Streitthema Muschelfischerei : BUND lobt Simone Lange

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Miesmuscheln filtern das Wasser und verbessern dadurch dessen Qualität.
Miesmuscheln filtern das Wasser und verbessern dadurch dessen Qualität.

Umweltschützer begrüßen die Entscheidung, die Muschelfischerei in der inneren Flensburger Förde nicht neu zu genehmigen.

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06. Dezember 2018, 09:54 Uhr

Flensburg | „Wir danken Oberbürgermeisterin Simone Lange für diese richtige und nicht selbstverständliche Entscheidung“ sagt Ole Eggers, Landesgeschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Schleswig-Holstein. Die Stadt Flensburg hat als Untere Naturschutzbehörde am Dienstag entschieden, die Miesmuschel-Fischerei für den Teil der Förde, der zum Flensburger Stadtgebiet gehört, nicht erneut zu erlauben. Bei der Befischung von Miesmuscheln werden Muschelbänke mit schweren Metallnetzen abgekratzt. Hierbei wird der Meeresboden schwer geschädigt.

Die Stadt hat damit anders entschieden als der Kreis Schleswig-Flensburg. Zwei Drittel der betroffenen Miesmuschelbänke befinden sich auf Kreisgebiet. Der von Eggers als „Raubfischer“ bezeichnete Kutter „Irene“ kann damit zumindest im besonders empfindlichen innersten Teil der Förde seine Fischerei nicht wiederaufnehmen.

„Die Stadt Flensburg geht hier mit gutem Beispiel voran. Wir wünschen uns, dass der Kreis Schleswig-Flensburg die ökologische Bedeutung dieser Entscheidung begreift und nachzieht“, so Rainer Borcherding, BUND Schleswig. Die Verwaltung des Kreises Schleswig-Flensburg sieht das Wegfangen der Miesmuschelbänke als öffentliches Interesse an und möchte die Muschelfischerei ab 2019 wieder zulassen. Gegen diese Entscheidung des Kreises hat der BUND bereits im Oktober 2018 Widerspruch eingelegt. Derweil prüft das Kieler Umweltministerium, ob die Miesmuschelbänke, die ein Gutachterbüro im Jahr 2015 für befischbar erklärt hat, noch vorhanden sind.

Die „Nordfriesische Seemuschel GmbH“ will weitere fünf Jahre jeweils 1000 Tonnen Miesmuscheln aus der Förde fischen. Umweltverbände und die Sporttaucher des „Unterwasserteam Flensburg“ protestieren seit Monaten gegen diesen Eingriff in die angeschlagene Ökologie der Flensburger Förde. Miesmuscheln bilden am Meeresboden große Bänke, die Lebensraum für viele weitere Tier- und Pflanzenarten sind. Durch Wasserverschmutzung werden die Muscheln geschwächt. Umgekehrt filtern sie selbst das Wasser und fördern die Artenvielfalt. Auch der Stadtrat von Flensburg hat sich parteiübergreifend gegen das großmaßstäbliche Abfischen der gesetzlich geschützten Miesmuschelbänke ausgesprochen.

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