Bürger kämpfen für Bauer Knop

Der harte Kern der Bürgerinitiative um Ingo Knop (4. v.l.): Wo die Aktivisten stehen, ragt in einem Jahr ein 3,50 Meter hoher Lärmschutzwall empor.
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Der harte Kern der Bürgerinitiative um Ingo Knop. Wo die Aktivisten stehen, ragt in einem Jahr ein 3,50 Meter hoher Lärmschutzwall empor.

Umstrittene Enteignung des Taruper Landwirts: BI will Baustopp erkämpfen – Stadt legt auf Baugelände Knicks und Bäume um.

shz.de von
10. Februar 2018, 07:00 Uhr

Tarup | Es geht los. Trupps mit Kettensägen und Minibagger bilden seit Montag rechts von der Taruper Hauptstraße die Vorhut für den Bau einer umstrittenen Straße. Ab 1. März greift der gesetzliche Schutz der Knickbewohner vor dem Verlust ihres Lebensraumes, bis dahin muss im Taruper Osten alles bereit sein für den Bau des letzten Teilstücks der K 8. Die Stadt, die sich hier in einem umstrittenen Enteignungsverfahren fünf Hektar Bauernland einverleibt hat, muss hier bis Frühjahr 2019 unbedingt die Straße fertig stellen, wenn sie nicht Fördermittel in Millionenhöhe zurückzahlen will. Doch der staatliche Druck bekommt in Tarup mehr und mehr bürgerlichen Gegendruck. Um den betroffenen Landwirt Ingo Knop hat sich in dieser Woche eine Bürgerinitiative gebildet, die bei den Enteignungsparteien – CDU, SPD, SSW und FDP – für Misstöne im gerade beginnenden Kommunalwahlkampf sorgen könnte. „Wir werden uns einmischen“, verspricht Ulrich Ragotzki, Mitbegründer der Bürgerinitiative.

Marcus Vormann ist Vorsitzender des Forums Tarup, das die Interessen von mittlerweile über 4000 Bewohnern vertritt – und ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative. „Viele haben überhaupt nichts gegen diese Straße“, sagt Vormann. „Aber wie die Stadt im Fall Knop vorgegangen ist, das stinkt den meisten ganz gewaltig!“

Die Stadt plant diese Straße seit 12 Jahren. Schon 2007 und danach noch einige Male hatte Knop im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung erklärt, dass er nicht verkaufen werde – aber das kümmerte niemanden. Im Gegenteil: Statt eine damals mögliche konfliktfreie südliche Trasse zu bauen, entschieden sich politische Mehrheit und Verwaltung sogar noch für eine verschärfte nördlichere Variante, die kurz vor Knops Südterrasse das wertvollste Bauernland, die Hauskoppel schneidet.

Das ruft jetzt Widerstand auf den Plan. Am Donnerstagabend gründete sich eine auf Facebook schnell wachsende Bürgerinitiative Tarup – mit dem erklärten Ziel, diesen Straßenbau noch zu verhindern. Sie ist Konsequenz aus einer immer kräftiger aufflammenden Diskussion darüber, ob es wohl in Ordnung ist, wenn Verwaltung und Politik den Bürger für eigene Fehler zahlen lassen.

„Viele sind einfach entsetzt über das Vorgehen der Stadt“, sagt Neumitglied Julia Reinhart. „Den Menschen einfach ihr Land wegzunehmen – das sind doch mittelalterliche Verhältnisse!“ Wie Ingo Knop hofft sie mit vielen anderen aus der Initiative, noch einen Baustopp zu erreichen. Der Taruper Bauer hat inzwischen ein Planfeststellungsverfahren beantragt, in dem geprüft wird, ob die Gesamtplanung rechtskonform abgelaufen ist. Ein Verfahren, das sich noch lange hinziehen kann. Und manch einer befürchtet, die Stadt werde versuchen, dieses Verfahren ebenso wie das parallel laufende Widerspruchsverfahren gegen die Enteignung in die Länge zu ziehen, um Knop zu zermürben.

Dass im Rathaus keine besonders große Eile herrscht, zeigt schon, dass an der von der Linkspartei geforderten und von Oberbürgermeisterin Simone Lange versprochenen internen Aufarbeitung der Planungsgeschichte kein übermäßiges Interesse zu herrschen scheint. „Wir haben der Politik letztes Jahr unser Konzept für die Aufarbeitung vorgestellt und eigentlich Rückmeldungen und Vorschläge erwartet“, sagt Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf auf Anfrage. „Aber da kam nichts. Wir werden im nächsten Hauptausschuss nochmals daran erinnern.“

Kontakt der Bürgerinitiative:

BI-Tarup@web.de

www.forum-tarup.de

Facebook: Bürgerinitiative Tarup; Solidarität mit Bauer Knop

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