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Flüchtlinge : Bundespolizei legt Bahnverkehr in Flensburg lahm

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

44 Flüchtlinge am Bahnhof sorgen für einen Großeinsatz. 20 Minuten lang durften keine Züge den Bahnhof anfahren oder verlassen.

Flensburg | Wer den Regionalexpress um 9.02 Uhr nach Hamburg nehmen wollte, hatte Pech. Der fuhr am Dienstag mit 20 Minuten Verspätung ab – so wie alle Züge zwischen 9 und 9.30 Uhr. Für kurze Zeit war der gesamte Zugverkehr von und nach Flensburg lahm gelegt. Der Grund: Eine ungewöhnliche große Zahl an Flüchtlingen war nach Flensburg gekommen und wollte weiter nach Dänemark reisen. Die Bundespolizei hatte alle Fahrten stoppen lassen, damit es bei möglichen Fluchtversuchen über die Gleise nicht zu Unfällen kam.

„Als wir zum Bahnhof kamen, stellten wir insgesamt 44 Personen fest“, sagte Heiko Kraft, Sprecher der Bundespolizei in Flensburg. Das Zugpersonal des RE 21054 aus Hamburg hatte vorab die Bundespolizei aus dem Zug angerufen und informiert. „Viele saßen schon im Zug nach Dänemark“, so Kraft weiter, „der war schon abfahrbereit. Da sind wir rein und haben die Personen wieder herausgeholt.“

Man habe dann alle Ankömmlinge im Bahnhofstunnel versammelt und dort „einen Punkt eingerichtet“, erklärte der Sprecher. Für Außenstehende wirkte dieses Vorgehen auf den ersten Blick wie eine Einkesselung. Auf diese Weise war es für die Beamten einfach, eine Flucht zu unterbinden, außerdem konnte man so auf die Reisenden beruhigend einwirken. Der Tunnel war für einen Zeitraum von ungefähr 20 Minuten für andere Reisende gesperrt.

„Es kommt uns vor allem darauf an, beruhigend auf die Flüchtlinge zu wirken“, erklärt Kraft. Diese Menschen hätten in anderen Ländern zum Teil schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht. „Meistens gelingt es uns recht schnell, für Ruhe zu sorgen.“ So war es auch gestern: Es habe keinerlei Zwischenfälle oder aggressives Verhalten gegeben; die Flüchtlinge seien zudem in einem guten physischen Zustand gewesen.

Für den Einsatz reichte das Personal der Flensburger Bundespolizei nicht aus. „Wir haben uns Unterstützung von der Landespolizei geholt“, so Kraft. Um die Flüchtlinge zur Dienststelle an die Valentiner Allee zu bringen, waren die Fahrzeug-Kapazitäten zu knapp. „Aktiv-Bus hat uns einen Bus zur Verfügung gestellt“, so Kraft.

Grundsätzlich könne hinter jedem Flüchtling eine organisierte Schleusung vermutet werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Bundespolizei: „Um die Schleusungskriminalität wirkungsvoll zu bekämpfen, werden alle Flüchtlinge zu ihren Reisewegen und eventuelle Kontaktpersonen durch Ermittler der Bundespolizei befragt.“ Die Feststellung der Identitäten nahm bei dieser ungewöhnlich großen Zahl erhebliche Zeit in Anspruch. Dolmetscher waren im Einsatz, um sich mit den Menschen aus Afghanistan, Eritrea, Somalia und dem Irak verständlich zu machen. Es seien Männer, Frauen und Kinder im Alter von fünf bis etwa 40 Jahren gewesen, schätzt Kraft.

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erstellt am 12.Aug.2015 | 06:35 Uhr

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