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Flensburger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 12:25 Uhr

Bits, Bytes, Bässe und kleine Fluchten

vom

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 06:30 Uhr

Legenden leben wieder auf- zuerst in Jübek, jetzt auch in Wallsbüll. Tausende junger und nicht ganz so junger Menschen strömen auf die Festivalgelände und feiern mit Bands, die ihren dritten Frühling erleben, die in Genre-Nischen erste Erfolge feiern oder auch schon den Durchbruch geschafft haben. Open Air als hätte es nie etwas anderes gegeben. Dabei liegen zwischen damals und heute Lichtjahre. Die Headliner von einst waren Schallplattenmillionäre, heute verkaufen sie nicht einmal mehr nennenswert CDs. Zwischen einst und heute - Jübek und Jübek Revival, Wallsbüll alt und Wallsbüll neu - hat die digitale Revolution unsere Gesellschaft verändert und die Musikszene atomisiert.

Was allerdings als Todbringer für die Musikindustrie verteufelt wurde, entpuppt sich zugleich als Jungbrunnen für Bands und Fans. Zwar weiß kaum noch jemand die Musikszene zu kategorisieren, seit mit dem Musikhören keine politische Botschaft, keine gesellschaftliche Identifikation und kein nachhaltiges Lebensgefühl mehr transportiert wird, dafür aber genießen vor allem junge Musiker dank digitaler Verbreitungswege die Chance, sich unverbindlich hemmungslos auszuprobieren. Pop, Rock, Indie, Metal, Punk ... - uns doch egal, Hauptsache es macht Spaß! Und wenn es Spaß macht, geht’s auch auf die Bühne. Denn auch das hat sich geändert: Wer nicht von der Musikindustrie permanent in die Top 40 gepusht wird, muss auf Tour gehen, um Zuspruch und mit seiner Musik Geld zu verdienen. Deshalb blüht in den Städten die Clubkultur wieder auf. Und auf dem Lande haben Events wie Jübek und Wallsbüll Open Air wieder eine echte Chance.

Für das Publikum sind diese Konzerte kleine Fluchten in eine andere Welt. Wo einem handgemachte Musik um die Ohren gehauen wird, hat kein Handyklingelton eine Chance. Wer mit tausenden Menschen ein Livekonzert erlebt und friedlich feiert, verlässt den Lebensrhythmus aus Bits und Bytes. Für junge Menschen ist das mitunter eine wohltuende neue Erfahrung und für die vielen jung Gebliebenen eine Reminiszenz an alte Tage - als Musik noch die Welt bewegte und der Schallplattenkauf eine sinnliche Erfahrung war. In diesem Sinne: Weiter so!

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