Flensburg : Campusbad: Stadt prüft Übernahme

Gibt es bald eine neue Fahrtrichtung? Privatinvestor Commerz Real bietet der Stadt die Verfügung über das Campusbad an. Foto: Michael Staudt
Gibt es bald eine neue Fahrtrichtung? Privatinvestor Commerz Real bietet der Stadt die Verfügung über das Campusbad an. Foto: Michael Staudt

Kommt das Aus für Flensburgs Campusbad-Betreiber Wolfgang Tober? Politik und Verwaltung scheinen entschlossen, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen.

Avatar_shz von
06. April 2012, 01:47 Uhr

Flensburg | Wird das Campusbad eine kommunale Einrichtung? Und sind Wolfgang Tobers Tage als Betreiber gezählt? Politik und Verwaltung scheinen entschlossen, im schlingernden Erlebnisbad das Ruder selbst in die Hand zu nehmen. Im nicht öffentlichen Teil des Hauptausschusses wurde am Dienstag erneut über den Kauf der Marbana GmbH diskutiert - ein Schritt mit weit reichenden Folgen. Denn die Tochter der Commerz-Real ist das wichtigste Gelenk in der Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) zwischen Auftraggeber Stadt, Investor Commerz-Real und Betreiber Wolfgang Tober, der mit seiner Firma Aqua Vital Vertragspartner der Marbana ist.
In der Entstehungsgeschichte des Campusbades ist diese Firma das Heilsversprechen des privaten Investors, das in der kontroversen öffentlichen Debatte letztlich schlagende Argument, dass die Stadt 25 Jahre lang alle unternehmerischen Risiken auf Commerz-Real abwälzen kann. Dieses Rundum-Sorglos-Paket brachte der Investor in der Marbana unter - eine Briefkastenfirma am Rathausplatz 15, die mit 500.000 Euro Bürgschaft dafür gerade stehen soll, dass sich die Stadt um den Betrieb des Campusbads keine Sorgen zu machen braucht.
Zahlen nur grob geschätzt
Nun macht sich die Stadt aber schon seit einiger Zeit ganz heftige Sorgen um ihr schönes neues Bad. Das liegt am Betreiber, der seit der Eröffnung rote Zahlen schreibt. Wolfgang Tober musste vor dem Hauptausschuss einräumen, dass die seiner Wirtschaftlichkeitsberechnung zu Grunde liegenden (und weit verfehlten) Zahlen nur grob geschätzt waren. Weil sich das Bad daher nicht rechnet, verlangte er jüngst eine Erhöhung des jährlichen Betriebskostenzuschusses von derzeit 115.000 auf 480.000 Euro. Flankierend drohte er an, die Schul- und Vereinsschwimmer ab Mai auszusperren, seit 1. April hat er den Eintrittspreis ins Sportbad für Kinder und Jugendliche um über 50 Prozent erhöht.
Ohne auf Details der nicht-öffentlichen Sitzung einzugehen, bestätigten die Vertreter der großen Fraktionen, dass die Verwaltung schon seit vergangenem Jahr den Auftrag habe, die Übernahme der Commerz-Real-Tochter zu prüfen. Die Frankfurter Gesellschaft hatte signalisiert, dass sie ihr Flensburg-Engagement gerne beenden und die Firma abstoßen würde. Der Erste, der übrigens darauf reagierte, war Wolfgang Tober. Dessen Versuch, seinen eigenen Arbeitgeber Marbana zu übernehmen, scheiterte allerdings am Veto der Stadt - vorerst jedenfalls, die rechtliche Situation ist ungeklärt.
"Man muss sehen, wie lange sein Vertrag noch läuft"
"Ich befürchte, dass es am Ende für uns keine andere Möglichkeit gibt", meint CDU-Fraktions-Vorsitzender Frank Markus Döring. Rolf Helgert (SPD) sieht das genauso. "Zukunftssicherheit gibt es nur, wenn wir das Bad zurückholen. Wir sind gut beraten, wenn wir uns mit den Details der Vertragsgestaltung zwischen Aqua Vital und Marbana beschäftigen. Keiner weiß, was da für Geldströme unterwegs sind."
Einig sind sich CDU, SPD und FDP in noch einem wichtigen Punkt. Commerz-Real kann für die Marbana kein Geld verlangen. Im Gegenteil. Sich aus der Verantwortung freizukaufen, wird Geld kosten. Döring denkt da an die 500.000 Euro, die als Bürgschaft für den Fall der Vertragsnichterfüllung hinterlegt sind. Wolfgang Tobers Zukunft ist vor diesem Hintergrund ungewiss. "Man muss sehen, wie lange sein Vertrag noch läuft", sagt Döring. "Mit seinen jüngsten Äußerungen hat er sich nicht gerade einen Gefallen getan. Hätte er das mit der Stadt als Vertragspartner gemacht, wäre er fristlos gekündigt worden!" Es könnte aber auch gut sein, dass Wolfgang Tober Politik und Verwaltung noch weiter ärgert. Seine Chancen, das städtische Veto zu umgehen, sind sehr gut, wie Stadtjustitiarin Ellen Eichmeier in einem internen Papier feststellte. Dann dürfte alles auf eine meistbietende Versteigerung hinauslaufen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen