Bredegatt - das verschwundene Dorf in Angeln

Bernhard Asmussen (l.) und Uwe Borg mit einem alten  Wegweiser nach Bredegatt.  Foto: hjk
Bernhard Asmussen (l.) und Uwe Borg mit einem alten Wegweiser nach Bredegatt. Foto: hjk

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30. Juli 2010, 05:21 Uhr

Steinbergkirche | Aus der ehemaligen Landgemeinde Bredegatt mit Schule, Mühle und Gastwirtschaft ist heute nur noch ein Straßenzug von Steinbergkirche übrig geblieben. Im "verschwundenen Dorf" gehen Uwe Borg und der Vorsitzende des Angelner Heimatvereins Bernhard Asmussen auf Spurensuche.

Uwe Borg ist ein Alteingesessener, ein gebürtiger Bredegatter. Sein Hausgrundstück liegt in der Kanonenstraße in der ehemaligen Landgemeinde Bredegatt. Kanonenstraße? Bis heute weiß niemand der Einheimischen, worauf dieser merkwürdige Straßenname zurückzuführen ist. Von seinem Heimatort hat Dorfchronist Borg als einziges reales Erinnerungsstück einen Wegweiser mit der Aufschrift "Bredegatt 1 km" in Verwahrung. "Ich habe es zufällig auf einem Schrottplatz gefunden."

Gemeinsam mit Bernhard Asmussen aus Steinberggaard, dem Vorsitzenden des Heimatvereins der Landschaft Angeln, ist Uwe Borg auf der Suche nach den Überresten des verschwundenen Dorfs Bredegatt, das es auf keiner Landkarte mehr gibt.

Dieses zwei Kilometer lange Straßendorf (mit dem Abzweiger Kanonenstraße) führte von der heutigen Tankstelle im Zentrum von Steinbergkirche parallel zur Kleinbahnlinie Flensburg - Kappeln bis hin zur ehemaligen Windmühle, heute dem ersten Haus in der Gemeinde Steinberg. Der Schienenweg wurde etwa auf halbem Wege zwischen den Bahnhöfen "bei der Kirche von Steinberg" (heute Steinbergkirche) und dem Steinberger Hof (Gaststätte an der Nordstraße) überquert. Bis 1953 bummelte der Zug gemächlich durch das nördliche Angeln. Danach entstand auf seiner Trasse die B 199. Seither jagen die Autos am Ende der Bredegatter Straße so schnell vorbei, dass es für die Anlieger meist ein Wagnis darstellt, wenn sie sich mit ihren Wagen auf die Nordstraße einfädeln wollen. In Ex-Bredegatt gab es bis 1964 die Volksschule, die Gaststätte "Jungfernkrug", eine Bäckerei und die Holländer Windmühle. Übrig geblieben sind nur Wohnungen beim alten Schulgebäude.

Borg und Asmussen blicken in die Chronik des Kirchspiels Steinberg: Der Ortsname Bredegatt wird 1584 erstmals erwähnt und heißt eigentlich Straße (Gade) oder Platz, wo das Farnkraut (Bregen, Bregne) wächst. Erst später wurde die erste Silbe zu "Bre" abgeschwächt und als bred (breit) aufgefasst.

Einige Häuser von Bredegatt hießen "bei Steinberg-Kirche" oder noch einfacher "bei der Kirche". Auch ein Kanzleigut gehörte ursprünglich zum Dorf.

Noch bis 1870 bildeten die beiden Dörfer die "Steinberger und Bredegatter Comüne" eine Einheit, erst danach gingen sie getrennte Wege. Die Ortschaft Steinbergkirche gehörte 1867/68 zunächst zur Gemeinde Gintoft, wurde aber 1871 wieder abgetrennt und der Gemeinde Bredegatt angegliedert.

Bredegatt hatte in der Blütezeit 71 Einwohner, die in 36 Häusern wohnten. Diese kleine Landgemeinde hauchte 1963 ihr jahrhundertelanges Leben aus - auf Drängen der Post und auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Erich Reinholz . Der größeren Gemeinde Steinbergkirche waren nun die Gemeinden Gintoft, Hattlund und Westerholm einverleibt.

1974 scheiterte die geplante Zusammenlegung der beiden Gemeinden Steinberg und Steinbergkirche. Die Chronisten halten die heutige Trennungslinie zwischen den beiden Gemeinden für "durch nichts zu begründen." Aber, so erklärt Berndard Asmussen zuversichtlich, es bestehe die Chance, dass eines Tages "zusammenwächst, was zusammengehört" - und dann vielleicht sogar mit Quern zu einer großen, leistungsstarken Gemeinde Quern-Steinberg innerhalb des neuen Groß-Amtes Geltinger Bucht wird.

Weshalb dem verlorenen Dorf Bredegatt nachgetrauert wird, hat nichts mit Nostalgie zu tun: "Es ist wichtig, sich auf die eigenen Wurzeln zu besinnen", sagt Uwe Borg. Bredegatt ist für ihn Heimat und ein Stück Identität.

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