Steinberg : Blütenmeer für bessere Ernte

Die Vorsitzende der Kreisbauern Flensburg, Karen Franzen, freute sich über das Interesse der an den Themen Imkerei und Knickpflege.
Foto:
Die Vorsitzende der Kreisbauern Flensburg, Karen Franzen, freute sich über das Interesse der an den Themen Imkerei und Knickpflege.

Eine bessere Kooperation von Bauern und Imkern zum Wohl der Bienen forderte eine Expertin auf einer Versammlung.

shz.de von
26. März 2017, 19:19 Uhr

Steinberg | Honigbienen liefern nicht nur ein süßes Naturprodukt, sondern tragen mit ihrer Bestäubung wesentlich zu reichen Ernten, üppigem Pflanzenwachstum und zur Artenvielfalt bei. In der jüngsten Versammlung des Kreisbauernverbandes Flensburg ließ Referentin Susanne Werner vom Landesbauernverband keinen Zweifel daran, dass Landwirte und Imker als Partner fungieren müssen, weil sie aus ökologischen wie auch aus ökonomischen Gründen aufeinander angewiesen sind. Schulter an Schulter saßen die Landwirte im überfüllten Versammlungsraum im „Steinberger Hof“, als ihre Vorsitzende Karen Franzen aus Sollerup, die Veranstaltung eröffnete. Laut Kreisgeschäftsführer Jens Rosenplänter gehören dem Kreisverband rund 1200 Mitglieder an. Die Kreisverbände Schleswig und Flensburg bestehen als eigenständige Organisationen.

Längst würden die Bauern für die fleißigen Bienen einen reichen Tisch decken, führte Referentin Werner aus. 60 Prozent der Ackerflächen würden mit Kulturpflanzen bestellt, aber es gebe auch spezielle Bienenweiden und ökologische Vorrangflächen, auf denen in Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein weitgehend unbekannte Arten angebaut werden – vom „Natternkopf“ über die „Wilde Möhre“ bis hin zum „Wiesensalbei“.

Auch Wildbienen werden von sogenannten Blütenmeeren profitieren, wenn in einem speziellen Projekt bis ins Jahr 2020 hinein die Pflanzenvielfalt mit wiederbelebten Arten erweitert wird, so Werner. Der Kreis fördert die Initiative.

Imker Wolfgang Fischer, Herr über 50 Bienenvölker in Rügge, kritisierte die seiner Auffassung nach zu komplizierten gesetzlichen Bestimmungen zum Anbau von „blühenden Meeren“. Er bemängelte, dass die vorgegebenen Termine für die Aussaat der Pflanzen eine üppige Sommerblüte verhindern, sodass weniger Nahrung auch für die vielen Hummelarten und andere Insekten vorhanden ist. „Mit den Bauern arbeitet ich Hand in Hand. Am häufigsten stelle ich meine Bienenkästen bei Öko-Betrieben auf“, sagte er.

Die Referentin ging zudem ein auf den Schutz und die Pflege von Knicks. Keine Frage: Knicks prägen das schleswig-holsteinische Landschaftsbild. Sie gliedern die Landschaft und fördern das bunte Mosaik aus unterschiedlicher ackerbaulicher Nutzung und Grünland. Doch müssten sich die Landwirte zu ihrem Leidwesen durch einen Dschungel von Vorschriften kämpfen. „Es herrscht ein Zwang von oben und gibt den Landeigentümern kaum einen Spielraum“, beklagte ein Landwirt. Auf Ackerflächen soll laut Gesetz ein 50 Zentimeter breiter Streifen zum Knickwallfuß als Brache ungenutzt bleiben – und da fragen sich irritierte Bauern wie der Hasselberger Walter Thomsen, ob sie dort wenigstens Blütensamen aussäen dürfen. Bisher ist offiziell auf diesen Randstreifen nur eine Selbstbegrünung durch die Natur gestattet.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen