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Flensburger Tageblatt

16. August 2017 | 15:11 Uhr

Böhmische Musik und launige Ansagen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Das ist laut!“, krähte ein sehr junger Zuhörer direkt nach dem finalen Tutti, noch bevor der Applaus einsetzte. Dirigent Theo Saye drehte sich langsam um und richtete einen zustimmenden Zeigefinger auf den kleinen Klassik-Freund, der natürlich in Begleitung eines Erziehungsberechtigten ins Audimax gekommen war. Das jüngste Konzert des Flensburger Hochschulorchesters war trotz seines nicht gerade populistischen Programms erneut ein großer Erfolg.

Und der Knirps hatte recht: In „Wallensteins Lager“ von Bedrich Smetana gaben alle Musiker alles, und oft alle zur selben Zeit. Schmetterndes Blech und donnernde Drums lieferten zusammen mit den zahlreich erschienenen Streichern einen furiosen Soundtrack zum 30-jährigen Krieg, der als Kopfkino im Hintergrund lief.

In seiner unnachahmlichen Art hatte Theo Saye zuvor das Publikum auf das Werk vorbereitet und es geschafft, sich vom Lager im Werktitel über das gleichnamige englische Bier zum Flensburger Plopp assoziativ durchzuhangeln. Auch die Posse um den Doktortitel des CSU-Politikers Andreas Scheuer und Ursula von der Leyens moderne Verteidigungspolitik kamen vor. Sayes Einführungen changieren zwischen Information und Kabarett und sind eindeutig Kult bei den Campus-Konzerten.

Solist war der neue stellvertretende Solo-Kontrabassist im Landessinfonieorchester, Ikuma Saito, „geboren vor unglaublich kurzer Zeit in Jarplund, äh, Japan“, wie Saye flachste. Der schmächtige Japaner spielte den höchst anspruchsvollen Solopart in Johann Baptist Vanhals Kontrabasskonzert meist weit vornübergebeugt, um die hohen Töne zu erreichen, die beim Kontrabass leider sehr tief liegen. Das Werk aus der klassischen Epoche ist durchweg gefällig und atmet mit seiner von Streichern dominierten Besetzung fast schon kammermusikalischen Charme.

Und nach der Pause Dvoraks 7. Sinfonie, ein Werk des großen Böhmen voller emotionaler Momente mit einer großen Palette an Klangfarben. Hier konnte das Hochschulorchester zeigen, was in ihm steckt und zu welchen Leistungen es in der Lage ist! Die Elegie des 2. Satzes, die rhythmische Finesse und der tänzerische Charme des 3.: Das von Theo Saye hervorragend eingestimmte Orchester bescherte dem Publikum einen wunderbaren Musikabend und wurde mit minutenlangem Applaus belohnt.

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erstellt am 29.Jan.2014 | 08:49 Uhr

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