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Altlast : Bürger fragen nach Bohrungen der Bahn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Grundwasser und Erdreich wurden vor 100 Jahren durch eine so genannte „Masttränke“ verunreinigt – womöglich ist ein Bodenaustausch erforderlich

Auf der Liste der wenig bekannten Straßen in Flensburg dürfte die Lange Reihe ganz oben stehen. Selbst Urgesteine der Fördestadt runzeln nachdenklich die Stirn, wenn nach ihr gefragt wird. Kein Wunder, denn die Lange Reihe ist eigentlich ganz kurz und dazu das Gegenteil einer Durchgangsstraße. Sie liegt eingeklemmt zwischen den Bahnanlagen in Weiche und dem Wohngebiet südöstlich des Alten Husumer Wegs.

Direkt gegenüber der kleinen alten Einfamilienhäuser wird seit vielen Jahren gebohrt – nicht nach Öl, sondern nach Verunreinigungen. Dirk Hoffmann, der hier vor einigen Jahren ein Häuschen gekauft hat, weiß bis heute nicht, was dort geschieht. „Man wird nicht aufgeklärt“, beklagt er. „Warum werden die Anlieger nicht informiert?“ Regelmäßig würden Ingenieure kommen, nach den Bohrstellen sehen oder diese versetzen. Wenn man sie befragt, bekomme man ausweichende oder gar keine Antworten, beklagt Hoffmann.

„Man macht sich doch auch Sorgen um den Wert des eigenen Grundstücks“, sagt Hoffmanns Lebensgefährtin Brigitte Hinrichsen. Ist der Boden unter dem Häuschen etwa auch verseucht? Kann man noch Gemüse anbauen? Dürfen Kinder im Sand buddeln und auf dem Rasen krabbeln? Muss wie im Gleisdreieck am Ende der Boden großräumig ausgetauscht werden? Auf Fragen dieser Art hätten er und seine Nachbarn bislang keine Antworten erhalten, beklagt Hoffmann.

Die rätselhaften Arbeiten in Weiche gehören zum Programm „Ökologische Altlasten“ der Deutschen Bahn. Schon vor 14 Jahren habe man mit vorbereitenden Untersuchungen begonnen, teilte Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst mit. Die an der Langen Reihe festgestellten Verunreinigungen des Bodens und des Grundwassers stammen von einer früheren „Masttränke“, die hier angesiedelt war. Hier wurden vor rund 100 Jahren Holzmasten und -schwellen mit Chemikalien imprägniert, um sie gegen Fäulnis zu schützen.

Bei den Schadstoffen im Boden handelt es sich um polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige krebserregend sind. Vor acht Jahren ist die Bahn dazu übergegangen, das Grundwasser zu reinigen. Eine Umweltfirma pumpt aus drei Brunnen Grundwasser nach oben, reinigt dieses in einer mehrstufigen Anlage und lässt es dann wieder versickern.

Im Vorfeld dieser Maßnahme seien die Anwohner „eingebunden“ worden, teilt die Bahn weiter mit; an deren Häuser seien Beweissicherungsmaßnahmen vorgenommen worden. Davon weiß Dirk Hoffmann allerdings nichts. Auch die Randbereiche seien in das Überwachungsprogramm einbezogen. Ob ein Bodenaustausch erforderlich sei, könne man heute noch nicht sagen, so Sabine Brunkhorst. Die Untersuchungen und Grundwasserbehandlungen würden fortgesetzt, bis „ein geeignetes Verfahren zur Sanierung der Schadensquelle nachgewiesen und behördlich bestätigt wurde.“

 

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erstellt am 21.Feb.2014 | 12:25 Uhr

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