Verdacht : Brandstiftung: Ex-Schüler im Visier

Nächtlicher Einsatz: Die Tat hat in der Schule tiefe Betroffenheit ausgelöst.
Nächtlicher Einsatz: Die Tat hat in der Schule tiefe Betroffenheit ausgelöst.

Nach dem Großfeuer in der Comenius-Schule: Heute beginnt der Unterricht wieder in eingeschränkter Weise

shz.de von
27. November 2013, 13:11 Uhr

Ein bedrücktes Kollegium, erschrockene Schüler, entsetzte Eltern. Die Comenius-Schule ist vom Alltag noch weit entfernt. Statt der 320 Schüler, die die Gemeinschaftsschule besuchen, geben sich am Drosselweg nun Handwerker die Klinke in die Hand. Dachdecker, Techniker, Glaser und Arbeiter aus anderen Gewerken sind dabei, die großen Schäden, die bei dem Feuer in der Nacht zum Montag (wir berichteten) entstanden sind, zu beheben.

Morgen werden erneut Beamte des Landeskriminalamtes aus Kiel erwartet, die weitere Spuren sichern wollen. Das bisher untersuchte Material ist bereits sehr detailliert und umfangreich, wie Polizeisprecher Matthias Glamann gestern berichtete. „Es wird derzeit alles akribisch untersucht, um Hinweise zu gewinnen, die uns auf die Spur der Täter führen werden.“ Brandbeschleuniger seien zwar gefunden worden, doch die genaue Ursache für den Ausbruch des Feuers sei noch offen.

Sein Kollege Markus Langenkämper bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass nach diversen, „allerdings vagen“ Zeugenaussagen ehemalige Schüler ins Gespräch geraten sind, Räume verwüstet und schließlich den Brand im Rektorat gelegt zu haben. Gerüchte, dass es sich dabei um ein Brüderpaar handele und einer von ihnen vor seinem Abschluss die Schule habe verlassen müssen, wollte er nicht bestätigen. „Einen Tatverdacht“, sagte er, „gibt es nicht.“

Man suche nach wie vor nach dem Motiv. Könnten Rachegelüste eine Rolle spielen? „Wer hat hier“, fragt sich Langenkämper, „möglicherweise Ärger gehabt?“ Die Schadenshöhe konnte er noch nicht näher beziffern. Sie dürfte nach ersten Einschätzungen wohl im sechsstelligen Bereich liegen.

Engagierte Lehrkräfte sehen in der Tat einen Rückschlag in ihrem täglichen Bemühen – in ihrer Arbeit an dieser Schule im sozialen Brennpunkt. Konrektorin Sabine Hansen hatte auch gestern wieder alle Hände voll zu tun. Bis gestern Mittag war in der Schule niemand telefonisch erreichbar, weil die Telekommunikationsanlage neu aufgebaut werden musste. Nach Rücksprache mit den verantwortlichen Stellen will man den Unterricht heute in eingeschränktem Maße schichtweise wieder aufnehmen. So sollen im hinteren Trakt des Erdgeschosses, der von Rauchschäden nicht so sehr betroffen war, die Fünft- bis Siebtklässler unterrichtet werden. Morgen erscheint neben der achten bis zehnten erneut die fünfte Klasse. „Und am Freitag hoffen wir, den regulären Betrieb wieder aufnehmen zu können“, sagt Sabine Hansen.

Inzwischen wurde bekannt, dass im Rahmen der Gebäudesanierung vor vier Jahren entgegen ursprünglicher Annahme sehr wohl eine Alarmanlage eingebaut worden ist. Es erscheint unverständlich, warum sie nie scharf geschaltet wurde.

Auch nach einem Einbruch im Juni dieses Jahres nicht. Damals waren Laptops aus der Schule im Norden der Stadt entwendet worden. Die Täter wurden nie gefasst.

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