Konzert in der Flens-Arena : Billy Idol und The Hooters begeistern Fans

Billy Idol bei seinem Auftritt in der Flens-Arena.
Foto:
Billy Idol bei seinem Auftritt in der Flens-Arena.

Kulthits und viel gute Stimmung gab es bereits am Samstag. Gestern konnten auch Billy Idol und The Hooters überzeugen.

shz.de von
04. Juli 2015, 12:49 Uhr

Flensburg | Doppelschlag in der Flens-Arena: Am Sonnabend gaben die Vertreter der Neuen Deutschen Welle den Ton an. Sechs Stunden lang reihte sich ein Hit aus den 80ern an den nächsten. 1800 Fans feierten sechs Stunden lang mit Fräulein Menke, besangen mit Geiersturzflug das „Bruttosozialprodukt“ oder hatten Spaß mit NDW-Star Markus. Tags darauf rauere Töne: Nach „The Hooters“ rockte Altmeister Billy Idol die Halle – und es kamen noch einmal gut 1000 Zuschauer mehr als tags zuvor.

Billy Idol am Sonntag in der Flens-Arena.
Foto: Dewanger
Billy Idol rockte die Flens-Arena.
 

„Dem hätte ich gern den Schweiß von der Brust geleckt“, resümierte ein weiblicher Fan, Mitte 40, den Abend. Auch wenn die durchrockten Jahre nicht völlig spurlos an dem Kult-Rocker vorbeigegangen sind – an Energie hat Billy Idol kaum eingebüßt. Mit schwarzem Mäntelchen, hängenden Hosenträgern und nacktem, glänzendem Oberkörper wetzte der 59-Jährige über die Bühne und sprang immer wieder auf ein Podest. Dort stimmte er mit den Fans den „Rebel Yell“ an oder oder rockte die „Cracle of Love“. Unverkennbar: Diese Art, wie er immer wieder asymmetrisch seinen Mund verzieht und schließlich die Faust in die Luft reckt. Mit tiefer Stimme erklärt er, wie es zum Song „Sweet Sixteen“ kam und lässt die Fans wissen, dass er seinen ersten Titel schon 1976 schrieb.

Idols langjähriger Gefährte und Gitarrist Steve Stevens zeigte sein Können am Instrument:  Mal spielte der Musiker, der frisurtechnisch an The Cure erinnert, die Gitarre hinter dem Rücken, dann wieder hopste er im Duckwalk à la Angus Young über die Bühne. Allerdings nicht in Schuljungen-Unifom, sondern in dunkler Samtschlaghose mit schrägem Hemd im 70er-Stil.

Ein wenig baff waren die Musiker, als die Menge, um noch eine weitere Zugabe herauszukitzeln, die ohrwurmige White-Stripes-Melodie von Seven Nation Army anstimmte und die Band minutenlang auf der Bühne warten ließ. „Ihr merkt schon, dass die Band gar nicht spielt“, sagte Stevens. „Das hier ist Billy Idol und nicht Jack White.“ Doch die Fans ließen sich vom Stadiongesang nur schwer abbringen. Schließlich überstimmte die Band die Massen aber doch.  

Für viele Fans steht Idol, Jahrgang 1955, für den kommerziell erfolgreichen Rock-Punk made in USA. Dabei ist er Engländer, brach in den 70er Jahren sein Philosophie-Studium ab und schloss sich der neuen Londoner Punk-Szene an. Hier gründete er „Generation X“. Nach deren Auflösung ging er in die USA und startete hier eine Solo-Karriere mit einem auf ihn zugeschnittenen Image als „tough guy“. Er landete Hits wie „Dancing with Myself“, „Rebel Yell“, „Flesh for Fantasy“ und „White Wedding“. Das Album „Rebel Yell“ erreichte in Deutschland Platz 2 der Album-Charts.

Ab 1990 wurde es ruhig um Billy Idol, der heroinabhängig war, mehrere Exzesse hatte und nach einer Überdosis seinen Drogenmissbrauch fast mit dem Tod bezahlte. Doch er trat erfolgreich auf die Notbremse, machte einen Entzug und lebt seitdem drogenfrei. Nach einem schweren Motorradunfall mit etlichen Knochenbrüchen lag er lange im Krankenhaus.

Doch seine Fans vergaßen ihn all die Jahre nicht. Sein 2001 erschienenes Greatest-Hits-Album verkaufte sich über eine Million mal. 2005 kam endlich sein erstes neues Album nach weit über zehn Jahren Pause heraus. „Devil’s Playground“ erreichte immerhin Platz 15 der deutschen Charts. Er gab viele Konzerte, vor allem in Deutschland. Im Oktober 2014 erschien Billy Idols Autobiographie „Dancing with Myself“, benannt nach seinem frühen Hit.

The Hooters in der Flens-Arena.
Foto: Dewanger
The Hooters in der Flens-Arena.
 

Wer musikalisch von den 80er Jahren geprägt ist, kennt nicht nur Billy Idol, sondern auch The Hooters. Die stammen wirklich aus den USA, hatten weltweit Riesenhits mit Songs wie „All you Zombies“ oder „Johnny B“. Die Hooters hatten einen eigenen, völlig unverwechselbaren Sound, der geprägt war von einem schweren Groove, aber vor allem durch den Einsatz eher rockuntypischer Instrumente wie Mandoline und Akkordeon.

Immer wieder zauberten die Musiker neue Instrumente hervor: Diverse Mandolinen, Melodica und sogar eine Blockflöte kamen zum Einsatz. Sänger Eric Brazilian bewies in der Zugabe auch seine Deutschkenntnisse: Unter großen Jubel stimmte er den NDW-Kulthit „Major Tom“ an und das Publikum ging „völlig losgelöst“ und textsicher mit. „Ob die das komisch fanden, dass die Leute bei dem Coverstück am besten mitgesungen haben?“ fragte ein Fan etwas skeptisch.

Eric Brazilian. Foto: Dewanger
Foto: Dewanger
Eric Brazilian. Foto: Dewanger

Wer sich schon zu Beginn des Abends in die Halle gewagt hatte, wurde von den Vorbands nicht enttäuscht. Vor allem die noch recht neue Symphonic-Metal-Band „Beyond the Black“ heizte dem Publikum gut ein. Sängerin Jennifer Haben kontrastiert mit ihrer lieblichen, aber kraftvollen Stimme zu den harten Klängen. Mit dem im Februar erschienenen Album „Songs of Love and Death“ gilt „Beyond the Black“ als Metal-Entdeckung des Jahres. 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen