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Peter-Christian-Hansen-Weg Flensburg : Brandopfer im künstlichen Koma

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die beiden jungen Männer werden noch lange nicht vernehmungsfähig sein - das LKA hat das Gebäude erst gestern wieder freigegeben.

„Ein Wunder, dass sie überhaupt noch leben“, sagt eine Frau aus dem Umfeld des Peter-Christian-Hansen-Weges, in dem es am späten Abend des 28. Mai eine weit hörbare Gas-Explosion gegeben hatte. Mit verheerenden Folgen. Die Druckwelle riss Türen aus den Angeln eines Mehrfamilienhauses, Fenster zersplitterten, ein Teil der Fassade wurde durch die Wucht der Explosion nach außen gedrückt. Das Schlimmste aber: Zwei Männer erlitten schwerste Verletzungen. Verbrennungen dritten Grades.

Einer von ihnen ist 21 Jahre alt und Mieter der Wohnung, in der das Drama seinen Anfang nahm; der andere sein Bruder (23), der zu Besuch gekommen war. Die beiden liegen noch immer im Schwerverbranntenzentrum des UKSH Lübeck – sie wurden ins künstliche Koma versetzt. Lebensgefahr besteht offenbar nicht mehr. „Doch es kann bis zu drei Monate dauern, bis sie vernehmungsfähig sind“, sagt Kripo-Sprecherin Sandra Otte. Glück im Unglück: Die 20-Jährige, die mit ihrem Freund zusammen wohnte, ist wohlauf, obwohl auch sie sich zum Zeitpunkt der Explosion in der Wohnung aufgehalten hatte.

Das Landeskriminalamt hatte den Brandort bis zum Freitag noch beschlagnahmt. Gestern konnte Andreas Mundt, Vorstand des Arbeiter-Bauvereins, der die Häuserzeile 1954 errichtet hatte, erstmals nach dem Feuer einen Blick in das Innere des Hauses Nummer 3 werfen. „Die betroffene Wohnung ist komplett ausgebrannt, kaum noch wiederzuerkennen“, sagt er. „Aber wir gehen davon aus, dass alle anderen Räume wieder bewohnbar sein werden.“

Die Türen im ganzen Haus seien schwer mitgenommen, die Löschwasserschäden allerdings hielten sich in Grenzen. Von den zehn Mietparteien sind zwei in Hotels untergebracht, dafür erhalten sie 100 Euro pro Nacht, der Rest bei Freunden, Familie oder Bekannten. Sie sollen kurzfristig ihr Domizil in Augenschein nehmen dürfen, um die wichtigsten Gegenstände, wie etwa persönliche Dokumente oder Medikamente an sich zu nehmen.

Der FAB wird die Kosten für Reinigungs- und Malerarbeiten übernehmen, den Rest müssen die Bewohner, deren Mietzahlungen derzeit storniert sind, über ihre Hausratversicherung abwickeln. Die Schäden am Haus selbst sind über die Gebäudeversicherung abgedeckt. Der Gesamthöhe wird ein Fachmann im Verlauf der Woche taxieren. „Alles andere ist Spekulation“, sagt Mundt, der sich „geschockt“ darüber zeigte, dass zwei seiner Mieter zwischen Leben und Tod schwebten. Da sie nicht ansprechbar sind, wird man auf die exakte Aufklärung des Falles noch warten müssen. „Darüber können nur die Aussagen der beiden Männer Aufschluss geben“, sagte Sandra Otte. Deren Hautoberfläche soll zwischen 60 und 70 Prozent verbrannt sein.

Die Spurensicherung hat ihre Arbeiten derweil abgeschlossen. Offenbar hat man keine Beweismittel wie etwa Reste von Kartuschen gefunden, die auf die genaue Ursache der Explosion schließen lassen. „Mit Sicherheit wissen wir nur“, so Otte, „dass Gas im Spiel war.“

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erstellt am 13.Jun.2017 | 06:18 Uhr

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