Flensburg : Campusbad: Stadt erhöht den Druck

Schluss mit lustig: Im Campusbad legt die Stadt ihren Partnern von einst die Daumenschrauben an. Foto: Dommasch
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Schluss mit lustig: Im Campusbad legt die Stadt ihren Partnern von einst die Daumenschrauben an. Foto: Dommasch

Campusbad-Betreiber kommt an die kurze Leine: Er muss angehäufte Schulden an die Stadt zurückzahlen. Oberbürgermeister Simon Faber hat nun eine Lenkungsgruppe einberufen.

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19. November 2012, 07:59 Uhr

Flensburg | Jetzt kommt es zum Schwur. In der Debatte um die Zukunft des Campusbades hat Flensburg einen schnurgeraden Strich gezogen. Klare Ansage an Investor Commerz-Real und deren Flensburger Tochter Marbana: Verträge sind einzuhalten.
Oberbürgermeister Simon Faber hat eine Arbeitsgruppe einberufen, die in sehr kurzen Arbeitstakten das weitere Geschehen um das Bad begleiten wird. "Die Stadt wird gegenüber ihren direkten Vertragspartnern mit Nachdruck die bestehenden vertraglichen Pflichten einfordern", teilte der Oberbürgermeister auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz gestern mit. Es könnte jetzt schnell ungemütlich werden. In dem Vertragsgeflecht zwischen Investor, seiner für die Verpachtung zuständigen Tochter und dem Betreiber AquaVital von Wolfgang Tober hat besonders Letzterer jetzt ganz schlechte Karten.

Stadt fordert 130.000 Euro vom Badbetreiber

Tober schiebt schon jetzt mit rund 362.000 Euro eine ziemliche Bugwelle roter Zahlen vor sich her - und die dürfte recht schnell noch größer werden. Bislang hatte sich der chronisch klamme Betreiber Personalkosten, vor allem aber Verbrauchskosten stunden lassen. Damit ist jetzt Schluss. "Wir werden das nicht mehr akzeptieren", machte Faber unmissverständlich klar. Und das nicht nur in Zukunft. Die Stadt will auch den Zahlungsrückstand von rund 130.000 Euro nicht mehr hinnehmen. "Die werden jetzt eingefordert." Sollte Tober - wie im September von ihm selbst schon angedeutet - Insolvenz anmelden müssen, sieht Faber das Geld nicht verloren.
Auch hier stehen Commerz-Real beziehungsweise deren Flensburger Tochter in der Pflicht. Die von Faber einberufene Lenkungsgruppe besteht aus leitenden Verwaltungsmitarbeitern, Stadtwerke-Direktor Maik Render sowie Erika Vollmer (WiF), Thorsten Kjaersgaard (SSW), Frank Markus Döring (CDU), Rolf Helgert (SPD) sowie - stellvertretend für die kleineren Fraktionen - Ellen Kittel-Wegner (Grüne). "Sie soll die Verhandlungen, von denen man jetzt ausgehen muss, begleiten", so der Oberbürgermeister. Er hatte die Lenkungsgruppe unmittelbar nach der Ratsversammlung in der vergangenen Woche ins Leben gerufen und das kriselnde Bad damit zur Chefsache gemacht. Es sei erkennbar gewesen, dass der Verwaltungsvorschlag für eine Loslösung des Konstrukts aus der Verantwortung des Investors verbreitet auf Skepsis gestoßen war.
Faber betonte in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass der jetzt eingeschlagene Weg seine persönliche Überzeugung abbilde. Die Lenkungsgruppe wird wöchentlich tagen und sich auch externen Sachverstand hinzuziehen. Der wird übrigens nicht von den Beraterfirmen geliefert, die Flensburg in den Schlamassel geführt haben, sondern von neuen Kräften. "Der frische Blick", so Faber, "ist mir sehr wichtig."

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