Museumshafen in Flensburg : Bohrwurmbefall: Wer zahlt für bröselndes Bohlwerk?

Die Keimzelle ist mürbe: Nach 15 Jahren hat sich die Bohrmuschel durch die  Bohlwerk-Pfähle  gefressen. Auch der Brückenbelag hat eine Renovierung nötig.
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Die Keimzelle ist mürbe: Nach 15 Jahren hat sich die Bohrmuschel durch die Bohlwerk-Pfähle gefressen. Auch der Brückenbelag hat eine Renovierung nötig.

Festmacher-Pfähle der Museumshafen-Anlage sind vom Bohrwurm durchlöchert, und auch der Brückenbelag ist erneuerungsbedürftig.

shz.de von
07. Juni 2014, 14:35 Uhr

Flensburg | Im Zusammenleben von Gaffelseglern und Hafenbetreibern hat das Bohlwerk schon immer eine besondere Rolle gespielt. Bei der Gründung des Museumshafens vor 1979 Jahren hielten es die Traditionsschiffer besetzt, später bauten sie dort den wohl bedeutsamsten Standort der Szene. Doch obwohl zwischen den Revoluzzern von einst und der Stadt von heute mittlerweile partnerschaftliche Beziehungen gepflegt werden, ist der Erhalt des Bohlwerks immer wieder Zankapfel. Aktuell ist es wieder Thema. Doch anders als in den letzten 35 Jahren, könnte es dieses Mal endgültig zu einem konfliktfreien Miteinander kommen.

Eines vorweg: Es geht um viel Geld. Mittelfristig müssen fast alle Festmacherpfähle ausgetauscht werden, zudem ist der Belag des Bohlwerks seit seiner Sanierung im Zuge des Schiffbrücken-Umbaus Ende der 90er Jahre erkennbar in die Jahre gekommen. Experten sprechen über Beträge von gut 100.000 Euro für eine gründliche Renovierung – das ist mehr, als der Historische Hafen, der seit 2008 für den Betrieb der Kaianlage bis hinunter zur Hafenspitze verantwortlich ist – auf dem Konto hat.

Die gemeinnützige GmbH erzielt seither über Liegeplätze für Berufs- und Freizeitschifffahrt zwar Einnahmen, wer aber für die Investitionen an dieser zuständig ist, war zwischen der gGmbH und den Stadtwerken als Betreiberin des gesamten Hafens umstritten. Die 2008 personell und unternehmerisch noch anders ausgerichteten Stadtwerke hatten die Kaianlage nur widerwillig auf politischen Druck hin preisgegeben. Sie sah den Historischen Hafen für Erneuerungsarbeiten in der Pflicht. Der Historische Hafen zeigte sich in diesem Punkt gesprächsbereit – aber nur für künftige Arbeiten und nach einer Grundsanierung durch die Stadtwerke-Tochter.

Folgerichtig hielt sich in diesem Konflikt die Investionsbereitschaft in Grenzen. Nach sechs Jahren steigt jetzt der Handlungsdruck. Als Orkan „Christian“ im Oktober letzten Jahres drei Dalben umgerissen hatte, ergab eine Untersuchung durch Taucher, das mehr oder minder alle Pfähle durch die Bohrmuschel stark in Mitleidenschaft gezogen sind. „Endlos viel Zeit haben wir nicht mehr“, sagt Frank Petry, der Geschäftsführer des Historischen Hafens.

Viel Zeit braucht es wahrscheinlich auch nicht mehr, denn die Hafen GmbH sendet positive Signale. Paul Hemkentokrax, der mittlerweile von Frank Partik die Leitung übernommen hat, geht von einem raschen und für alle Beteiligte zufriedenstellendem Ergebnis aus. „Wir haben gute Gespräche geführt. Ich gehe davon aus, dass wir das noch vor den Sommerferien in trockenen Tüchern haben.“

Hemkentokrax – der auch die Stadtwerke-Tochter Aktiv Bus leitet – hält nichts von Kirchturm-Politik. „Das Bohlwerk ist nichts, wofür sich ein Kleinkrieg lohnt.“ Im Gegenteil. Unweit des Flensburger Wahrzeichens Nordertor (Wappenspruch: „Friede ernährt, Unfriede verzehrt“) lobt er die Initiative der ehrenamtlichen Ex-Revoluzzer, die maßgeblich mitgeholfen hätten, der bei Touristen steigend beliebten Hafenstadt entscheidende Impulse zu verleihen.

Hemkentokrax geht davon aus, dass die ersten Pfähle noch in diesem Jahr gesetzt werden. „An der Nordertorpier waren wir schon, jetzt kommt die Sammlung klassische Yachten dran und dann der Museumshafen.“

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