AFAG Flensburg : Busverkehr mit einem bitteren Ende

Kurzblockade: Fünf Busse der Afag versperrten für 15 Minuten die untere Angelburger Straße.
Kurzblockade: Fünf Busse der Afag versperrten für 15 Minuten die untere Angelburger Straße.

Die AFAG ging 1925 als Genossenschaft von Berufskraftfahrern an den Start - eine verlorene Ausschreibung als letztes Kapitel

shz.de von
15. Dezember 2017, 07:40 Uhr

AFAG Flensburg – sie war nicht nur eine Flensburger Busfirma, sondern gehört zur Verkehrsgeschichte der Stadt und des nördlichen Schleswig-Holsteins. Seit dem Wochenende, 9./10. Dezember, ist diese Geschichte zu Ende. Die AFAG unterlag in einer europaweiten Ausschreibung. Konsequenz: Die Firma wird abgewickelt. Die Busse werden verkauft, die Fahrer wechseln zu den Firmen, die die Ausschreibung gewannen. Die Firmengeschichte:

Flensburger Kraftfahrer hatten 1925 die Idee, ihre Fähigkeiten zu bündeln und einen Busverkehr in Flensburg anzubieten. So entstand als Genossenschaft die „Flensburger Automobil Betriebs-Genossenschaft“. Am 25. Mai 1925 nahm die erste Buslinie den Betrieb auf: Vom Kreisbahnhof (heute Versatel-Grundstück an der Ecke Hafendamm/Nordstraße), Hafermarkt – Südermarkt – Friedenshügel. Die zweite Linie führte vom alten Staatsbahnhof (heute ZOB) zum Nordertor, über die Wrangelstraße zum Friedenshügel. 1926 kam die dritte neue Linie dazu, die Fruerlund mit der Stadt verband und damit zum konkurrierenden Parallelverkehr für die Kreisbahn wurde.

Das Geschäft lief gut, das Unternehmen dehnte sein Liniennetz aus. Die Firma richtete Niederlassungen in Eckernförde, Rendsburg und Neumünster ein, auch in Delmenhorst, Wismar und Wittenberge. Mit Überlandlinien erschloss die Firma die Landschaft Angeln.

Auch das Busunternehmen kam wegen der Wirtschaftskrise ins Schlingern, ging in den Konkurs. Georg Zimmermann und Nis Bögh bildeten aus der Konkursmasse die neue Allgemeine Flensburger Autobus Gesellschaft (AFAG). Gefahren wurde wieder in Flensburg und im weiteren Umland. Zahlreiche Sonderfahrten konnten mit Erfolg angeboten werden.

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges war für das Unternehmen ein voller Tritt auf das Bremspedal. Die AFAG musste Fahrzeuge zwangsweise an die Wehrmacht abstellen. Der Busbestand reichte nur noch für einen Notbetrieb.

Nach der Kapitulation und der Besetzung Schleswig-Holsteins bauten die Inhaber mit ihren Mitarbeitern aus den Resten des Fahrzeugbestandes und zugewiesenen Bussen der Besatzungs-Behörden einen Wagenpark auf, der die AFAG in die Lage versetzte, Linienverkehr in Stadt und Umgebung anzubieten.

Das Frühjahr 1953 brachte das Ende der Flensburger Kreisbahn, über Jahrzehnte wichtige Verkehrsader für die Bewohner Nordangelns zwischen Kappeln und Flensburg. Möglichst schnell sollte die kleine Bahn weichen, weil ihre Trasse für den Bau der Nordstraße benötigt wurde. Die AFAG übernahm die Versorgung dieses Bereichs mit Bussen. So erstreckte sich ein enges Netz von Linien zwischen Kappeln und Leck, zwischen Süderbrarup und Bredstedt.

In diese Jahre fällt ein Führungswechsel mit Tragweite: 1952 wurde der Kaufmann Michael Thurner persönlich haftender Gesellschafter der AFAG. Er bewertete das Geschäftsfeld des Überlandverkehrs als problematisch. Die Konsequenz: Die AFAG trennte sich von den Linien und verkaufte sie 1961 an die Bundespost, deren Nachfolgerin auf diesem Gebiet die Autokraft wurde.

Die AFAG betrieb seit dieser Zeit nur noch Stadtverkehr. Anfang der 1970er Jahre kamen sich das private Busunternehmen und die damalige Verkehrsabteilung der Stadtwerke näher. Im Mai 1971 gründeten beide eine Verkehrsgemeinschaft, die Linienführung und Fahrplan aufeinander abstimmte und dem Kunden einen Fahrschein für beide Busbetriebe anbot.

In den 1980er Jahren ging der Trend der Fahrgastzahlen nach unten. 1980 waren es noch knapp fünf Milionen, ein Jahr weiter 4,6 Millionen und 1983 nur noch 4,2 Millionen. Im Jahr des 60-jährigen Bestehens der AFAG, 1985, wurden noch 4,1 Millionen Passagiere verzeichnet. Geschäftsführer Uwe Möser nannte damals die Arbeitslosigkeit und zurückgehende Schülerzahlen als Gründe.

In den 1990er Jahren sahen sich die beiden Flensbuger Busunternehmen zunehmendem Druck aus dem Rathaus ausgesetzt. Die Spitze der Verwaltung und die Kommunalpolitik drängten auf einen Zusammenschluss der Firmen. Doch diese Versuche blieben im Ansatz stecken.

In diese Zeiten fielen die Umwandlung der Stadtwerke-Verkehrsabteilung zum Unternehmen Aktiv Bus und die Übernahme der AFAG durch die Förde-Reederei-Seetouristik, die die Busverbindung zwischen Flensburg und Glücksburg bis September 2014 anbot.

An sich funktionierte die Zusammenarbeit zwischen Verkehrsbetrieben der Stadtwerke und der AFAG. Den 1991 erneuerten Vertrag über die Verkehrs- und Tarifgemeinschaft kündigte Aktiv Bus 2013 mit Hinweis auf eine notwendige Modernisierung des Liniennetzes. Zeitgleich übergab die Stadt die Verantwortung für alle Linien im Stadtgebiet an Aktiv Bus – auch für die der AFAG. Deren Mitarbeiter machten sich massiv Sorgen um ihre Arbeitsplätze – zu Recht, es sollte der Anfang vom Ende für das Unternehmen sein. Mittel für den Neustart war das Auslaufen der Konzessionen für die Buslinien. 2015 ging der gesamte Flensburger Nahverkehr auf Aktiv Bus über. Vom Fahrzeugbestand und dem Personal war die Stadtwerke-Tochter nicht in der Lage, die AFAG-Linien mit zu bedienen. Also erhielt die private Firma den Auftrag, ihre alten Linien als Subunternehmer zu bedienen.

Diese Regelung war zeitlich bis Ende 2017 begrenzt. Der Auftrag musste europaweit ausgeschrieben werden. Die AFAG verlor die Ausschreibung, die Unternehmen Förde-Bus und Autokraft gingen als Sieger hervor. AFAG-Geschäftsführer Thomas Bauer damals: „Die AFAG bedauert diese Entscheidung sehr.“ Als kleines, rein auf den Stadtverkehr spezialisiertes Unternehmen mit der betrieblichen und personellen Infrastruktur nur für diesen Zweck könne die AFAG „trotz spitzem Bleistift“ keine – auch keine anteilige – Kostenübernahme durch andere Teilbetriebe generieren wie vielleicht andere Bewerber.

Die Fahrer der AFAG sind bei den siegreichen Firmen beschäftigt. Die Busse werden verkauft, Aktiv Bus, nach wie vor hauptverantwortlich für den Nahverkehr, legt Wert auf den Einsatz von Fahrzeugen mit ökologisch moderner Antriebstechnik.

Der Wechsel und das formelle Ende der AFAG wurden am vergangenen Wochenende vollzogen. Ein Stück Flensburger Verkehrsgeschichte ist zu Ende.

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