Zikita : Bilder und Buchstaben zum Frühstück

Morgenrunde: Die Namensketten gehören zur Grundausstattung der Kinder.
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Morgenrunde: Die Namensketten gehören zur Grundausstattung der Kinder.

Der ADS-Kindergarten Süderlücke zählt zu vier Stätten, die im Februar täglich die Tageszeitung erhalten. Die Hausaufgaben erledigen die Kleinen mit enormem Ernst.

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19. Februar 2009, 11:41 Uhr

Flensburg | Die "T"s und "E"s, "L"s und "A"s auf den Halsketten von Tom, Jette und den anderen schlackern bei jeder Bewegung lustig hin und her. Lanya erklärt die Schmuckstücke: "Wir haben Buchstaben zusammengesucht und auf Ketten gefädelt". In der Morgenrunde haben die Kinder die Lettern in der Zeitung gesucht und gefunden. "Der Kreis heißt nicht mehr Kreis, sondern Zikita-Kreis", erläutert Erin.

"Zeitung in der Kindertagesstätte" muss sich hier im ADS-Kindergarten Süderlücke zu Hause fühlen. Fünf Jungen und zwölf Mädchen zwischen fünf und sechs Jahren beschäftigten sich jeden Tag im Februar mindestens eine Stunde lang mit dem Flensburger Tageblatt und erledigten mit enormer Ernsthaftigkeit ihre Hausaufgaben. Dies beobachtet Erzieherin Anne Knottnerus-Meyer, der an einer klaren Struktur des Vorhabens gelegen war. Dazu zähle ein "ritualisierter Ablauf" wie das Zeitungholen, der Zeitungstanz und der Zikita-Kreis. Voraussetzung sei, den Kindern "auf Augenhöhe zu begegnen", sie ernst zu nehmen. Das Ziel bestehe in der Sprachförderung. Beides gehört zusammen, denn: "Kinder sprechen nur, wenn ihnen jemand zuhört", weiß Knottnerus-Meyer. Schließlich seien die Dokumentationen wichtig und ein resümierender Elternabend.
Regionales und Bilder besonders beliebt
Die Eltern gehörten unabdingbar ins Boot, betont auch Kindergartenleiterin Margit Kunstmann und erkennt wachsende Neugierde auf Seiten der Erwachsenen. Die Begeisterung für Buchstaben scheint ansteckend. Lanyas Mutter regte das Projekt an, die Zeitung wieder stärker in den Alltag einzubinden. Insbesondere regionale Angelegenheiten interessierten auch ihre Tochter, die sich jüngst den Bericht zum bekannten Bild des Sky-Marktes um die Ecke vorlesen lassen wollte.

Johanna habe immer das Zikita-Logo gesucht und Pferde-Bilder, zählt ihre Mutter auf. Und über das Foto eines blutverschmierten Boxers sei sie "entsetzt" gewesen.

Svenja überraschte ihre Eltern zum Valentinstag mit einem Dreizeiler unbekannter Herkunft über "himmelblaue Augen und erdbeerroten Mund", wie Svenjas Vater verdutzt erzählt. "In der Zeitung stehen immer so schöne Sachen drin", habe die Tochter gesagt, bei der Erklärung sei es geblieben.

Gian-Luca schleppt einen riesigen Stapel druckfrischer Tageblätter heran und gibt jedem Kind im Stuhlkreis eines. Er wachse mit der Zeitung auf, sagt seine Großmutter, die gar nicht "ohne könne". Manche balancieren das Blatt auf dem Kopf, andere wie Erin betrachten aufmerksam das Titelbild. Die erste sei ihre Lieblingsseite, viele andere Kinder nennen die Kinderseite. Dann geht Erin herum und zeigt ihre Hausaufgaben: einen "Interviewbogen mit den Eltern". Nele erklärt die Aufgabe: "Wir haben die Eltern gefragt, was ihre Lieblingsfarbe ist und ihr Lieblingsroman." Auf Neles Bogen prangen ein roter Punkt und der "Schimmelreiter". Allmählich werden die Kleinen unruhig. Auf dem Weg nach draußen langen sie in Schüsselchen mit "Russisch Brot", naschen "A"s und "O"s.


Offener Hort
Der Kiga Süderlücke eröffnete 1974 und beherbergt zur Zeit 86 Kinder in vier Gruppen. Er öffnet von 7 bis 16 Uhr. Als Besonderheit nennt Leiterin Margit Kunstmann die Eigenschaft als Mehrgenerationenhaus. Donnerstags zum Beispiel gebe es einen „offenen Treff“. Zwischen 15 bis 18 Uhr stehen dann die Türen auch Nachbarn aller Generationen offen.

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