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Altlasten in der Förde : Blindgänger nach 68 Jahren gesprengt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kampfmittelräumdienst in der Wasserslebener Bucht: Panzergranate aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft

Nebel liegt über der Förde. Es ist 10.15 Uhr, als die „Glücksburg“ von der Brücke in Sonwik ablegt. Das Streckenboot der Flensburger Wasserschutzpolizei ist in heikler Mission unterwegs. Es begleitet die kontrollierte Sprengung einer Panzergranate – eine Altlast aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein Blindgänger.

Bei der Waffe handelte es sich um ein Geschoss vom Kaliber 8,8 Zentimeter mit einem komplizierten Schlagzünder. 20 Zentimeter lang, 15 Kilo massiver Stahl, 70 Gramm Sprengstoff. „Nicht groß, aber brisant“, sagt Jens Albert, Sprecher der Wasserschutzpolizei. „Es ist die erste Sprengung hier vor Ort.“ Durch Zufall oder: dank „Xaver“ war die Granate bei extremem Niedrigwasser (2,20 Meter unter Normalnull) von einem Spaziergänger gefunden worden.

Am Ruder steht Bernd Poschka, er steuert das Schiff in Richtung Harniskai – immer die elektronische Seekarte im Blick. Am Industriehafen hat der Kampfmittelräumdienst aus Felde bereits seine Arbeit aufgenommen. „Zu ihnen haben wir vollstes Vertrauen“, sagt Poschka. Vier Mann sind angereist. Sie beraten sich kurz in ihrem schwarzen Schlauchboot. Auch wenn es es sich um einen Routinefall handelt, sind äußerste Vorsicht und Sorgfalt geboten. Der explosive Fund liegt nicht einmal zwei Meter von der Uferkante entfernt. Taucher Ruben Carstensen gleitet ins Wasser. Es dauert nicht lange, bis die Granate an Bord gehievt ist.

In der Wasserslebener Bucht soll die Aktion stattfinden, etwa 600 Meter vom Flensborg Roklub entfernt, wo sich schon Neugierige und Fotografen eingefunden haben. Bevor Sprengmeister Hans-Jörg Kinsky den formbaren Plastiksprengstoff anbringt, werden im Umkreis von 300 Metern sogenannte Vergrämer gesetzt – zehn an der Zahl. Sie sollen mittels hochfrequenter Unterwasser-Signale Schweinswale und Fische fernhalten. „Natürlich ist man bemüht, den Schaden gering zu halten“, sagt Albert, wohlwissend, dass diese Art der Sprengung nicht unumstritten ist.

Dann lassen die Spezialisten die Granate an einem Seil langsam zu Boden sinken – sechs Meter tief, zeigt das Echolot an. Die Spannung steigt. Jens Albert kontrolliert am Radarschirm, dass sich kein weiteres Schiff in der Nähe aufhält. Das Streifenboot „Duburg“ sichert die Szenerie zum Innenhafen hin ab.

Endlich ertönt weit hörbar das Signal von der „Glücksburg“, die das Geschehen in sicherer Entfernung begleitet. 11.10 Uhr. Es kann losgehen! Hälse recken sich, Kameras werden gezückt – in Erwartung einer ansehnlichen Fontäne?

Doch dann macht es nur „blubb“. Vielleicht 20 Zentimeter hoch steigt ein kleiner Wasserpilz, begleitet von einem dumpfen Knall – wie ein Schüsschen mit dem Schalldämpfer. Das war’s. Und kaum einer hat’s bemerkt.

Doch die Beteiligten sind zufrieden. Sie wissen, es geht auch anders. Etwa dann, wenn die Sprengung von Minen oder Torpedos das Wasser bis zu einer Höhe von 80 Metern aufspritzen lässt. Hans-Jörg Kinsky sieht das ganz pragmatisch: „Es muss ja“, sagt er trocken, „nicht immer so spektakulär sein.“

 

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