zur Navigation springen

Steinbergkirche : Buch-Raritäten gehen auf die Reise

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kirchspiel-Chronikverein will die jütische Gesetzesordnung von 1717 und Dilherr-Bibel aus der Zeit um 1750 in Dresden restaurieren lassen. Bücher werden später im Dorfhaus ausgestellt.

Steinbergkirche | Etwas „fleddrig“ schaut das Buch aus, das Archivpfleger Mathias Norden – seit einem Jahr im Amt – im Fundus des Kirchspiel-Chronikvereins Quern-Neukirchen entdeckt hatte und während der Jahresversammlung den 88 Mitgliedern präsentierte. Dabei handelt es sich um ein jütisches Low-Buch, eine Gesetzesordnung, von 1717. Es ist eines von gleich „zwei sehr alten Büchern“, die restauriert werden müssen. Dies sei ohne Frage aufwändig, koste Geld, aber lohne sich allemal, so Norden.

Das Low-Buch enthält eine ausführliche Gesetzesordnung von 1241, für die König Waldemar II von Dänemark verantwortlich zeichnet. Diese Rechtsordnung war im dänischen Königreich bis 1683 gültig – manches gilt bis heute, darunter folgende Regelung: „Jedermann darf in dem Wald eines anderen beliebig viele Nüsse und Beeren verzehren, jedoch nicht mitnehmen.“

Bei dem anderen „sehr alten Buch“ handelt es sich um eine in Nürnberg gedruckte sogenannte Dilherr-Bibel aus der Zeit um 1750 – eine evangelische Bibel in seltener kommentierter Ausgabe mit altem und neuem Testament, Glossaren und Apokryphen-Schriften als Anhang. Wenn auch viele Seiten dieser großformatigen Bibel fehlen, so ist deren Einband mit der Abbildung von Moses mit den Gesetzestafeln und den vier Evangelisten auf den Eckbeschlägen sowie die Buchschließen noch recht gut erhalten. Es bestehe die Möglichkeit, so Norden, dass eine Restauratorin in der Nähe von Dresden die fehlenden Seiten, wenn sie denn in digitaler Form vorhanden sind, nachgedruckt in die Bibel einfügen und das Kirchspielarchiv dann eine komplette Rarität sein eigen nennen kann.

Schon bald werden beide Bücher auf die Reise zur Buchrestauratorin geschickt und später im Dorfhaus Quern, in dem sich das Büro der Kirchspielchronik befindet, ausgestellt.

Zu Beginn der Jahresversammlung hielt die Vorsitzende Renate Nissen, auch sie ist erst seit einem Jahr im Amt, die Rückschau und wies darauf hin, dass jeden ersten Dienstag im Monat von 17 bis 19 Uhr im Dorfhaus Quern die Möglichkeit besteht, sich zu informieren. Dieses Angebot werde von den Bürgern der im Kirchspiel Quern-Neukirchen unterschiedlich häufig genutzt. Interesse besteht ihren Worten zufolge an den Chronikbüchern – nicht nur bei Neubürgern, sondern auch bei Menschen in Dänemark und der Schweiz. Dem Verein sei es wichtig, das, was in den 14 Dörfern des Kirchspiel war, in Erinnerung zu behalten. Geschichten für die Nachwelt niederzuschreiben, sei das erklärte Ziel des Vereins. Und deshalb ruft Renate Nissen alle Bürger im Einzugsbereichs des Vereins zur Mitarbeit auf. Wie und in welcher Form, das werde in Gesprächen zu klären sein.

Beeindruckt vom Geschehen im Chronikverein zeigte sich Clemens Teschendorf, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Steinbergkirche. Die Mitglieder hielten die Geschichte mit Geschichten fest und trügen so zur Identifikation in und mit den Dörfern, in denen sie lebten, bei, sagte er. Veränderungen in der Vergangenheit bildeten, so Teschendorf, das Fundament für die Zukunft. In vielen Gesprächen mit Bürgern habe er den Eindruck gewonnen, dass es ihnen wichtig sei, festzuhalten, wie das damals war. Vor diesem Hintergrund könne er nur dazu ermuntern, Erinnerungen wachzuhalten. In vielen Gesprächen gehe es immer wieder auch um die aktuelle Flüchtlingssituation, fuhr er fort. Er begegne vielfach Personen mit eigenen Fluchterfahrungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei diesen gebe es ein Grundverständnis für Menschen, die sich heute kriegsbedingt in schwierigen Situationen befinden und Zuflucht suchen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen