zur Navigation springen

Stadtplanung : Bürger wollen Bauprojekt anfechten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ausschuss stimmt Plänen für „Alte Gärtnerei“ in Mürwik mit 190 neuen Wohnungen zu / Anlieger kündigen Normenkontrollklage an

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2014 | 07:29 Uhr

Schon lange nicht mehr hat sich die Stadt so intensiv mit einem Bauprojekt beschäftigt wie mit der Alten Gärtnerei in Mürwik. Mit großer Mehrheit hat der Planungsausschuss jetzt den modifizierten Entwurf als Satzung beschlossen und damit Baurecht geschaffen – vorausgesetzt, der Rat bestätigt in einer Woche den Beschluss. In der abschließenden Lesung kochten die Emotionen erneut hoch, und es fielen harte Worte. Ob der Plan, in unmittelbarer Nachbarschaft von Bungalows fünfstöckige Bebauung zuzulassen, durchhält, bleibt abzuwarten: Streitbare Anwohner haben Klage angekündigt.

In Mürwik – zwischen Fördestraße, Kiefernweg, Osterkoppel und Rabenslücke – macht die Stadt Ernst mit ihrer Ankündigung, neuen Wohnraum innerhalb bebauter Wohnviertel zu schaffen. Nachverdichtung heißt das im Deutsch der Stadtplaner. Und sie forciert wie versprochen den Geschosswohnungsbau, also viele Wohnungen auf kleiner Wohnfläche. 190 Wohnungen in insgesamt sieben Baukörpern, die bis zu fünf Geschosse haben, sollen hier entstehen, mit einer durchgehenden Tiefgarage darunter. Investor ist das Unternehmen Woba aus Böklund, das erstmals ein Projekt dieser Größenordnung in Flensburg realisieren möchte.

Nachdem in etlichen Sitzungen immer wieder über Aussehen und Gestaltung, Größe und Abstufung des Ensembles diskutiert worden ist, ging es in der entscheidenden Sitzung vor allem um die Frage, ob diese Planung in das Umfeld passt und ob man ausreichend mit den Betroffenen gesprochen hat. Und hier gingen die Einschätzungen weit auseinander. Für Albert Wegner – ein Anlieger der Rabenslücke, dem am Dienstag nach Abstimmung Rederecht eingeräumt wurde – ist die Planung „rücksichtslos“, weil die fünfstöckigen Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft der eingeschossigen Bungalows stehen. Dazu Chefplaner Peter Schroeders: „Die Abstandsflächen sind doppelt so groß wie vorgeschrieben.“ Wegner beklagte zudem, nicht von Beginn eingebunden worden zu sein und kündigte ein Normenkontrollverfahren an. Damit soll geklärt werden, ob die geplante Bebauung an dieser Stelle zulässig ist. Eine Klage würde eine Baugenehmigung nicht automatisch stoppen; ein Richter müsste entscheiden, ob sie auszusetzen ist. Schroeders sieht diesem Verfahren gelassen entgegen. Nachdem Wegners Redezeit beendet war, meldete er sich anschließend trotz Ermahnung lautstark zu Wort, woraufhin der Vorsitzende Axel Kohrt ihn des Raumes verwies. Der eigentliche Eklat war jedoch, dass Ratsherr Heinz-Werner Jezewski (Die Linke) sich öffentlich für Kohrts Verhalten entschuldigte, sich „schämte“ und Kohrt aufforderte, Wegner wieder hereinzubitten. Dafür handelte er sich einen deutlichen Rüffel des CDU-Mannes Arne Rüstemeier ein, der seinem SPD-Kollegen Kohrt den Rücken stärkte und sagte, dass Wegner nichts Neues berichtet habe.

Die Befürworter – es gab neun Ja-Stimmen bei einem Nein (FDP-Mann Kim Harder) und zwei Enthaltungen – betonten durch die Bank, dass die Entwürfe im Laufe des Verfahrens in der Höhe reduziert worden seien und dass man, wie Harro Teichmann (WiF) sagte, „einen tragbaren Kompromiss erreicht“ habe. Allerdings seien immer noch Verbesserungen für die Nachbarn möglich. Stefan Thomsen (Grüne) verwies darauf, dass die städtischen Auflagen das Projekt „an den Rand der Wirtschaftlichkeit“ gebracht hätten. Das Ergebnis sei „das, was man unter einem Kompromiss versteht“. Eigentlich ein Befürworter, konnte SSW-Mann Glenn Dierking am Ende doch nicht zustimmen: Er hätte sich mehr Kreativität bei der Abstufung der Geschosse gewünscht.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen