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Brandanschlag : Boote in Flammen: 16-Jähriger gesteht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vier Schiffe am Fischereihafen betroffen / Etwa 60 000 Euro Schaden / Mutmaßlicher Täter wird noch in der Brandnacht gefasst und gesteht

Es ist kurz nach Mitternacht, als Joachim „Slip“ aus dem Schlaf gerissen wird. Ein Kollege vom Fischereiverein ist am Telefon. Der Skipper ist in heller Aufregung – und hat schlechte Nachrichten. Es brennt am Fischereihafen, vier Segelboote stehen in Flammen, die Feuerwehr ist im Einsatz. „Ich dachte sofort an mein Schiff, das dort auch an der Brücke liegt.“

Doch seine ganz persönliche Sorge erweist sich als unbegründet: „Hans“, ein Versetzboot der Marine, Baujahr 1942, ist nicht betroffen. „Aber auch so ist das alles für uns eine Katastrophe“, sagt Joachim „Slip“. Er ist seit bald 30 Jahren Vereinsmitglied, aus seinem Oldtimer wurden schon Radar und Echolot entwendet. „Aber so etwas haben wir hier noch nicht erlebt“, schüttelt er fassungslos den Kopf. „Das geht durch und durch.“

Der Brand in der Nacht zu gestern erfordert einen mühsamen Einsatz der Feuerwehr bis spät in die Nacht. Die Einsatzkräfte müssen zunächst die schwere Eisenpforte aufbrechen, um auf den Steg zu gelangen. Das Feuer hat zu diesem Zeitpunkt von einem auf drei weitere Boote übergegriffen. Die Flammen schlagen meterhoch, dichter Qualm erschwert die Arbeit.

An zwei Booten entsteht Totalschaden, eines davon gehört Erwin S. – er gilt als die „gute Seele“ des Fischereivereins. Er sitzt, nachdem seine schmucke „Möwe“ ausgebrannt ist, auf einem Verlust von 24 000 Euro. Schwer beschädigt sind weiterhin die „Bare Rolig“, ein Danboot, „Bianca 27“ und eine Yacht mit dem erfinderischen Namen „O nass is“.

Gestern Vormittag stehen die Fischer zusammen, diskutieren und gestikulieren aufgeregt. Der Geruch verkohlten Holzes und geschmolzener Kunststoffe weht vom Wasser herüber. Was sie besonders beunruhigt, ist die Angst, dass es sich um einen gezielten Anschlag handeln könnte. „Wenn der Täter was richtig Spektakuläres anrichten wollte“, sinnieren sie, „hätte er doch einen großen Segler in Angriff nehmen können.“

Später wird zur Gewissheit: Ein 16- Jähriger ist noch in der Nacht in Tatortnähe festgenommen worden. Der Zugriff erfolgte um 0.10 Uhr. Der Jugendliche hatte sich mehr als auffällig verhalten: Gegenüber einem Zeugen gab er an, am Joggen zu sein – dabei trug er Gummistiefel. Als der polizeilich bekannte Junge nach seinem Namen gefragt wurde, rannte er weg. Polizisten konnten ihn schnell ausfindig machen, bei seiner Festnahme trug er noch immmer die Gummistiefel; seine Kleidung roch nach Benzin.

Gestern Nachmittag räumte der Verdächtige die Tat im Rahmen seiner Vernehmung ein. Motiv: „Seine Affinität zu Feuer“, teilt die Kripo mit. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wurde der 16-jährige an seine Betreuer übergeben.

Der Sachschaden beläuft sich auf etwa 60 000 Euro. Menschen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. „Es hätte sich allerdings durchaus jemand an Bord befinden können“, sagt Sven Kurz von der Bundespolizei. „Insofern haben wir es hier mit einem schweren Delikt zu tun.“

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