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Flüchtlingsstrom : Bolognese für 150 Flüchtlinge

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Großeinsatz war nötig für die Aufnahme von 150 Flüchtenden an der Lilienthalstraße. Es war die bislang größte Flüchtlingsgruppe, die gestern um 6.52 Uhr aus dem ersten Zug ab Hamburg stieg.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Es war die bislang größte Flüchtlingsgruppe, die gestern um 6.52 Uhr aus dem ersten Zug ab Hamburg stieg. Hanspeter Schwartz, Sprecher der Bundespolizei, sollte nachher von 127 Menschen sprechen, die sich früh morgens in Hamburg in den ersten Zug gen Norden gesetzt hatten. In Flensburg wurden sie von der Bundespolizei in Empfang genommen – angesichts der großen Erschöpfung der Reisenden beschränkte sich die Polizei darauf, die Fingerabdrücke zu nehmen. „Die Leute waren einfach nur müde. Wir wollten ihnen überflüssigen Stress ersparen.“

Deshalb entfiel die sonst übliche Identitätsfeststellung im Polizeigebäude in der Eckernförder Landstraße, ebenso die polizeiliche Vernehmung mit Dolmetscherhilfe, mit der die Beamten sonst Hinweise auf Schlepper im Hintergrund zu bekommen versuchen. Mit einem Linienbus und eigenen Dienstfahrzeugen wurden die Flüchtlinge zum Betriebsgelände des Technischen Hilfswerks an der Lilienthalstraße gebracht, wo die Bundespolizei mit mobilem Gerät ganz entspannt unter freiem Himmel ihren Job erledigte. Dass in Absprache mit der Staatsanwaltschaft zur Zeit keine Verfahren wegen illegaler Einreise mehr eingeleitet werden, vereinfachte diese Arbeit ungemein.

Der Flensburger THW-Ortsverband hatte unterdessen bei den Kollegen aus Neumünster Unterstützung angefordert, um kurzfristig die Versorgung der Neuankömmlinge sicher zustellen. Für die Zentrale Aufnahmestelle dort kocht der Verpflegungstrupp des Ortsverbands Barmstedt. Aus anfänglich 400 Gerichten sind mittlerweile 1200 geworden, die täglich frisch zubereitet werden – halal, also erlaubt nach islamischem Recht. „Wir haben Schweinefleisch komplett aus den Einkaufslisten gestrichen, damit wir keine Probleme bekommen“, sagt THW-Sprecher Claus Döpper. Zeitig am Vormittag lieferte ein blauer Transporter die für viele Ankömmlinge erste warme Mahlzeit seit Tagen: Nudeln mit Bologneser Sauce, dazu Kalt- und Heißgetränke, reichlich Obst und Frucht-Yoghurt.

Mehr als die Hälfte der 127 Ankömmlinge waren laut Schwartz aus Syrien geflüchtet, in der Gruppe hätten sich 25 Kinder, Jugendliche und auch Kleinstkinder befunden. 106 Flüchtlinge wurden am Nachmittag mit zwei Bussen zurück in die Erstaufnahmestelle Neumünster gebracht, wo das Asylverfahren in Gang gesetzt wird; 21 Jugendliche blieben in der Obhut des Flensburger Jugendamtes. Schwartz vermutet, dass die Gruppe eigentlich auf dem Weg nach Skandinavien gewesen ist. Von dort kamen gestern auch 20 Asylsuchende zurück, die von der dänischen Polizei gestoppt worden waren.

Wie berichtet richtet sich Flensburg auf wöchentlich 35 Asylsuchende ein, die untergebracht werden müssen. Angesichts des großen Zeitdrucks bei der Unterbringung hatte der Finanzausschuss in der vergangenen Woche dem dafür verantwortlichen Fachbereich Kommunale Immobilien abseits des sonst üblichen amtlich-parlamentarischen Verfahrens weitgehend freie Hand dafür gegeben. Gestern begannen vor diesem Hintergrund im ehemaligen JAW-Gebäude am Dammhof und im Vorderhaus der ehemaligen Reitbahn-Halle die Bauarbeiten. Bis spätestens Anfang Oktober sollen hier weitere 120 Plätze zusätzlich zu bestehenden 80 in der Paulus-Paulsen-Schule hergerichtet werden. Parallel – auch das brachte der Finanzausschuss kurzfristig auf den Weg – will sich die Verwaltung personell verstärken, um Aufnahme und Betreuung gewährleisten zu können.

Während Flensburg unbürokratisch die Ärmel hochkrempelt, läuft beim Land offenbar alles streng nach Vorschrift. Bereits Anfang Mai hatten die Flensburger Genossenschaften Selbsthilfe-Bauverein und Arbeiter-Bauverein mit der Kieler Gewoba angeboten, die auf dem Campus geplante Erstaufnahme-Einrichtung für 600 Menschen kurzfristig zu bauen und zu betreiben. Nach Auskunft des Innenministeriums befindet sich das Projekt in der europaweiten Ausschreibung und man sichte noch die Bewerbungen.

 

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