OVG Schleswig : Cannabis-Connection: Es geht um zwei Millionen Euro

Ermittler fanden bei dem Mann neun Kilogramm Marihuana.

Ermittler fanden bei dem Mann neun Kilogramm Marihuana.

Bandenmäßiger Handel mit Drogen – 13 Angeklagte kommen am 27. August vor Gericht

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11. August 2018, 06:21 Uhr

Drogen-Razzia in den frühen Morgenstunden. Am 9. November 2016 schlugen die Ermittler zu. In einer konzertierten Aktion durchkämmten 400 Beamte von Bundes- und Landespolizei, Zoll, Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung mehrere Bereiche im Flensburger Stadtgebiet und umliegenden Ortschaften. Sie hatten den richtigen Riecher – ihnen gelang ein durchschlagender Erfolg gegen die Drogenkriminalität.

Gegen zwei Männer wurde seinerzeit Haftbefehl erlassen. Als Haupttäter gelten ein Geschäftsmann aus Flensburg, ein langjähriges ehemaliges Mitglied der Ratsversammlung, sowie ein Komplize aus Jardelund, der etwa einen Monat lang in U-Haft gesessen hat. Im Falle des Flensburgers war die Vollstreckung gegen Auflagen ausgesetzt worden.

Nun ist die Anklageschrift geschrieben, der Prozesstermin steht. Am 27. August (Beginn 9.15 Uhr) muss sich die Cannabis-Connection vor der I. Großen Strafkammer des Flensburger Landgerichts verantworten – aus Platzgründen findet die Verhandlung im Saal 6 des Oberverwaltungsgerichts in Schleswig statt. Insgesamt 13 Personen, die ein Aufgebot von 16 Verteidigern „in den Ring schicken“ und vor der Polizei teilweise geständig waren, werden 210 Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz – im Wesentlichen bandenmäßiger Handel mit Drogen – in Flensburg sowie den Kreisen Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde – vorgeworfen.

Es war ein blühendes Geschäft, das 2008 seinen Anfang nahm und danach offenbar prächtig florierte. Laut Staatsanwaltschaft waren die Hauptangeklagten damals übereingekommen, in größeren Mengen Cannabis anzubauen und zu verkaufen. Anschließend hätten sie fünf weitere der Angeklagten angesprochen und versucht, ihnen den Betrieb entsprechender Plantagen schmackhaft zu machen. Das Angebot versprach Profit – und wurde nicht ausgeschlagen.

Während einer der Hauptangeklagten sich um die Suche nach Örtlichkeiten und die Finanzierung der Plantagen gekümmert habe, sei der andere mit dem Aufbau in technischer Hinsicht betreut worden. „Er soll die Betreiber in die Aufzucht und Aberntung der Pflanzen eingewiesen haben“, sagt Gerichtssprecher Stefan Wolf. Durch Erfahrungen aus der Vergangenheit sei er in der Lage gewesen, Pflanzen mit hohem Wirkstoffgehalt in den Blüten zu züchten. Plantagen seien im Wesentlichen auf Hausgrundstücken, beispielsweise auf Dachböden oder in Garagen betrieben worden. Die Erwerber hätten regelmäßig Portionen von drei Kilogramm abgenommen und mit Gewinn weiterverkauft.

In den Jahren 2008 bis 2016 seien etwa 395 Kilogramm Cannabis produziert worden. Der Spitzenerlös für einen der mutmaßlichen Täter soll über 600 000 Euro betragen haben; insgesamt wurden laut Anklage fast 1,5 Millionen Euro abgeschöpft. „Der tatsächlich erwirtschaftete Gewinn“, so Wolf, „ liegt allerdings deutlich darunter.“ Die drei Erwerber sollen aus der Weiterveräußerung durch die Aufschläge Erlöse von annähernd zwei Millionen Euro erzielt haben.

Angesetzt sind 18 Verhandlungstage bis 18. Dezember.

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