zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

19. August 2017 | 17:09 Uhr

Brandschutz auf See: Flensburg ist raus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bund-Länder-Pläne für Havariekommando: Flensburg und vier andere Städte werden ausgemustert / Einsatzkapazitäten schrumpfen drastisch

Diesmal ist es die Feuerwehr, die Alarm schlägt. Carsten Herzog, Chef der Flensburger Berufsfeuerwehr, warnte im Ausschuss Bürgerservice, Schutz und Ordnung eindringlich vor Plänen von Bund und Ländern, das Havariekommando Cuxhaven umzubauen. Nach Plänen der Innenminister der fünf Küstenländer sollen für Brandbekämpfung und Versorgung von Verletzten auf See statt aktuell 13 künftig nur noch acht Standorte zuständig sein. Schleswig-Holstein, das nördlichste Bundesland, plant in der neuen Struktur ohne Deutschlands nördlichste Berufsfeuerwehr in Flensburg.

Ein Nullsummenspiel. „Wir verlieren dadurch nichts“, sagt Herzog. Flensburgs Zugehörigkeit zum Havariekommando drückt sich aus in vom Land bezahlten regelmäßigen Qualifizierungskursen, einem Schiffscontainer mit Spezialausrüstung und zweieinhalb Stellen, die Herzog jederzeit woanders unterbringen kann. Aber das ist es nicht. Den Flensburger Feuerwehrchef treibt die Furcht um, der planerische Ansatz könnte schlicht und ergreifend ein falscher sein. „Die Wege werden im Ernstfall sehr weit werden“, mahnt er.

Im Moment stehen an 13 deutschen Küstenstädten an Nord- und Ostsee 198 speziell geschulte Feuerwehrleute für Brandbekämpfung und Verletztenversorgung auf See zur Verfügung. Nach dem neuen Konzept wären es deutlich weniger – nämlich nur noch 82, also fast 60 Prozent weniger. Allein die Ostseeküste verliert mit den Standorten Flensburg, Wismar und Stralsund 71,8 Prozent ihrer Einsatzkräfte, von aktuell 96 Personen blieben nur noch 27 übrig.

Ein Schrumpfkurs, der in nicht geringem Maße mit Geld zu tun haben dürfte. Nach Herzogs Angaben räumt das neue Konzept der raschen Erkundung absolute Priorität ein. Hubschrauber sollen möglichst schnell vor Ort sein und ein präzises Lagebild erfassen. Weil das Havariekommando aber nicht über eigene Hubschrauber verfügt, müssen Kapazitäten teuer angemietet werden. Und weil schlussendlich die Umstellung unbedingt kostenneutral bleiben muss, werde der finanzielle Mehraufwand bei den Standorten wieder eingespart – argumentiert der Flensburger Feuerwehrchef. Eine Erhöhung von Sicherheit vermag er so nicht zu erkennen. „Unsere Erstschlagskapazität würde drastisch reduziert. Die Erkundungskräfte sind zwar schnell da, aber die Lücke zur Haupttruppe ist groß. Wer da draußen ein Problem bekommt, muss lange warten“, warnt Herzog. Und „da draußen“ ist nicht mehr nur die Handelsschiffahrt. „In den Offshore-Anlagen sind täglich tausende Menschen unterwegs.“

Flensburgs Feuerwehrchef befürchtet, das brisante Thema könnte auf dem kleinen Dienstweg der Ministerien lautlos abgewickelt werden. Um das zu verhindern, schlägt er Alarm. Der Aufstellung des Havariekommandos war ein parlamentarischer Beschluss nach der katastrophalen Havarie des Holzfrachters „Pallas“ im Oktober/November 1998 vor Amrum. Und Herzog findet, auch die Neukonzeption der unter dem Eindruck der verheerenden Havarie entstandenen Einrichtung gehört ins Parlament.

Eine Verbündete hat er schon. Die Flensburger Landtagsabgeordnete Simone Lange (SPD). „Das klingt nicht gut“, sagt sie. „Ich halte das Thema absolut für überprüfenswürdig.“ Ihre Wanderuper Landtagskollegin Petra Nicolaisen (CDU) hatte sich auf schriftliche Anfrage unserer Redaktion zum Thema nicht gemeldet.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 29.Mär.2016 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen