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IHK-Innovationspreis : Bühne frei für deutsch-dänische Ideen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Versteckte Champions: Die Industrie- und Handelskammer sucht Bewerber für einen Innovationspreis mit grenzüberschreitendem Ansatz.

Grenzüberschreitende Unternehmer-Ideen möchte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Flensburg ins Rampenlicht holen. Warum dafür ein deutsch-dänischer Innovationspreis gerade im 150. Jubiläumsjahr der Schlacht auf den Düppeler Schanzen ausgeschrieben wird, erklärt der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Dirk Nicolaisen.

Herr Nicolaisen, Sie schlagen einen weiten Bogen vom deutsch-dänischen Krieg vor 150 Jahren zum Wirtschaftsleben von heute. Wie passen diese beiden Enden zusammen?

Der 150. Jahrestag der Schlacht auf den Düppeler Schanzen ist einfach nur Anlass für die Ausschreibung des deutsch-dänischen Innovationspreises. Wir möchten darstellen, dass es heute genau anders herum ist – dass sich die deutsche und dänische Seite befruchten und dass die Unterschiede zwischen Deutschen und Dänen auch Potenziale bieten. Es ist unser Beitrag zum Interreg-Projekt „Düppel 2014“, das ausdrücklich nicht nur die Historie beleuchten soll – sondern auch, welche Gemeinsamkeiten zwischen Deutschen und Dänen es in unserer Zeit gibt.

Wen genau suchen Sie?

Wir vergeben insgesamt zwölf Preise. Sechs speziell für Existenzgründungen und weitere sechs für weitere innovative Projekte mit deutsch-dänischem Ansatz. In dieser zweiten Kategorie können sich neben Unternehmern auch Akteure aus anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen bewerben. Etwa auch aus dem Sport oder von den Hochschulen. Bei den Existenzgründungen berücksichtigen wir Projekte zurück bis zum Jahr 2009. Bewerbungsschluss ist der 14. Februar. Ich setze darauf, dass wir den ein oder anderen „Hidden Champion“ finden.

Wieviel Geld winkt den Siegern?

Es gibt insgesamt 40 000 Euro für insgesamt sechs deutsche Preisträger, gestiftet vom Verein „Flensburg Innovativ“. Und 340 000 Kronen für insgesamt sechs dänische Preisträger, gestiftet vom Bitten- und Mads-Clausen-Fonds, also von Danfoss.

Ist es vollkommen gleich, womit sich die Bewerber inhaltlich beschäftigen?

Sie sollten einen Bezug zu mindestens einer der sechs Stärken-Positionen haben, die die grenzüberschreitende Wirtschafts-Entwicklungsstrategie als Kernkompetenzen der deutsch-dänischen Region identifiziert hat. Das sind erneuerbare Energien und Energie-Effizienz, Gesundheitswirtschaft und Wohlfahrtstechnologie, Erlebniswirtschaft und Tourismus, Ernährungswirtschaft, Logistik und das Querschnittsthema Wissen.

Und wie grenzüberschreitend muss eine Idee konkret sein, um vor der Jury bestehen zu können?

Sie muss in ihrer Wirkung grenzüberschreitend ausgerichtet sein, idealerweise von der Produktentwicklung bis zur Vermarktung.

Nun wird so gut wie jedes Unternehmen heute für sich in Anspruch nehmen, seine Waren oder Dienstleistungen nicht nur in einem Land anzubieten. Können Sie die Kriterien etwas schärfer fassen?

Es soll schon über einen reinen Absatzmarkt auf der jeweils anderen Seite der Grenze hinausgehen. Der einfache Export von Holz nach Dänemark oder von Schweinen nach Deutschland ist nicht die Innovation, die wir uns vorstellen. Es sollten feste Kooperationspartner auf der anderen Seite der Grenze da sein. Ein preiswürdiges Projekt muss so geplant sein, dass es im gemeinsamen deutsch-dänischen Wirtschaftsraum auch umgesetzt wird und nachhaltig bestehen kann.

Was macht Sie so zuversichtlich, wie Sie sagen „Hidden Champions“, also versteckte Meister zu heben?

Wir wissen aus unserer täglichen Arbeit in der IHK, dass der Blick für die andere Seite der Grenze wirklich an Bedeutung gewinnt. Darauf gründet sich meine Zuversicht. In unserem Hause finden mittlerweile jährlich über 150 Einzelberatungen für Unternehmen statt, die grenzüberschreitend etwas machen wollen. Der jetzige Wettbewerb soll ein Anreiz sein, diese Vielfalt stärker nach außen zu dokumentieren.

Welche Entwicklung merken Sie in dieser Beratungstätigkeit?

Es ist selbstverständlicher geworden, die jeweils andere Seite mit in den Blick zu nehmen. Nicht nur der Waren-, auch der Dienstleistungsaustausch hat deutlich zugenommen. So beteiligen sich deutsche Firmen immer öfter an öffentlichen Ausschreibungen in Dänemark, etwa für Bauleistungen oder Lieferungen, die zum Beispiel die dänische Heimwehr ausschreibt.

Was hat die Augen stärker geöffnet?

Die Aussicht auf mehr Wertschöpfung.

Aber die gab es schon immer.

Es gab aber auch mehr Hemmnisse. Auch rechtlicher Natur, als der europäische Binnenmarkt noch nicht so weit entwickelt war wie heute. Vor allem aber gab es meiner Meinung nach eine Überbetonung der kulturellen Unterschiede. Und es ist auch eine Generationenfrage.

Gibt es so etwas wie das schönste Erlebnis aus Ihrer Jahrzehnte langen deutsch-dänischen Zusammenarbeit?

Kein Einzelereignis, sondern die Entwicklung. Wie soll ich das jetzt diplomatisch ausdrücken? Dass die Serie der politischen Sonntagsreden etwas zu reißen scheint. Stattdessen rufen Unternehmer an, die vor fünf, sechs Jahrenüberhaupt nicht daran gedacht haben, dass Dänemark für sie ein Markt sein könnte, und ganz alltägliche Fragen haben. Etwa: Ich will meinen Lkw längerfristig in Dänemark einsetzen – was muss ich beachten? Dass wir immer mehr zu einem normalen Geschäftsalltag kommen, beruhigt mich.

Am 3. April erfolgt die Preisvergabe - und dann ist alles vorbei?

Keineswegs. Es geht weiter. Alle Preisträger erhalten das Angebot, von uns langfristig mit einer Beratung begleitet zu werden. Und: die Preisvergabe ist nur ein Teil eines großen deutsch-dänischen Wirtschaftstags am 3. April bei Danfoss Silicon Power in Flensburg, also an einem Standort, der deutsch-dänischer kaum sein kann.

Da gibt es Fachvorträge renommierter Experten und Workshops zu den sechs Stärkenpositionen der Grenzregion. Darin wollen wir noch mehr Unternehmer von beiden Seiten der Grenze zusammenbringen – damit der Schulterschluss noch enger wird.

 

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erstellt am 17.Jan.2014 | 14:00 Uhr

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