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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 12:14 Uhr

Steuerbetrug : Bierkutscher in U-Haft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mindestens 5,1 Millionen Euro Schaden: Deutsche Zollfahnder und dänische Polizei stoppen kriminelles Steuerkarussell. 25 Jahre war der 50-jährige Unternehmer als rechtschaffener Flensburger Bierkutscher unterwegs.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | 25 Jahre war er als rechtschaffener Flensburger Bierkutscher in der Stadt und darüber hinaus unterwegs. Seine – vorerst – letzte Fahrt aber führte ihn am 19. März zum Südergraben 24, wo die Flensburger Justizvollzugsanstalt ihren Sitz hat.

Untersuchungshaft, Fluchtgefahr – der 50-jährige Unternehmer sitzt seither in Haft. Ihm wird zur Last gelegt, in einem hochkomplexen illegalen Steuerkarussell neben zwei (in Kopenhagen inhaftierten Partnern) zu den Hauptakteuren zu zählen. Die federführende Staatsanwaltschaft Kiel und das Zollfahndungsamt Hamburg vermeldeten gestern das erfolgreiche Ende einer langen gemeinsamen Ermittlung mit der dänischen Polizei und der Flensburger Steuerfahndung.

Im Fadenkreuz: Der Flensburger Getränkegroßhändler, die Kopenhagener Getränkegroßhändler, eine ganze Batterie von Briefkastenfirmen in der dänischen Provinz mit unauffindbaren Geschäftsführern aus Osteuropa und Asien. Der Schaden für den Fiskus: 5,1 Millionen Euro. Drei Millionen Euro Umsatzsteuer und 2,1 Millionen Euro dänische Biersteuer. Mindestens. Denn die deutsche Zollfahndung geht davon aus, dass nach dem Modell eines illegalen Steuerkarussells schon vor 2013 Kasse gemacht worden ist. Ermittlern war jedenfalls aufgefallen, dass der Betrieb des Flensburgers um das Jahr 2010 kräftig zu expandieren begann. Da war der Betrieb schon zehn Jahre am Markt.

„Diese Betrugsmodelle sind sehr gut in den Büchern verborgen“, sagt Axel Hirth, Sprecher des Zollfandungsamtes. „Selbst Betriebsprüfer kommen schwer dahinter, weil die Geschäfte ganz legal aussehen.“ Im Grundsatz geht es um große Warenlieferungen – in diesem Fall Bier und Softdrinks – die über Briefkastenfirmen und den ausländischen (Flensburger) Partner einmal Kopenhagen und zurück reisen – und zwar nur durch die Bücher der beteiligten Firmen. Keine einzige Dose Tuborg-Øl hatte das Lager für den Profit je verlassen, der dänisch-deutsche Handel war nur eine Simulation. Aber auf dem Weg verlor die Ware auf magische Weise ihre Steuerlast, und die Beteiligten hatten am Ende eine veritable kriminelle Wertschöpfung durch Umsatzsteuererstattung bzw. Ersparnis der deftigen dänischen Biersteuer. Die steuerbefreiten Getränke wurden nach Angaben dänischer Medien über Kioske in Kopenhagen abgesetzt.

Der Flensburger Bierkutscher gilt für die Ermittlungsbehörden als einer der Strippenzieher in diesem ausgeklügelten System. Zwei Partner in Kopenhagen sitzen ebenfalls in U-Haft, an die Hintermänner der Briefkastenfirmen kamen die Fahnder nicht heran. „Die waren immer nur extrem kurz am Markt“, sagt Hirth, „schnell gegründet, schnell geschlossen, die osteuropäischen oder asiatischen Geschäftsführer waren nicht zu erreichen.“ Am Ende hatten die Strafverfolgungsbehörden ihr gesamtes Ermittlungsinstrumentarium eingesetzt, mussten sich aber mit den drei Hauptverantwortlichen begnügen. Die Festnahmen erfolgten zeitgleich mit zahlreichen Durchsuchungen: In Flensburg wurden neun Objekte – darunter Privatwohnung, Geschäftsräume, Steuerberater – durchsucht, in Dänemark kreuzte die Polizei vor sieben Objekten mit einem Durchsuchungsbefehl auf.

 

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