Gartenstadt in Flensburg : Bürger beklagen Kahlschlag für Schmetterling

Alles kahl: Kay Richert (vorn) und seine Nachbarn stehen dort, wo bis vor wenigen Tagen noch alles dicht bewachsen war.
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Alles kahl: Kay Richert (vorn) und seine Nachbarn stehen dort, wo bis vor wenigen Tagen noch alles dicht bewachsen war.

Direkt an der Gartenstadt Weiche wurden große Flächen mit Gehölzen gerodet, um dem Goldenen Scheckenfalter Lebensraum zu bieten. Anwohner sind fassungslos.

shz.de von
05. März 2014, 08:00 Uhr

Flensburg | Aufregung in der Gartenstadt Weiche: „Ich kann nicht sehen, warum das für die Natur gut sein soll“, empört sich Nicole Schröder. Vor einer guten Woche begannen Rodungsarbeiten im südlichen Teil des Stiftungslands Schäferhaus. Hier, direkt angrenzend an die Gartenstadt, wurden seitdem großflächig Gehölze entfernt. „Das ist doch Kahlschlag“, schimpft eine andere Bewohnerin. „Das war früher ein Hohlweg“, sagt Kay Richert, der hier auch ein Anwohner ist und das Thema als FDP-Ratsherr ins Rathaus bringen will.

Am Freitag der vorvergangenen Woche fanden die direkt am Stiftungsland wohnenden Anlieger ein Flugblatt in ihren Briefkästen, das über die anstehenden Arbeiten aufklärte. Montag schon begannen die Rodungsarbeiten. „Da fühle ich mich schlecht und zu spät informiert“, sagt Nicole Schröder. „Transparenz sieht anders aus“, klagt Richert und fordert umfassende Aufklärung. „Niemand versteht, warum der Lebensraum unzähliger heimischer Tiere und Pflanzen geopfert wird, um einem einzigen Schmetterling einen optimalen Lebensraum zu bieten.“

Was ist geschehen? „Artenreich und blütenbunt – so mag es der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia).“ Das teilte die Stiftung Naturschutz vor rund zwei Wochen mit. „Um den Lebensraum für den in Schleswig-Holstein als verschollen geltenden Tagfalter für seine Rückkehr vorzubereiten, optimiert die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im Rahmen des Projektes LIFE Aurinia insgesamt zehn Projektgebiete, darunter das Stiftungsland Schäferhaus-Süd.“ Dafür müsse man eine Landschaft herstellen, die einer Savanne ähnelt. Also weg mit Gehölzen und Pflanzen wie Weißdorn, Traubenkirsche und Kartoffelrose. Gut die Hälfte der vorhandenen Gehölze mussten weichen. Dafür soll ein besserer Lebensraum „für Vögel, Insekten und lichtliebenden Blütenpflanzen“ entstehen. „Und was ist mit den Hasen, Füchsen, Rehen und Fasanen?“, fragen die Bewohner des Geestbogens. „Seit einer Woche zwitschern hier keine Vögel mehr“, so Richert. „Man soll doch froh sein über jeden Baum der nach Sturm Christian noch steht!“, ergänzt eine Nachbarin.

Wie es zu diesen Entscheidungen gekommen ist und welche Rolle eventuell Flensburger Behörden hierbei gespielt haben, ist laut Richert derzeit noch unklar. So spricht der verteilte Flyer von einem „dem TBZ Flensburg gehörenden Flurstück“, das in die Weidelandschaft integriert werden soll. Die FDP-Ratsfraktion hat daher eine Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt.

Auf dem Gelände des ehemaligen Standortübungsplatzes ist in den vergangenen Jahrzehnten das Stiftungsland Schäferhaus als Naherholungsraum entstanden. Weitestgehend unbeeinträchtigt von menschlichen Eingriffen hat sich eine für Schleswig-Holstein typische Landschaft entwickelt, die vielen einheimischen Tieren und Pflanzen einen geschützten Lebensraum bietet. Die Bürger von Weiche, aber auch viele weitere Flensburger nutzen diese Idylle gern zur Naherholung, etwa beim sonntäglichen Familienspaziergang.

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