Marienstraße : Blanker Hohn statt Kopfsteinpflaster

Marienstraße: Bürger wollen historische Pflasterung mit Steinen, doch die Stadt ignoriert das Votum der Bürgerversammlung und setzt auf Asphalt

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19. April 2012, 02:46 Uhr

Flensburg | Die Mehrheit war mehr als deutlich. 36 Bürger sprachen sich für Kopfsteinpflaster aus, nur fünf für Asphalt. Bei der Bürgerversammlung mit Anliegern der Marienstraße am 15. März ging es um die Frage, ob die Straße nach den derzeit laufenden Tiefbauarbeiten wieder mit Asphalt oder alternativ mit Kopfsteinpflaster gestaltet werden soll. Ausführlich wurde das Für und Wider, Probleme wie Lärm, Rutschgefahr, Wartungsfreundlichkeit und Kosten erörtert. Am Ende stand eine Abstimmung - mit dem klaren Ergebnis für eine Pflasterung. Umso größer ist die Empörung der Anlieger angesichts des Vorschlags, den die Verwaltung jetzt macht: Asphalt.

"Das ist blanker Hohn", sagt Povl Leckband, seit 1976 Anlieger und Hausbesitzer an der Marienstraße. Die gehört zu den prominentesten Straßen der Altstadt: Der Weg von der Norderstraße die Marienstraße hinauf und durch den Burghof zur Toosbüystraße gehört zum Pflichtprogramm der meisten Altstadt-Führungen.

Wie Leckband fühlen sich auch weitere Anlieger vom Verhalten der Stadt vor den Kopf gestoßen: Erst wird der betroffene Bürger nach seiner Meinung und seinem Wunsch befragt, daraufhin artikuliert er höchst mehrheitlich seine Präferenz, und trotzdem schlägt die Stadtverwaltung die von den Bürgern mehrheitlich abgelehnte Lösung vor.

"Dann hätte sich die Stadt die Bürgeranhörung sparen können", sagt Hausbesitzer Gerd Priebe, der wie Leckband und über 50 andere die Versammlung am 15. März besucht hat. Er fühle sich nicht ernst genommen von der Stadt, so Priebe. Als Bewohner der Altstadt wolle man es schön haben, und Kopfsteinpflaster sei schöner als Teer. Er bezog sich auf das Beispiel einer Straße in Sonderburg, die der städtische Denkmalpfleger Eiko Wenzel bei der Versammlung den Bürgern präsentierte.

"Wir müssen als Verwaltung eine wirtschaftliche Lösung finden", sagt zur Begründung Peter Schroeders, Leiter des Fachbereichs Entwicklung und Innovation. Man habe alle vier möglichen Varianten noch einmal "auf Herz und Nieren geprüft" und festgestellt, dass sie alle sehr teuer sind. Deshalb schlage man eine Lösung mit Flensburger Klinker auf dem Bürgersteig und Asphalt für die Fahrbahn vor. Diesen Vorschlag werde man jedoch einer erneuten Bürgeranhörung unterziehen, versprach Schroeders. Er erinnerte daran, dass Kopfsteinpflaster höhere Unterhaltungskosten nach sich ziehe als Asphalt. Auch sei es nicht gegeben, dass Pflaster automatisch für die Altstadt die beste Lösung ist. Zudem könne es bei einer Straße mit Gefälle Probleme hinsichtlich der Festigkeit des Pflasters geben.

Schroeders verwies darauf, dass am Ende der Planungsausschuss entscheide und man selbstverständlich dessen Beschluss umsetzen werde. Der Ausschuss trage dann allerdings auch die Verantwortung für die höheren Kosten.

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