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Braver Schleifer: „Bin doch kein Bandit“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach Tageblatt-Artikel über dubiose Scherenschleifer aus den Niederlanden begegnet man dem Harrisleer Heinz Fey mit Misstrauen

Seine Nerven sind angegriffen. Name und Ansehen ramponiert. Die Aufträge stagnieren. Heinz Fey ist Messerschleifer, und er wehrt sich energisch dagegen, das eine ganze Zunft unter Generalverdacht gestellt wird. Der Artikel „Die Schleifer mit den Wucherpreisen“ habe ihm einen Bärendienst erwiesen, ärgert er sich. Seitdem werde seine Tätigkeit argwöhnisch beäugt. „Nur weil ein paar schwarze Schafe der Branche betrügerische Absichten verfolgen.“

Am letzten Freitag baute der 60-Jährige seine mobile Schleifstation vor dem Edeka-Markt in Medelby auf. Hier sei er immer sehr freundlich aufgenommen worden, sagt er. Bis zum Mittag war die Welt auch noch in Ordnung. Dann aber hatte sich der Zeitungsbericht über die dubiosen Dienstleister aus den Niederlanden im Dorf offensichtlich herumgesprochen. Kreishandwerkerschaft und Kripo warnen darin vor den Haustürgeschäften der „fahrenden Gesellen“.

„Und nun machen viele Menschen ein großen Bogen um mich, sind abweisend, an der Kasse des Marktes wurde gemunkelt“, schildert der Messerschleifer. „Ich wurde böse angeguckt und fühlte mich behandelt, als sei ich ein Bandit.“ Bis zum Abend verloren sich gerade einmal 26 Euro in der Kasse. Am nächsten Tag lief gar nichts mehr. „Da habe ich keinen Cent verdient.“

„Das geht an meine Existenz“, sagt Hey und versichert, er sei ein durch und durch seriöser Geschäftsmann. Tatsächlich hat seine Tätigkeit mit dem Auftreten der Wucherer nichts gemein. Er klingelt nicht an der Haustür, sondern platziert seinen Stand vor Supermärkten in Flensburg und im angrenzenden Kreisgebiet. Seine Preisgestaltung erscheint angemessen – im Gegensatz zu den „fahrenden Gesellen“, die für einen Auftrag 600 Euro verlangen. Und seine Arbeit werde geschätzt. Für das Schärfen eines Bowiemessers mit einer 25 Zentimeter langen Klinge, wie es einst Crocodile Dundee benutzte, verlangt er fünf Euro, ein normales Besteckmesser werden zwei Euro fällig.

Der 60-Jährige ist eine alter Hase in der Branche. Bevor er im Jahr 2000 in den Norden kam, produzierte sein Betrieb in Solingen Messer und Klingen für namhafte Firmen. Irgendwann musste Fey kürzer treten. In Flensburg baute er in der Rathausstraße einen Laden für Seifen und Wellness-Produkte auf; heute ist daraus ein Versandgeschäft geworden. Sein Service macht alles Abgestumpfte wieder scharf – von der Haarschere bis zum Rasenmähermesser. Er kennt die Ergebnisse der angereisten Konkurrenz. Denn die unzufriedenen Kunden landen oft bei ihm. „Was ich da sehen muss, ist haarsträubend“, sagt Fey und schüttelt den Kopf. „Und ich kann den Schrott dann wieder reparieren.“

Unterdessen warnt die Kreishandwerkerschaft ihre Mitgliedsbetriebe weiterhin vor Haustürgeschäften. Einem derartigen Besuch sollte man grundsätzlich Misstrauen entgegenbringen, sagt Geschäftsführerin Petra Schenkluhn. „Die Masche ist seit Jahren bekannt. Leider fallen viele Firmen häufig wieder darauf herein, denn sie sind gutgläubig.“ Die Unternehmer, weiß sie, „würden grundsätzlich die Dienstleistung „Schärfen von Werkzeugen“ gern annehmen. Niemand rechnet damit, dass von einer zunächst für für 60 bis 100 Euro angebotenen Leistung später eine Forderung von 600 Euro werde. „Nach unserer Einschätzung handelt es sich um versuchten bis vollendeten Betrug. Glücklicher Weise hatten wir auch viele Informationen unserer Mitglieder, die durch die Warnung Vorsicht walten ließen.“

Die Kreishandwerkerschaft weist darauf hin, dass jeder Anbieter von Haustürgeschäften, wozu die ambulanten Scherenschleifer zählen, eine Reisegewerbekarte vorweisen muss. „Wir raten jedem, sich diese Karte vorlegen zu lassen“, sagt Petra Schenkluhn. Daraus lassen sich die Personalien des Gewerbetreibenden einsehen, man hat Namen und Meldeort. „Denn es soll schon passiert sein, dass die Werkzeuge einkassiert worden sind, als der geforderte Betrag nicht gezahlt worden ist.“

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erstellt am 12.Aug.2014 | 08:37 Uhr

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