispielsweise Stefan Graw.

Inzwischen hätten auch andere Städte das „Flensburger Modell“ für sich entdeckt und versuchen, es zu kopieren. Redlich ist begeistert vom Engagement der Menschen im Klimapakt: „Die leben das mit Herzblut und Überzeugung. Flensburg kann stolz sein auf diesen Klimapakt!“ Das Gegenlob kommt aus dem Klimateam: „Wir hören bislang nur positive Resonanz“, sagt Eyke Bittner, der allerdings mangels Führerschein kein Nutzer ist. „Es funktioniert ohne Probleme“, weiß er von anderen Klimateam-Mitgliedern.

Für den Benutzer soll das Teilen des Autos ganz einfach sein: Zunächst muss man Mitglied werden (Mobi-Zentrale in der Holmpassage); die Mitgliedschaft kostet eine Anmeldegebühr und einen Monatsbeitrag, die Benutzung wird nach Zeit und Kilometer abgerechnet und vom Konto abgebucht. Doch wie kommt man an und in das Auto? Nach der Reservierung per Telefon oder Internet geht man zum Auto und verschafft sich Zugang, indem man die Cambio-Card an ein Lesegerät an der Windschutzscheibe hält. Im Handschuhfach liegt der gesicherte Schlüssel, den man mit seiner PIN auslöst und nach der Fahrt wieder sichert. Das Auto wird nicht mit dem Schlüssel, sondern mit der Card verschlossen.

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