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Flensburger Tageblatt

20. August 2017 | 23:36 Uhr

Blitzaktion: Sportland schließt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburgs erste und größte private Sporthalle wird abgerissen / Nachbar will dort Bürohaus bauen / Nutzer geschockt und verärgert

Es ist das Ausrufezeichen hinter einem großen Kapitel Flensburger Sportgeschichte. Das Sportland schließt. Am 30. April ist Ende. Ende von viel mehr als nur einer kommerziell betriebenen Sporthalle in einem Gewerbegebiet. Das Sportland an der Raiffeisenstraße 13 war seit seiner Gründung immer auch ein Schmelztiegel gewesen, in dem Spitzensport und Breitensport verkehrten, wo die Schwerkraft der Gesellschaftsschichten aufgehoben war, wo der unvergessene Boxer und Klitschko-Entdecker Erwin Pophal in der Gastronomie internationale Sportprominenz an den Tresen zog. Das Produkt des Tennisbooms der frühen 80er-Jahre hat sämtliche Nachahmer und Mitbewerber in Flensburg überlebt. Jetzt ist unwiderruflich Schluss. Das Sportland wird abgerissen, Nachbar Rexim will dort ein Bürogebäude errichten.

Für Werner Droese scheint die Binsenweisheit gemacht, dass man am besten aufhört, wenn es am Schönsten ist. Für den Ladenschluss gibt es auf den ersten Blick nämlich keinen Grund. Der Laden läuft ausgezeichnet, sagt der Geschäftsführer. Das breit gefächerte Sportangebot – Tennis, Badminton, Squash, Sauna, Wassergymnastik, Schwimmen, Wellness, Bowling und mehr – war bei der Eröffnung 1980 landesweit ein Novum. Auch heute noch könnte es konzeptionell mit den Sportvereinen konkurrieren. Aber Droese laufen die Nebenkosten davon. „Der Staat ist der große Spaßverderber“, sagt er. Die erste Gebührenanpassung hatte es im Sportland nach zehn Jahren gegeben, die zweite nach fünf, die dritte nach drei Jahren. Würde das Sportland weiter machen, müsste Droese zum Sommer 2015 die dritte Preiserhöhung innerhalb eines halben Jahres vollziehen. „Die Mehrwertsteuer für Sauna und Schwimmbad hat sich für uns binnen Kurzem fast verdreifacht, unsere hohen Investitionen in sparsame Technik werden in immer kürzeren Intervallen durch steigende Kosten aufgehoben“ sagt er. „Dieses Rennen kannst Du auf Dauer nicht gewinnen. Und die Perspektive ist schlecht.“

Das mit der Perspektive gilt allerdings auch für eine ganze Reihe von Nutzern. Betriebssportgemeinschaften etwa. Aber auch Anbieter, die an der Raiffeisenstraße ein finanzielles Standbein haben. Das bricht jetzt blitzartig, vor allem aber alternativlos weg. Die Flensburger Fitness-Trainerin Maja Brandt nutzte den Schwimmbad- und Saunabereich zehn Jahre lang für ihre Kurse. Sie ärgert sich vor allem über den Stil. „Offiziell wurden wir vier Wochen vor der Schließung informiert. Anständig wäre es gewesen, uns wenigstens eine anständige Übergangszeit einzuräumen.“ Auch bei der Volkshochschule ist Alarm. Am 20. April sollten im Sportland sechs Kurse starten. Die waren so gut wie ausgebucht und werden jetzt abgesagt. „Da sind gut 100 Leute betroffen. Das trifft uns hart und reißt eine Riesenlücke“, sagt VHS-Leiter Helmut Claas. Auch er hat ein Problem mit kurzen Fristen. Aber die Umstände, findet er, lassen wirklich auf eine Blitzentscheidung schließen. Privat spielt er im Sportland Tennis. „Vor drei Wochen hat man mit uns noch über die Winterbelegung gesprochen. Von Schließung keine Rede.“

Droese bestätigt indirekt, dass es vom großen Nachbarn (Rexim gehört zum Bestand des Scandi-Park-Besitzers Hans-Werner Petersen) kurzfristig ein gutes Angebot gegeben habe. Vor dem Hintergrund der ungewissen Aussichten sei dann die Entscheidung gefallen, das Sportland aufzugeben und nur noch die benachbarte große Messe- und Veranstaltungshalle weiter zu betreiben. Eine Entscheidung, die sich die Kommanditisten nicht leicht gemacht haben, betont Droese. Aber der Zeitpunkt sei günstig gewesen. „Ich wollte nicht derjenige sein, der den Laden irgendwann gegen die Wand fährt.“

Von Rexim-Chef Hans-Werner Petersen war keine Stellungnahme zu bekommen.

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von
erstellt am 09.Apr.2015 | 07:53 Uhr

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