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Flensburger Förderschulen : Busfahrer missbraucht sechs Mädchen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Rentner gesteht sexuelle Übergriffe gegen Kinder der Friholtschule und des Förderzentrums für körperliche und motorische Entwicklung

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Es dauerte weit über drei Monate, bis sich die ganze Dimension der Straftaten offenbarte. Bereits am 27. Juni hatte sich ein Mädchen seinen Eltern anvertraut. Die Schülerin war an jenem Freitag vom Fahrer eines Schulbusses auf dem Nachhauseweg von der Friholtschule – Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung – sexuell bedrängt worden. Der über 60-jährige Rentner hatte darüber hinaus Nacktfotos von ihr verlangt. Die Tat geschah, nachdem der Chauffeur seine anderen Fahrgäste bereits abgesetzt hatte.

Die Mutter des Kindes schaltete umgehend die Kriminalpolizei ein und erstattete Anzeige. Die Schule wurde genauso informiert wie der von der Stadt beauftragte Fahrdienst, der den beschuldigten Mitarbeiter fristlos von seinen Aufgaben suspendierte und das Beschäftigungsverhältnis kündigte.

Ermittler vom K2 der Bezirkskriminalinspektion durchsuchten auf Antrag der Staatsanwaltschaft daraufhin die Wohnung des tatverdächtigen Flensburgers. „Dabei ergaben sich weitere Hinweise auf entsprechende Taten“, sagt Polizeisprecher Matthias Glamann. Dennoch dauerte es bis zum 24. September, bis die Stadt Kenntnis von dem gesamten Ausmaß der Vorgänge erhielt. „Der Tatverdächtige“, so Glamann, „räumte mehrere ähnliche Übergriffe auf geistig behinderte Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren seit April 2014 ein.“ Er habe die Kinder von der Wohnanschrift abgeholt, zur Schule gebracht und wieder heim. Unmittelbar vor Ende der jeweiligen Tour sei es dann passiert.

Der Rentner hat die gravierenden Taten eingeräumt, er ist bislang polizeilich nicht in Erscheinung getreten. Erst vorgestern ist ein weiterer Verdachtsfall gegen ihn aufgetaucht, die Ermittlungen dazu dauern an. Ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs Widerstandunfähiger und sexuellen Missbrauchs von Kindern wurde eingeleitet. Alle 258 Eltern sind am Donnerstag angeschrieben und über die Vorgänge informiert worden. Einige Familien werden psychologisch beraten oder betreut.

Betroffen ist nicht nur die Friholtschule, sondern auch das in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Förderzentrum für körperliche und motorische Entwicklung. Dessen Leiter Dirk Hoffmeister wurde ebenfalls erst am 24. September über die sexuellen Übergriffe informiert. Seine Einrichtung ist in einem der insgesamt sechs Fälle betroffen. „Es ist bedauerlich, dass ich es erst so spät erfahren habe“, sagte Hoffmeister gestern auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz, an der neben den Schulleitern Vertreter der zuständigen Fachbereiche, Elternbeiräte und Bürgermeister Henning Brüggemann teilnahmen. Dieser kündigte Konsequenzen zur Risiko-Minimierung an: So habe man von dem Fahrdienst erweiterte Führungszeugnisse aller etwa 30 Busfahrer verlangt. „Bislang gibt es aber keine Hinweise auf einen möglichen Missbrauch durch weitere Fahrer.“ Das Unternehmen hat einen Vertrag mit der Stadt bis 2017. „Daran wollen wir festhalten“, bestätigte Brüggemann. Geprüft werde allerdings, ob man eine Fahrerbegleitung ermöglichen könne. Das „Vier-Augen-Prinzip“ steht auf der Wunschliste der Elternvertreter ganz oben.

Peter Grunewald, Leiter der Friholtschule, betonte, dass es mit Ausnahme des Mädchens, dass sich gegen die Übergriffe gewehrt hatte, keine Rückmeldungen in Schule oder Elternhaus gegeben habe. „Wir haben nichts Auffälliges feststellen können“, betont auch sein Kollege Dirk Hoffmeister. „Die anderen Kinder“, so Grunewald, „ haben das, was ihnen widerfahren ist, offenbar nicht als Unrecht wahrgenommen.“ Es sei an seiner Schule von der ersten bis zwölften Klasse immer wieder pädagogisches Thema, „nein“ zu sagen, wenn nötig. Dabei sei zu berücksichtigen, dass viele Kinder ein Problem mit Nähe und Distanz hätten. „Es gibt im Hintergrund immer Erwachsene, die für Sicherheit sorgen.“ Man arbeite „von der Hand in die Hand“, so dass die Kinder nie allein gelassen würden. „Dieses Prinzip ist missbraucht worden.“

 















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