Neue Masche : Betrüger am Telefon

Dubiose Anrufer versuchen, angeblichen Kunden Kontonummern und andere Daten zu entlocken

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11. November 2013, 09:56 Uhr

Der Flensburger Gerhard R. wurde diese Woche Zeuge der Neuausrichtung eines zwielichtigen Gewerbes: Der Ausspäh-Anruf eines angeblichen Eon-Mitarbeiters führt zu neuen Geschäftsmodellen im Geschäftsfeld des Telefonmarketings.

„Man muss die Leute warnen!“, sagt der Rentner. „Wer so handelt, führt sicher nichts Gutes im Schilde.“ Es war der Anruf eines Unbekannten am Mittwoch. Der Name des Anrufers war ebenso unverständlich dahingenuschelt wie der Name der Firma, für die er zu arbeiten vorgab.

Ganz anders der angebliche Auftraggeber. Der kam deutlich rüber. Eon, der bekannte Energie-Versorger, ließ über den Unbekannten am Telefon die Zählernummern erforschen. Angeblich, weil sie getauscht werden müssen. Das kam R. spanisch vor. Denn die Zähler im Haus stammen allesamt von den Stadtwerken Flensburg, die im übrigen auch den Strom liefern. Der geheimnisvolle Anrufer hatte sich längst unverrichteter Dinge verabschiedet, als der Flensburger die Rückruf-Funktion seines Telefons aktivierte und den Anrufer anrief. 0174 7250164. Eine Automatenstimme bestätigte umgehend R.s Verdacht, dass hier irgend etwas nicht mit rechten Dingen zuging. „Die gewählte Nummer“, teilte die Automatenstimme mit, „ist nicht vergeben.“

Mit dem Erlebnis steht der Flensburger nicht allein. Die falsche Vodafone-Nummer 0174 7250164 terrorisiert nämlich seit September dieses Jahres die gesamte Republik. In Blogs und Foren tauschen sich haufenweise Betroffene aus. Unter dieser Nummer versucht offenbar ein unbekannter Anbieter über Telefonverträge das schnelle Geld zu machen. Meist geht es um Strom, und immer versuchen die Agenten offenkundig den Gesprächspartnern Daten bis hin zur Kontonummer zu entlocken. Auffallend intensiv das Bestreben, den Gesprächspartnern ein Ja zu entlocken.

Das aber sollte man tunlichst unterlassen, warnt Christine Hannemann von der Flensburger Verbraucherzentrale. Für die Verbraucherschützer steht der dringende Verdacht im Raum, dass die Telefonate aufgezeichnet und anschließend am Schneidetisch derartig verfremdet werden, dass dem „Kunden“ ein Vertrag untergejubelt werden kann. „Durch dieses Voice Filing könnte das Unternehmen nachzuweisen versuchen, dass ein Vertrag zu Stande gekommen ist“, so Hannemann. Sicherheitshalber, so Hannemann, sollte man in Gesprächen mit diesen dubiosen Anbietern das Ja-Wort strikt vermeiden. In diesem Zusammenhang räumt sie auch gleich mit der irrigen Annahme auf, hinter der Nummer stünde eine einzelne Person. „Das ist mit Sicherheit ein Callcenter. Die Telefonanlage lässt sich kinderleicht so programmieren, dass den Angerufenen eine Nummer angezeigt wird, die es gar nicht gibt.“

Mit der neuen Masche reagiert die Schattenwirtschaft auf die neue Lage. „Telefonverträge und Gewinnspiele sind out“, hat die Flensburger Verbraucherschützerin festgestellt. „Der Markt ist leer gefegt.“ Gerhard R. und andere Betroffene könnten – je nach Gesprächsverlauf – in nächster Zeit Post bekommen, in denen ein Vertrag „bestätigt“ wird, den sie niemals geschlossen haben. Für diesen Fall gibt es die Verbraucherzentrale an der Schiffbrücke 65. Dort gibt es übrigens auch ein Formular, mit dem man die Bundesnetzagentur auffordern kann, gegen 0174 7250164 tätig zu werden. „Das sollten möglichst viele Betroffene machen“, rät Hannemann. „In der Politik hilft nur Masse.“

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