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Nach Brand bei Nord-Schrott : Brandgefährlicher Elektroschrott in Flensburg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Drei Großbrände in 17 Monaten: Nord-Schrott will mit baulichen Maßnahmen Risiken minimieren. Laut der Feuerwehr ist die Anlage ist sicher.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2014 | 07:00 Uhr

Drei größere Brände in anderthalb Jahren – die Nachbarn des Recycling-Betriebs Nord-Schrott in der Lilienthalstraße kommen so langsam ins Grübeln. Vergangenen Freitag standen auf dem Betriebsgelände 500 Kubikmeter vorsortierter Elektroschrott in Flammen; die Feuerwehr ließ über Rundfunk die Empfehlung verbreiten, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Private Anlieger in der Umgebung sind verunsichert. Es ist die Häufigkeit, die sie irritiert.

Rainer Blaas, Einsatzleiter der Flensburger Berufsfeuerwehr, hält es für nahezu unvermeidbar, dass in den meterhoch aufgeschichteten Altgeräten Prozesse ablaufen, die zur Selbstentzündung führen können. Die Halden ausrangierter Elektrogeräte bilden Tausende von Hohlräumen, in denen Hunderte ausgasender Substanzen immer wieder mal eine brennbare Atmosphäre bilden können. Mit eingelagerte, nicht entfernte Akkus und Batterien seien immer gut für den entscheidenden Zündfunken. „Das bedeutet nicht jedes Mal ein Großfeuer“, sagt Blaas. „Das meiste dürfte vor sich hinschwelen und unentdeckt von allein wieder ausgehen, und kleinere Brände hat Nord-Schrott ohnehin mit eigenen Mitteln im Griff.“ Seiner Ansicht nach ist die Anlage sicher. „Das ist ein zertifizierter Betrieb. Was möglich ist, hält man dort vor.“

Blaas bestätigt, dass in der Brandnacht zahlreiche Anrufe besorgter Bürger eingingen. Einer dieser Anrufer monierte, dass die technischen Mittel der Feuerwehr das Aufspüren komplexer Schadstoff-Verbindungen im Qualm gar nicht erlauben. „Das ist richtig“, räumt Blaas ein. „Dazu würden wir ein Mobilitätsspektrometer benötigen – ein Gerät, dass mehrere hunderttausend Euro kostet und meines Wissens im Norden lediglich von der Hamburger Berufsfeuerwehr vorgehalten wird.“ Die Flensburger Möglichkeiten beschränken sich auf den Nachweis von Reinstoffen, also chemischen Elementen oder Verbindungen mit Chlor, bei deren Nachweis Rückschlüsse auf die Schadstofflast möglich sind. „Nach bestem Wissen und Gewissen: Da war nichts!“, sagt Blaas. Jedenfalls dort, wo gemessen wurde. „Wir können immer nur Aussagen über den jeweiligen Ort der Messung treffen. Was zehn Meter höher ist oder 20 Meter weiter links – das sagt uns das Gerät nicht.“ Eine Einschränkung, die freilich nicht nur für Flensburg gilt, sondern auch für die Hamburger Edeltechnik.

Jürgen Harms ist bei Nord-Schrott für das Umwelt- und Qualitätsmanagement zuständig. Die drei letzten Brände, betont er, hatten nicht die gleichen Ursachen. Im Mai letzten Jahres sei ein technischer Fehler in der Anlage die Ursache gewesen, im Sommer dieses Jahres ein Blitzschlag. „Das ist das Risiko, das wir alle tragen“, sagt Harms. „Es ist ja nicht so, dass sich hier ständig die Dinge selbst entzünden.“ Um das Risiko weiter zu mindern, plane das Unternehmen bauliche Eindämmungsmaßnahmen.

Als Entsorgungs- und Recycling-Betrieb hat Nord-Schrott intensive Zertifizierungsverfahren durchlaufen, die auch auf größtmögliche Betriebssicherheit ausgerichtet sind. Das Unternehmen verarbeitet in diesem Bereich ausgediente Haushaltsgeräte von der elektrischen Zahnbürste bis zum Plasmafernseher und erreicht eine Recycling-Quote von 95 Prozent.

Der Umweltnutzen steht da für den Qualitätsmanager außer Frage. Harms verweist auf alarmierende Berichte über afrikanische Müllhalden, in denen tausende Tonnen europäischer Elektroschrott illegal und mit gewaltigen Lasten für Mensch und Umwelt verarbeitet würden. Um die Flensburger Anlage noch ein bisschen sicherer zu machen, bedarf es wenig. „Es wäre schon hilfreich,“ so Harms, „wenn die Leute einfach die Batterien entfernen würden, ehe sie ihre Geräte wegwerfen.“

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