Flensburg : Bücherbus vor der Rettung

Beliebt und teuer - Haushalts-Füchse wollen den  maroden Bücherbus ausmustern, Sozial- und Bildungspolitiker wollen das mobile Bildungsangebot retten. Foto: Iwersen
Beliebt und teuer - Haushalts-Füchse wollen den maroden Bücherbus ausmustern, Sozial- und Bildungspolitiker wollen das mobile Bildungsangebot retten. Foto: Iwersen

Kulturausschuss will Fortdauer des Angebots sichern. Der Förderverein bietet Unterstützung bei Neukauf an. Der Bus hat nur noch vier Monate TÜV.

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02. März 2013, 06:57 Uhr

Flensburg | Noch ist er auf der roten Liste der bedrohten Angebote. 26 Jahre auf dem Buckel, 186 000 Kilometer auf dem Tacho, im Juli muss er zum TÜV - keine Frage: Flensburgs Bücherbus hat keine besonders gute Prognose. Deshalb haben Rödl & Partner, die unbarmherzigen Kontrolleure des Flensburger Haushalts, ihn auch als auslaufendes Modell abgestempelt. Jetzt will der Kulturausschuss einen kräftigen Anlauf nehmen, das Angebot einer mobilen Bibliothek noch in dieser Legislaturperiode des Rates auf Jahre hinaus zu sichern. Zur Not mit einem neuen Bus.

Einstimmig verständigten sich sämtliche Fraktionen auf eine Sondersitzung am 21. März. Bis dahin soll die Verwaltung Zahlen für diverse Szenarien geliefert haben. Reparatur, Ersatzbeschaffung gebraucht, Umbau eines vorhandenen Linienbusses und dergleichen mehr. Dann aber wird es nicht mehr um die Frage gehen, ob der Bücherbus erhalten bleibt, sondern wie das Angebot aussehen wird. Die Entscheidung obliegt dann der Ratsversammlung am 25. April. Der letzten vor der Kommunalwahl am 26. Mai.

Das wird noch intern für Ärger sorgen. Denn der Bücherbus ist nach Erhebungen der externen Gutachter ein Kostenfaktor, der mit jährlich 70 000 Euro zu veranschlagen ist. Und zum Sparen hat sich die Stadt verpflichtet: Dem Land gegenüber im Rahmen des Konsolidierungshilfsfonds und auf lokaler Ebene im Rahmen des Haushaltsstabilisierungspaktes. Immer wieder flackerte in der Diskussion daher die Befürchtung auf, dass im Kulturausschuss die soziale Ader der Politik dem Angebot zustimmt, um es im Finanzausschuss aus fiskalischen Gründen abzulehnen. Und ohne Finanzausschuss bzw. Ratsversammlung geht es nicht. Über die für eine Neuanschaffung im Raume stehende Summe von immerhin 400 000 Euro kann der Kulturausschuss nicht entscheiden.

Aber ein Signal setzen. Und um dieses Signal bat Dr. Hans Carsten Jacobsen als 1. Vorsitzender des Fördervereins der Stadtbibliothek. "Es ist beeindruckend, wie sehr der Bücherbus in der Bevölkerung akzeptiert wird", meinte Jacobsen, der auch eine große Spendenbereitschaft registriert haben will. "Wir sind von vielen Bürgern angesprochen worden. Sein Appell: "Die Politik muss den Bürgern ein Signal geben!" Der Förderverein sei bereit, sich mit aller Macht für den Bücherbus ins Zeug zu legen. Runder Tisch, Spenden sammeln, Benefiz-Veranstaltungen - "Ich bin sicher, wir können die Bevölkerung mobilisieren und einen wesentlichen Betrag zusammenbekommen!"

Hauptsache, der alte Bus kommt noch mal über den TÜV. Denn Büchereibusse gibt’s nicht beim Büchereibus-Händler um die Ecke. "Wir müssen hoffen, dass er durchhält", sagte Bücherei-Chef Martin Slatki. "Das sind Sonderfahrzeuge mit einer Fertigungszeit von einem Jahr." Die Kollegen von Aktiv Bus hatten den grün-gelben Literatur-Dino unlängst auf der Hebebühne. Resultat: "Restlaufzeit und Folgekosten sind nicht zu kalkulieren . . ."

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