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Typisierungsaktion : Blutkrebs: Flensburger braucht Hilfe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Gemeinsam für Jörn und andere“: Eine große Typisierungsaktion startet am Sonntag, 26. Oktober, von 10 bis 16 Uhr im Citti-Park.

Er wollte es nicht glauben. Zwei Jahre lang musste Jörn (43) einen Spießrutenlauf von Arzt zu Arzt über sich ergehen lassen, der mit einer schweren Grippe begann. Röntgen, Lungenspiegelung, ein genetisches Blutbild, dann die unvermeidliche Knochenmark-Biopsie. Schließlich überbrachte ein Hämatologe die niederschmetternde Botschaft: „Sie haben Leukämie.“

Das war im Juni dieses Jahres. „Ich habe es zunächst nicht wahrhaben wollen“, sagt der Flensburger Rechtsanwalt. Heute ist er dank großartiger Unterstützung von Freunden und Familie einen riesigen Schritt weiter. Sie tragen ihn durch diese schweren Tage. Und der Satz „Diagnose Krebs – und das Leben geht weiter . . .“ ist für ihn zu einer Lebensphilosophie geworden. Zu einem Weg, um zu überleben.

Am 8. Juli 2014 spielt Bob Dylan in der Flens-Arena. Anschließend triumphiert die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit 7:1 über Brasilien. Jörn ist dabei. Mitten in der Stadt. Euphorisiert. „Am nächsten Tag bin ich zur Chemo gefahren“, sagt er. Die erste Behandlung. „Ich war noch voll mit Endorphinen.“ Vor jeder neuen, drei Tage dauernden Behandlungsrunde gönnt er sich nun ein schönes Erlebnis. „Ich kann das dann mit einer positiven Haltung angehen“, sagt er.

Gleichwohl, es gibt auch schlechte Tage. Tage, an denen es schwer fällt, auf Heilung zu hoffen. Doch Jörn will nicht aufgeben. Er geht in die Kanzlei und arbeitet, wann immer es möglich ist. „Das bin ich meinen Mandanten schuldig.“ Und er trage Verantwortung für seine Mitarbeiter. „Ich will und werde den Krebs besiegen“, sagt er mit fester Stimme, „das ist für mich beschlossene Sache.“

Um dieses Ziel zu erreichen, ist er auf Unterstützung angewiesen. „Denn ohne einen Spender bleibt ihm wahrscheinlich noch ein halbes Jahr zu leben“, sagt Annika Schirmacher von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Sie gehört zu einer Initiativgruppe aus dem persönlichen Umfeld des Erkrankten, die derzeit eine Stammzelltypisierung im Citti-Park Flensburg am 26. Oktober organisiert. Schirmherren der Aktion sind Lubomir Vranjes, Trainer der SG Flensburg-Handewitt, und Simone Lange. „Ich hätte es für jeden gemacht“, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete. Bei ihr habe es keine Sekunde des Nachdenkens gegeben. Spenden sei ein Zeichen von Nächstenliebe – besonders dann, wenn man sogar kennenlernen dürfe, wem man das Leben gerettet hat. „Das ist vergleichbar mit der Geburt eines Kindes“, sagt die zweifache Mutter. Und Vranjes ergänzt: „Ja, man kann ein hero sein.“ Für ihn sei es eine sehr persönliche Sache, sich hier zu engagieren. „Es gibt und gab viele Krebskranke um mich herum“, sagt er, eben auch mit schlechtem Ausgang. „Doch diesmal kann man etwas machen.“

Die Initiatoren hoffen, möglichst viele Menschen aus der Region motivieren zu können, an der Registrierungsaktion teilzunehmen. Mitmachen kann jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren. Die Prozedur dauert nur wenige Minuten, per Blutabnahme oder durch eine Speichelprobe. Im günstigsten Fall liegt die Wahrscheinlichkeit identischer Gewebemerkmale bei 1:20 000. „Wir wollen mindestens 2000 Menschen bewegen“ sagt Achim Schulz von der Initiativgruppe. „Es ist eine Möglichkeit, ganz einfach Leben zu retten.“

 

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erstellt am 07.Okt.2014 | 12:00 Uhr

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