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Probleme mit Hundehaltern in Flensburg : Beutel für Hundekot: Tausend rote Tüten in der Landschaft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gefüllte Hundekotbeutel am Wegesrand gehören zum Flensburger Stadtbild. Doch das Einsammeln ist nicht Aufgabe des Technischen Betriebszentrums.

shz.de von
erstellt am 19.Mär.2015 | 18:20 Uhr

Flensburg | Kot gehört in die Tüte. Das ist seit 2002 in Flensburg so üblich. Und seitdem gehören sich bückende Hundehalter zum Stadtbild. Mit der Tüte über die Hand gezogen nehmen Frauchen oder Herrchen die Hinterlassenschaften ihres liebsten Vierbeiners auf. Üblicherweise. Ein Kreis von Hundehaltern oder Hundebetreuern schert sich aber anscheinend einen Dreck um den Dreck. Die Kothaufen ihrer Liebsten bleiben selbst mitten auf den breitesten Bürgersteigen liegen. Eine dritte Gruppe fühlt sich immerhin verpflichtet, die Kotbeutel aus den Spendern der Stadt zu benutzen und die Hinterlassenschaft aufzunehmen. Vermutlich ist gerade kein Abfallbehälter in der Nähe. Warum landen die roten, vier Liter fassenden Kunststoffbeutel stattdessen auf Grünflächen, in Knicks oder direkt am Wegesrand?

Eine Antwort hat Ralf Leese auf diese Frage nicht. Der Sprecher des Technischen Betriebszentrums (TBZ) der Stadt will auch nicht von einer Mehrbelastung für seine Mitarbeiter sprechen, wenn sie die im Beutel unauflöslichen Kothaufen so ganz nebenbei beseitigen. „Das gehört nicht zu unserer eigentlichen Arbeit.“

Eines hat einer seiner langjährigen Mitarbeiter aber über die Jahre festgestellt. Es gibt Schwerpunkte in der Stadt, an denen gefüllte Kotbeutel vermehrt achtlos in die Stadtlandschaft geworfen werden. Drei sollen es nach Auskunft seines Kollegen von der Stadtbildpflege sein: Rummelgang/Toosbüystraße, Jürgensgaarder Straße und Apenrader Straße.

Keine der markanten Stellen und deshalb für Bodil Montenegro umso auffälliger ist der Alte Ochsenweg. Die Flensburgerin, selbst Hundehalterin, beobachtet Tag um Tag zwei gefüllte Tüten, die einsam auf einer gewässerkundlichen Messanlage am Stiftungsland liegen. Für Montenegro völlig unverständlich: „Da macht sich jemand die Mühe, die Hinterlassenschaft seines Hundes im Naturschutzgebiet einzusammeln, legt sie dann aber auf diese Messstation.“

In der Stadtverwaltung sind zurzeit 3480 Hunde registriert. Die „Dunkelziffer“ der nicht angemeldeten Hunde kennt Stadtsprecher Clemens Teschendorf nicht. Im vergangenen Jahr erbrachten die gemeldeten Tiere eine Hundesteuer von rund 430.000 Euro. Von diesen Einnahmen erhält das TBZ auf direktem Wege erst einmal gar nichts. Leese: „Die Tüten und anfallenden Arbeiten werden nicht aus der Hundesteuer finanziert, sondern aus dem hauseigenen Etat.“ Hundekot gilt ordnungsrechtlich als Abfall. Für die Beseitigung von wild gelagertem Müll abseits der Straßen gibt die Stadt 5500 Euro, die in die Finanzierung der Tüten fließen. Das Aufnehmen wild entsorgter Kotbeutel geschieht während der Grünflächenpflege. Auch die finanziert die Stadt mit.

Mehr als eine Million der roten Plastiktüten bestellt das TBZ jährlich. Das Befüllen der 121 Spenderboxen in der Stadt – 2009 waren es noch 53 – übernehmen nur zum Teil TBZ-Mitarbeiter. Gut 50 der Behälter sind in der Obhut von sogenannten Paten – Flensburgern, die einen oder mehrere Spender regelmäßig auffüllen, wie Leese sagt. Das TBZ hatten 2009 nach Paten gesucht. Im selben Jahr noch übernahmen der Selbsthilfebauverein, andere Organisationen und Privatpersonen das Nachfüllen von 37 Behältern. Alle wollen zur Sauberkeit der Wege in ihrer Umgebung beitragen. Die Hundekotbeutel sind Ralf Leese zufolge nicht biologisch abbaubar. Sie gehören in den Restmüll.

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