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Die Axt in der Stadt : Bürger ärgern sich über Baumfällungen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Sonwik wurde die Uferpromenade abgeholzt, im Nane-Jürgensen-Weg Platz für ein Bauvorhaben geschaffen

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2017 | 07:19 Uhr

Im Stadtteil Fruerlund wurden reihenweise Bäume abgesägt – mehrere Leser informierten die Tageblatt-Redaktion, äußerten Empörung und Unverständnis für das Abholzen. Wo sind Lesern weitere Abholzaktionen aufgefallen, fragte die Redaktion in einer Umfrage. Das Ergebnis: Die Sägen kreischten von Sonwik bis ins Bahnhofsviertel.

Mit völligem Unverständnis verfolgte Rainer Paulsen das Geschehen nahe seiner Wohnung am Ende des Nane-Jürgensen-Weges. Dort verschwanden nicht nur ein paar größere Bäume, sondern eine komplette kleine Garten-Kolonie. Dort ist nach Informationen der Nachbarn der Bau eines Blocks mit Eigentumswohnungen geplant. Für das Projekt wurden vor wenigen Tagen mehrere stattliche Bäume beseitigt. Dass das Bauvorhaben nicht dem Schutz des alten Baumbestandes vorgezogen werde, sei für ihn unverständlich. „Es ist unglaublich“, ärgert sich Paulsen.

Wenn Bäume, die unter dem Schutz der Baumschutzsatzung stehen, für ein Bauvorhaben gefällt werden, werden Neupflanzungen in der Baugenehmigung verlangt. Diese Pflanzungen können im gesamten Stadtgebiet geschehen, erklärt Asta Simon von der Pressestelle der Stadt. In manchen Fällen seien auch Ausgleichszahlungen möglich.

Markus Groth meint in seiner Zuschrift: „Es ist sehr schwer zu ertragen, wenn in Zeiten des Klimaschutzes, des Klimawandels, der CO2-Neutralität und des Artenschwundes so ein Bild der sogenannten Landschaftspflege geboten wird. In der Umgebung von Sonwik wurden ca. 90 Prozent der oberirdischen Biomasse entfernt. Hier hätten Hunderte von Singvögel in diesem Frühjahr sichere Brutplätze gefunden und Tausende von Fluginsekten ihre Futterplätze.“

„Wäre es nicht besser gewesen, die Hälfte der Gehölze zu verschonen?“, fragt Markus Groth. „Und wie viele Ressourcen wurden hier verschwendet, um die vorhandene Biomasse zu entfernen?“

Nach dem Stellenwert der Natur für die Stadt fragt Volker Beeck nach seinen Erlebnissen als Kleingärtner in der Kleingartenkolonie „Drosselnest“ im Bereich Bauer Landstraße. Im Frühjahr 2016 sei 13 langjährigen Pächtern gekündigt worden – für das Neubauprojekt „Wohnen mit Blick auf die Bergmühle“.

Beeck schildert, er habe 2014 einen Kleingarten für 2000 Euro Abschlagzahlung übernommen. Bei Unterzeichnung des Pachtvertrages sei keine Rede von einem Bauvorhaben gewesen. Er habe viel Mühe und Geld in den Garten investiert. Bei Erhebungen stellten Biologen fest, dass sich allein im Garten von Volker Beck 22 Vogelarten fanden, darunter der auf der „Roten Liste“ stehende Trauerschnäpper und ein Uhu, dazu vier schützenswerte Fledermausarten.

Der Stadt machte Beeck den Vorschlag, die Kolonie als Schulgarten für die Grundschule zu nutzen oder einen für alle Bürger zugänglichen Park zu gestalten, weil im nördlichen Stadtteil sonst keine naturnahe Fläche mit Baum- und Tierbestand mehr vorhanden sei. „Ich wurde belächelt und erhielt keinerlei Zuspruch.“ So ein Vorhaben bringe eben kein schnelles Geld, und in Bildung und Zukunft für kommende Generationen zu investieren, halte derzeit niemand für nötig.

Anke Koppers aus Glücksburg verweist darauf, dass auch in der Nachbarstadt geholzt wird: „Im Hof der Senioren-Residenz (Physiopraxis) fielen zwischen Weihnachten und Neujahr kommentarlos viele (zu viele?) Bäume.“ Eichhörnchen hätten Paarungszeit und bauten mehrere Kobel – wo? Dasselbe gelte für die Singvögel, deren Bestand stark zurückgehe. 

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