Börnsen: "Im Herbst 2013 ist Schluss"

Am Montagabend teilte Wolfgang Börnsen (links) dem CDU-Kreisvorstand um Susanne Herold und Johannes Callsen (Mitte) seinen Entschluss mit, im Herbst 2013 nicht erneut für den Bundestag zu kandidieren. Foto: sh:z
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Am Montagabend teilte Wolfgang Börnsen (links) dem CDU-Kreisvorstand um Susanne Herold und Johannes Callsen (Mitte) seinen Entschluss mit, im Herbst 2013 nicht erneut für den Bundestag zu kandidieren. Foto: sh:z

Bönstruper verzichtet auf erneute Kandidatur bei der Bundestagswahl / Callsen bleibt in Kiel / Sabine Sütterlin-Waack bewirbt sich um Nachfolge

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20. Juni 2012, 06:59 Uhr

Schleswig-Flensburg | Lange wurde spekuliert, jetzt ist die Katze aus dem Sack: Wolfgang Börnsen wird bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr nicht erneut als CDU-Kandidat für den Wahlkreis 1 Flensburg-Schleswig antreten. Diese Entscheidung verkündete der 70-jährige Bönstruper am Montagabend auf einer Sitzung des CDU-Kreisvorstandes. "Nach über 25 Jahren als Bundestagsabgeordneter ist im Herbst 2013 Schluss", bestätigte Börnsen seinen Entschluss gestern auch gegenüber unserer Zeitung. Leicht sei ihm dieser Schritt nicht gefallen. "Aber in den vergangenen Wochen ist in Gesprächen, in erster Linie mit der Familie, die Entscheidung doch immer mehr gereift", sagte Börnsen und fügte an, dass damit letztendlich auch eine Last von ihm abgefallen sei.

Auswirkungen auf die Landespolitik wird Börnsens Rückzug aus dem Bundestag - trotzt anders lautender Spekulationen - offenbar nicht haben. In Kiel hielt sich in den vergangenen Wochen hartnäckig das Gerücht, dass CDU-Fraktionschef und -Kreisvorsitzender Johannes Callsen in Börnsens Fußstapfen treten könnte. Nachrücker im Landtag wäre in einem solchen Fall der CDU-Spitzenkandidat und -Landesvorsitzende Jost de Jager geworden. Er hatte bei der Landtagswahl im Mai ein Mandat verpasst. Callsen jedoch wird ihm den Weg zurück ins Landeshaus nicht ebnen. Auf Anfrage erklärte er, dass er als Kandidat für die Bundestagswahl nicht zur Verfügung stehe. "Ich sehe meine Zukunft weiter in Kiel", sagte der Mohrkircher, der als Oppositionsführer in die neue Legislaturperiode geht.

Für die Menschen aus der Region sei es jedoch wichtig, so Callsen, "dass sie auch nach der Bundestagswahl 2013 überzeugend in Berlin vertreten werden". Eine erste Kandidatin, die diese Rolle künftig übernehmen möchte, hat zeitgleich mit Börnsens Rückzugs-Ankündigung bereits ihren Hut in den Ring geworfen: Dr. Sabine Sütterlin-Waack. Die Vorsitzende des Hauptausschusses des Kreises und Bürgermeisterin von Lürschau hat den Kreisvorstand bereits über ihre Kandidatur unterrichtet. Der Schritt nach Berlin sei für sie zwar groß, "aber ich kann mir die Aufgabe im Bundestag sehr gut vorstellen, sie passt in mein Lebenskonzept", sagte sie gestern.

Die Schleswiger Rechtsanwältin sitzt seit vier Jahren für die CDU im Kreistag. Sie ist die Tochter des ehemaligen Kieler Justizministers Henning Schwarz, der von 1987 bis 1988 - im Zuge der Barschel-Affäre - auch geschäftsführender Ministerpräsident war. "Ich komme also aus einem Politikerhaushalt", erklärte die 54-Jährige. Da ihre beiden Söhne inzwischen erwachsen seien und ebenso wie ihr Mann voll hinter ihrem Entschluss zur Kandidatur stünden, verspüre sie große Lust auf die Aufgabe als Börnsen-Nachfolgerin in Berlin. "Irgendwie ist es ja nicht so weit von dem entfernt, was ich als Anwältin beruflich mache: Mich um die Probleme von Menschen kümmern", sagte sie. Dass man in der Politik darüber hinaus auch mitgestalten könne, mache die Aufgabe im Bundestag "besonders reizvoll".

Ob Sütterlin-Waack am Ende die einzige CDU-Kandidatin aus dem Wahlkreis bleibt, ist jedoch fraglich. Sowohl sie selbst als auch Wolfgang Börnsen gehen davon aus, dass es weitere Interessenten gibt. Wahrscheinlich ist, dass der Kreisverband Flensburg zumindest noch einen weiteren Namen aufrufen wird. Die endgültige Entscheidung, wen die Christdemokraten aus dem Kreis und der Stadt Flensburg dann letztendlich gemeinsam ins Rennen schicken, fällt voraussichtlich noch im Herbst dieses Jahres. Auf mehreren Regionalkonferenzen sollen die Kandidaten zuvor die Möglichkeit bekommen, sich den rund 3300 Mitgliedern persönlich vorzustellen. Am Ende entscheiden diese dann per Urwahl.

"So oder so. Wir haben gute Leute, die gute Politik machen können", sagte Börnsen mit Blick auf seinen möglichen Nachfolger. Er selbst bedauere es zwar, dass er künftig in Berlin nicht mehr aktiv mitentscheiden und mitgestalten könne. Ganz werde er der Hauptstadt jedoch nicht den Rücken kehren. "Wenn man 50 Jahre aktiv in der Politik war, kann man nicht einfach aufhören. Man hat eine Verantwortung für das Funktionieren der Demokratie", meinte Börnsen.

Deshalb wolle er seine Erfahrungen, die er als dienstältester schleswig-holsteinischer Bundestagsabgeordneter gesammelt habe, an die jüngeren Generationen weitergeben und in Berlin "ein überparteiliches Büro für Politikberatung" eröffnen. Seine Ehrenämter, etwa im Förderverein des Landschaftsmuseums Unewatt oder beim Bundesverband für Heimat und Umwelt, wolle er "selbstverständlich" weiterführen. "Aber insgesamt wird es in Zukunft deutlich ruhiger für mich. Davon sollen auch meine zwei Enkelkinder profitieren."

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