Handwerk in Flensburg : „Bildung muss vergleichbar sein“

Politik und Handwerk: Arne Rüstemeier, Susanne Schäfer-Quäck, Günther Görrissen, Ellen Kittel-Wegner, Florian Matz (v.l.).
Politik und Handwerk: Arne Rüstemeier, Susanne Schäfer-Quäck, Günther Görrissen, Ellen Kittel-Wegner, Florian Matz (v.l.).

Kreishandwerksmeister kritisiert zu großen Bundestag, fehlende Regierung, Infrastruktur-Defizite und unterschiedliche Bildungssysteme

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29. Januar 2018, 07:00 Uhr

Deutliche Worte zur aktuellen Bundes- und Landespolitik fand Kreishandwerksmeister Günther Görrissen beim traditionellen Handwerkerfrühschoppen gestern im Borgerforeningen. Mit der Bundestagsabgeordneten Petra Nicolaisen und und dem Landtagsvertreter Johannes Callsen waren die richtigen Adressaten dabei.

Görrissen kritisierte, dass auch vier Monate nach der Bundestagwahl immer noch keine Regierung gebildet ist, dafür aber schon mal die Diäten erhöht wurden. Und er stellte in Frage, ob 709 Abgeordnete im Bundestag – so viele wie noch nie – wirklich sein müssten, ebenso, ob bundesweit 1821 Landtagsabgeordnete wirklich ein starkes Deutschland wollten oder sich eher aus Eigennutz engagierten. „Deutschland, die Wirtschaft und das örtliche Handwerk brauchen eine stabile Regierung“, so sein politisches Statement.

Grundsätzlich gehe es dem Handwerk derzeit gut. Gleichwohl zerrten externe Faktoren an effizientem handwerklichen Wirtschaften, seien es das Wetter, die Diesel-Diskussion mit möglichen Fahrverboten, aber auch zeitraubende Regeln fürs Bauhandwerk, die Einführung eines weiteren Feiertages oder die teils marode Infrastruktur – „nach Hamburg zu fahren ist schon ein Abenteuer!“ Forderungen von sechs Prozent Lohnerhöhung wie gerade im Metallbereich nannte er „utopisch“.

Schwerpunkt war das Thema „Bildung-Ausbildung-Fortbildung“, das fürs Handwerk angesichts des drohenden Fachkräftemangels immer mehr an Bedeutung gewinnt. So müssten die Bildungssysteme in allen Bundesländern unbedingt vergleichbar sein, betonte Görrissen. Und beklagte die unverändert mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabsolventen. Parallel zum bewährten „dualen Ausbildungssystem“ seien zum Beispiel zeitlich entzerrte Praktika wichtig - er lud Lehrkräfte ein, mal selbst im Handwerk Hand mit anzulegen. Von besonderer Bedeutung sei aber, jungen Menschen aufzuzeigen, dass das Handwerk mit seinen Aufstiegsmöglichkeiten ebenso attraktiv sei wie ein Studium. Auch die Integration von Migranten in den beruflichen Ausbildungsprozess als Basis für ein friedliches Miteinander sei relevant. „In der hohen Zahl an Studienabbrechern sieht das Handwerk als attraktiver Arbeitgeber ein großes Potenzial an Nachwuchs, das oftmals als Führungskräfte geeignet ist“, sagte Kreishandwerksmeister Günter Görrissen. Allerdings müsse die Politik für akzeptable Rahmenbedingungen sorgen – mit Bildung und Kinderbetreuung, funktionierender Infrastruktur und bezahlbarem Wohnraum.

Vier anwesende Mitglieder der Ratsversammlung gaben Statements zum Vortrag des Kreishandwerksmeisters ab.

Ellen Kittel-Wegner (Grüne): „Für uns sind die Handwerksbetriebe in Stadt und Land unverzichtbare Partner bei der Integration geflüchteter Menschen.“

Arne Rüstemeier (CDU): „Unsere Partei will ihren Anteil dazu beitragen, dass es den Betrieben und ihren Mitarbeitern mit Infrastruktur, Kita-Plätzen und hoher Lebensqualität gut geht.“

Susanne Schäfer-Quäck (SSW): „Für uns ist nachvollziehbar, dass auch schwächere Schüler die Chance verdienen, im Handwerk eine gute Ausbildung absolvieren zu können.“

Florian Matz (SPD): „Um Fachkräfte für das Handwerk nach Flensburg zu bekommen, brauchen wir eine gute Infrastruktur. Dazu gehören Kitas, aber auch ausreichend bezahlbarer Wohnraum“.

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