Flensburger Altstadt : Bunte Vielfalt im Hafenquartier

Stehen fest zusammen: Die Mitglieder des Stadtteilforums Hafenquartier nebst Nachwuchs.
Stehen fest zusammen: Die Mitglieder des Stadtteilforums Hafenquartier nebst Nachwuchs.

Stadtteilforum: Wachsender Verkehr geht mit einem Verlust der Lebensqualität einher

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01. Februar 2018, 18:53 Uhr

Seit drei Jahren sind die Stadtteilforen in Flensburg politische Vertretungen der Quartiere. Grund genug für das Tageblatt, zum Jahresbeginn Bilanz zu ziehen und zu fragen, wo im Stadtteil der Schuh drückt. Zum Abschluss: das Stadtteilforum Hafenquartier (zwischen Nordertor, Toosbüystraße, Rummelgang und Wasserkante).

Wie würden Sie das Besondere an Ihrem Viertel beschreiben?

Das Hafenquartier ist ein historisch gewachsener Stadtteil im Zentrum Flensburgs mit einer für Flensburg typischen Stadtlandschaft aus teils grün bewachsenen Kaufmannshöfen samt den zugehörigen Gängen und Plätzen. Auf engstem Raum mischen sich viele innerstädtische Funktionen wie Wohnen, Handel, Gewerbe, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Vereine und Initiativen. Die offensichtliche Vielfalt von Alter, Herkunft und sozialer Zugehörigkeit ist typisch für die Bewohner in diesem Stadtteil. Entsprechend hat sich hier ein vielfältiges und lebendiges kulturelles Leben entwickelt. Aber es ist auch ein Stadtteil im Wandel. Es gibt großflächige Sanierungen und Neubauten. Ebenso wächst der Anteil der Ferienwohnungen. Supermärkte in der Nähe werden zu neuen entfernteren Standorten verlagert. Der Durchgangsverkehr auf der Schiffbrücke und der ruhende Verkehr in der Norderstraße nehmen seit Jahren zu.

Auf welchem Gebiet hat sich im Stadtteil im Jahr 2017 etwas bewegt?
Das Norderstraßenfest hat sich etabliert und viele Menschen im Quartier miteinander und aufeinander zu bewegt. Die Szene der bildenden Künstler und Kunsthandwerker hat sich deutlich entwickelt. Neben vielen kleinen Initiativen und Projekten wurden zwei neue Produktionsgalerien eröffnet. Ein Kulturatlas des Hafenquartiers ist im Entstehen und soll in diesem Jahr erscheinen. An vielen Häusern sind neuerdings kleine Katzenporträts zu entdecken. Diese kleine liebenswerte Attraktion wird von zahlreichen Besuchern aufmerksam registriert. Mit diesen Schwerpunkten zieht das Hafenquartier Besucher aus anderen Stadtteilen, aber auch aus der Region und dem Süden Dänemarks an. Eine Forumsinitiative mit Unterstützung durch den ADFC Flensburg führte dazu, dass Radfahrer die Norderstraße in beiden Richtungen befahren dürfen. Dies soll ein erster Schritt sein in dem Versuch, die Verkehrssituation im Quartier zu verbessern.

Was ist dagegen das größte Thema, das 2017 im Stadtteil liegengeblieben ist?
Dennoch beeinträchtigt der Verkehr weiterhin die Lebensqualität der Einwohner. Die Ursachen sind vielfältig. Dem ruhenden Verkehr wird viel Platz zu Lasten anderer Mobilitätsformen und der Aufenthaltsqualität im Quartier eingeräumt. Der Durchgangsverkehr nimmt stetig zu. Auch liegengeblieben ist die schon lange zur Debatte stehende Umgestaltung der Parkplatzflächen an der Schiffbrücke.

Wie soll es mit diesem Thema weitergehen und wie könnte es vorankommen?
Wir wollen unsere Initiative für eine Verbesserung der Verkehrssituation und der damit verbundenen Aufenthaltsqualität im Quartier konsequent fortführen, sowohl durch eigene kleinteilige Projekte, sowie in Zusammenarbeit mit anderen Initiativen und der Stadtverwaltung.

Welches weitere Themen wollen Sie 2018 anpacken?
Um den vielfältigen Ideen und bürgerschaftlichen Projekten im Quartier einen festen Ort zu geben, wird ein Raum als Treffpunkt gesucht. Auch könnte dann ein Stadtteilcafé und eine Bürgersprechstunde etabliert werden. Das Projekt „Durchgezogen“ ist so erfolgreich angelaufen, dass es dringend mehr Platz benötigt. Auch ein Repaircafé ist bereits angedacht. Darüber hinaus wollen wir weiter an unserer Vernetzung arbeiten und noch mehr Bewohner, Geschäftsleute und Institutionen mobilisieren, unser Quartier mitzuprägen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Kontakt zwischen Forum und Rathaus?
Wir sind sehr zufrieden. Frau Gieselmann als unsere Ansprechpartnerin im Rathaus informiert und unterstützt uns in jeder Hinsicht optimal.


Wie beurteilen Sie das erste Amtsjahr der Oberbürgermeisterin mit Blick auf den Einsatz für Ihren Stadtteil?
Obwohl Simone Lange persönlich im Quartier präsent ist, hatten wir bezüglich unserer Forumsarbeit seit ihrer Amtseinführung noch keinen Kontakt zu ihr. Wir sind aber zuversichtlich, dass sie unsere Aktivitäten unterstützt bzw. unterstützen wird. Wir würden die Möglichkeit begrüßen, ihr unseren Stadtteil in einem Gespräch vorzustellen und ihren Rat für das weitere Vorgehen einzuholen.

Was wünscht sich Ihr Stadtteilforum von der neuen Flensburger Ratsversammlung, die im Frühjahr gewählt wird?
Wir wünschen uns von der neuen Ratsversammlung, dass sie bürgerschaftliches Engagement ernst nimmt und in Dialog mit den Stadtteilforen tritt, um die Bedürfnisse der Quartiere wahrzunehmen und somit politische Teilhabe zu ermöglichen.

Welches Thema in Ihrem Stadtteil hätte mehr Aufmerksamkeit verdient?
Im Hafenquartier gibt es eine Vielzahl von kleinteiligen Themen, die Aufmerksamkeit verdienen. Die Verkehrssituation jedoch ist ein Thema, das alle betrifft und somit besondere Aufmerksamkeit verdient hat. Ein harmonisches Miteinander von Fuß-, Rad- und Autoverkehr wäre wünschenswert. Auch der oben genannte Wandel des Quartiers sollte sorgsam beobachtet werden.
Ende der Stadtteilserie

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