zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

23. August 2017 | 21:14 Uhr

Birken müssen für Orchideen weichen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Naturschützer wollen natürlichen Wasserhaushalt im Großen Noor wiederherstellen / Grünland soll auch dem Hochwasserschutz dienen

Noch liegen keinerlei Pläne vor, doch die Stiftung Naturschutz ebnet bereits den Weg für eine Renaturierung des Großen Noors in Glücksburg. Auf den Grünflächen zwischen der Kreisstraße nach Holnis und dem Ortsteil Schausende möchte die Stiftung mittelfristig den natürlichen Wasserhaushalt wiederherstellen, wie Pressesprecher Thomas Voigt auf Frage unserer Zeitung sagte. Am heutigen Freitag lässt die Organisation 15 kleine Birken fällen. Als Grund gibt Voigt eine weitere Ansiedlung von in der Nähe bereits beheimateten Orchideen an.

Die Birken haben dem Pressesprecher zufolge einen Stammdurchmesser von maximal 20 Zentimetern und stehen im Nordrand des Großen Noores bei Schausende. Voigt: „Damit will die Stiftung Naturschutz Licht liebenden Orchideen einen neuen Lebensraum schaffen. In der Nähe ist der Standort des bedeutendsten Orchideenvorkommens im Stiftungsland Holnis.“

Damit die Baumgruppe nicht wieder austreibe und das sie umgebende Gebüsch kurz bleibe, solle die bestehende Weidelandschaft durch Versetzen des Zauns erweitert werden. Galloways kümmerten sich quasi als Ökorasenmäher darum, dass sich unerwünschter Bewuchs nicht durchsetze, teilt die Stiftung in einer Pressemeldung mit.

Involviert ist auch Nils Kobarg. Der Leiter der Integrierten Station Geltinger Birk des LLUR (Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume) versucht, Mittel für eine Machbarkeitsstudie beim Umweltministerium in Kiel einzuwerben. Pläne gebe es noch nicht. Aber seine Vision sei die kontrollierte Vernässung des Großen Noors, um Lebensräume wiederherzustellen. Gleichzeitig könnte der Hochwasserschutz in Schausende verbessert werden. Die Hochwassergefahr in Schausende komme nicht nur von der Westseite. „Die Gefahr kommt von Osten aus Richtung Campingplatz und Kreisstraße. Der Promenadenwall am Campingplatz sei nur zwei Meter hoch. Das werde mit Blick auf den Meeresspiegelanstieg eines Tages nicht mehr genügen. „Wir könnten die Anwohner in Schausende mit einem Deich hinter ihren Grundstücken vor nassen Füße bewahren“, sagt Kobarg. Die bestehende Pumpstation am westlichen Deichweg pumpt Oberflächenwasser und geklärtes Wasser in die Förde.

Fachleute wie Kobarg beteiligten sich in den vergangenen zwei Jahren an zwei Informationsveranstaltungen in Schausende. Zu der einen hatte die Interessengemeinschaft Leuchtturm Holnis  / Schausende um Heiner Schubarth eingeladen. Die Anwohner waren skeptisch, da sie befürchten, bei einer Vernässung erstrecht „nasse Füße“ zu kriegen. Und was würde aus Hase, Fuchs und Igel werden?

Hans Knöll vom Nabu Holnis hält die Vernässung des Gebietes aufgrund der selten gewordenen Salzvegetation wie Strandaster und Meereswegerich für sinnvoll. Das große Noor sei Salzwiese gewesen, bevor es 1927 entwässert worden und zur landwirtschaftlichen Fläche geworden sei.

Die FFH-Richtlinie der Europäischen Union hält die Mitgliedsstaaten dazu an, Lebensräume wie Salzwiesen zu sichern oder wieder herzustellen.


zur Startseite

von
erstellt am 27.Feb.2015 | 10:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen