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"Alte Gärtnerei" : Bürgerprotest gegen Bauprojekt

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Anwohner der Alten Gärtnerei an der Fördestraße kündigen Klage an. Statt 70 Reihenhäusern jetzt 190 Wohnungen.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 07:29 Uhr

Flensburg | Der Bürger ist schon auf den Barrikaden, bevor es richtig los geht. Anwohner der Rabenslücke in Mürwik kündigen mit fester Stimme an, notfalls gegen das Bauprojekt "Alte Gärtnerei" vor Gericht zu ziehen. Da hat es in den letzten Monaten eine deutliche Veränderung des Konzepts gegeben: Statt 70 Reihenhäusern sollen hier nun 190 Wohnungen in sieben Häusern entstehen, zwei davon sechsstöckig. Unter lautstarkem Protest verließen Anwohner am Dienstag die Sitzung des Planungsausschusses, der ohne lange Diskussionen den grundsätzlichen Schwenk von den Doppel- zu den Mehrfamilienhäusern durchwinkte.

Doch damit ist die Planung noch lange nicht durch, auch wenn der Ausschussvorsitzende Arne Rüstemeier durchaus Sympathie für die neue Idee empfindet. In der Tat sehen die Entwürfe des Architektenbüros Messner hell und freundlich und gar nicht bedrohlich aus. Doch im Verhältnis zu der Einfamilienhaus-Bebauung im Süden (Kiefernweg) und im Norden (Rabenslücke) sind sie mit vier oder sogar sechs Geschossen relativ hoch. "Aus unserer Sicht passt sich das überhaupt nicht ein", sagt der Bewohner eines Bungalows, der daran erinnert, dass in den 60er Jahren an der Rabenslücke Häuser nur eingeschossig als Bungalow gebaut werden durften.

Einen Anlieger des Kiefernwegs treiben ganz andere Sorgen um: Die Verkehrserschließung soll zu einem großen Teil über eine schmale Zufahrt vom Kiefernweg aus erfolgen, direkt neben einem Einfamilienhaus. Bei 190 Wohneinheiten muss mit deutlich über 200 Fahrzeugen in dem Gebiet gerechnet werden. "Warum macht man die gesamte Verkehrserschließung nicht über die Fördestraße?", fragt der Mann. Nach seinen Informationen darf jedoch diese Ein- und Ausfahrt nur für bis zu 80 Autos ausgelegt werden; der Rest muss über den Kiefernweg und durch die engen, beparkten Mürwiker Straßen fahren. Unter den neuen Häusern sollen Tiefgaragen mit 240 Stellplätzen entstehen, so dass das Areal selbst weitgehend autofrei bleibt.

Beschlossen ist noch nichts, es gibt auch noch keine beschlussfähige Planung. Arne Rüstemeier weist darauf hin, dass die obligatorische Bürgerinformation noch bevorsteht; der Termin ist am 18. Juni. Erst wenn ein Entwurf vorliegt, können Betroffene offiziell Stellung beziehen und ihre Bedenken anmelden.

Doch den Nachbarn aus Rabenslücke und Kiefernweg reicht offenbar der Grundsatzbeschluss, der am Dienstag gefasst wurde - weg von der eher kleinteiligen, konventionellen Bebauung mit Doppelhäusern, hin zu einem moderneren Konzept mit hellen, strukturierten Fassaden, aber auch deutlich mehr Baumasse, mehr Wohnfläche und mehr Bewohnern. Rund 20 Wohnungen sollen nach den Kriterien des sozialen Wohnungsbaus errichtet werden. Die kleineren Wohnungen sollen eher vermietet, die größeren in den kleineren Häusern im Osten eher verkauft werden. Die Wohnungen decken ein Spektrum von Single-Appartments bis hin zur 200 Quadratmeter großen Penthouse-Wohnung ab. Alle Häuser erhalten Fahrstühle. Im Areal gibt es Aufenthaltsflächen, auch an ein kleines Café wird gedacht, wie Architekt Matthias Keil bei der Vorstellung erläuterte. Investor ist die Firma Woba aus Böklund.

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