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Flensburger Tageblatt

24. August 2017 | 05:26 Uhr

Biochemie am Ende der Welt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Helmut Erdmann, Flensburger Professor für Mikro- und Molekularbiologie forscht ein halbes Jahr lang in Asien

Ihre Stimme zur Bundestagswahl hatten die beiden politisch interessierten Wissenschaftler selbstverständlich noch abgegeben. Zwei Tage später, wechseln sie für ein halbes Jahr den Kulturkreis. Die University of Jember auf der indonesischen Insel Java hat Helmut Erdmann eingeladen. Für ein Semester wird der Professor für Mikro- und Molekularbiologie von der Flensburger Fachhochschule in Asien forschen. Er möchte aber auch die Kollegen in der Lehre im Fach Biochemie unterstützen, hofft Erdmann.

„Wir haben beide eine Einladung bekommen“, betont seine Frau Heidemarie Erdmann – eine Beschäftigung sei beiden sehr wichtig. Die Psychologin könne zwei vorbereitete Vorträge vor indonesischen Kollegen halten. Vor allem aber habe sie selbst großes Interesse an der Arbeit der indonesischen Kollegen, betont Heidemarie Erdmann. In jüngster Zeit habe sie sich intensiv mit interkultureller Psychiatrie beschäftigt und berichtet, dass sie bei der Internet-Suche dazu für Indonesien so gut wie nichts herausfinden konnte. Ihre Praxis in Flensburg ruhe bis zum April des nächsten Jahres.

Seine erste Woche in Asien verbringt das Paar auf der Nachbarinsel Bali, damit es sich „ans Klima gewöhnen“ könne, sagt Helmut Erdmann. Vor zehn Jahren habe er schon einmal eine indonesische Universität nahe der Hauptstadt Jakarta besucht.

Seine Sensibilität für Menschen aus Schwellenländern haben die Begegnungen im International Club geprägt während seiner zwei Jahre in Washington nach der Promotion. Seit 1990 beteilige er sich, erzählt Erdmann, an der Weiterbildung von Wissenschaftlern aus Schwellenländern. Dieses Engagement habe er in Flensburg fortgesetzt. Daraus erwuchsen nicht nur Freundschaften, sondern auch solide berufliche Beziehungen, welche die Erdmanns nun an die Uni Jember führen.

Insgesamt zähle die gastgebende Universität 50 000 Studenten; sein Campus des „Center for Molecular Biology“ 15 000. Forschungen in der Bio-Analytik und Gentechnik, nennt Erdmann als seine Schwerpunkte und Nano-Biotechnologie als neueres Feld, auf dem er „rasante Fortschritte“ beobachtet. Pharmazie und Lebensmitteltechnologie sind nur zwei Branchen, die profitieren. Nachwuchswissenschaftlern in Indonesien will er versuchen zu vermitteln, „dass man auch mit einfachen Mitteln zum Ergebnis gelangen kann“.

Zur Vorbereitung der Forschung und Lehre am – von Norddeutschland gesehen – anderen Ende der Welt haben die beiden 62-Jährigen ein halbes Jahr Indonesisch gelernt. Heidemarie Erdmann hält das für eine „Frage der Wertschätzung“. Virtuell hat sich das Paar schon vor der Abreise einen Überblick der Region verschafft – mittels Google. Als weitläufig, grün und dicht besiedelt beschreibt es die ersten Eindrücke der Gegend. Überraschen lassen müssen sich die Erdmanns von der Unterkunft. „Da braucht man schon ein bisschen Flexibilität“, bleibt Heidemarie Erdmann locker.

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erstellt am 25.Sep.2013 | 18:46 Uhr

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