Betriebsschule bietet Jugendlichen neue Perspektiven

Wissen, was sie wollen: Betriebsschüler Hashi (l.) und Svilen.  Foto: fmw
Wissen, was sie wollen: Betriebsschüler Hashi (l.) und Svilen. Foto: fmw

Avatar_shz von
21. März 2012, 08:25 Uhr

schleswig | Das Kind hat keinen Schulabschluss und keinen Ausbildungsplatz. Eigentlich ein Albtraum für die Eltern. Jugendliche, deren Eltern schon von Hartz IV leben, laufen schnell Gefahr , den gleichen Weg zu nehmen. Chancenlos sind sie aber nicht. Eine Option ist die Betriebsschule (BTS) am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Schleswig. Hier können die jungen Menschen Berufe ausprobieren und Praktika absolvieren.

"Nisthilfen bauen ist eine gute Aufgabe für die Schüler", sagt Brigitte Rehmke, Leiterin der BTS. Vor kurzem haben BTS-Schüler in ihrer Holzwerkstatt Nisthilfen für das Naturschutzgebiet Geltinger Birk gebaut. Auch andere handwerliche Bereiche können hier getestet werden.

"Die Jugendlichen sollen hier Freude am Handwerk entwickeln", sagt BBZ-Leiter Hans Hermann Henken. Die Vorbereitung auf das Berufsleben stehe im Vordergrund. Pünktlichkeit und gutes Benehmen werden hier auch gelehrt. "Sie sollen schnell selbstständig werden", sagt Brigitte Rehmke, die Schülern beim Schreiben von Bewerbungen hilft.

"Von den Praktika erwarten wir einen Klebeeffekt", sagt Andreas Berger, Leiter der Berufsvorbereitung am BBZ. Im Idealfall übernimmt ein Betrieb den Jugendlichen. Die Betriebe im Kreis seien aber sehr vorsichtig bei der Übernahme von Hartz IV-Empfängern gewesen, da sie mehr durch Abwesenheit geglänzt hätten, berichtet BBZ-Leiter Henken. "Wir versuchen die Betriebe wieder zu überzeugen, auch schwächeren Schülern Chancen zu geben", sagt Nikola Bauer von der Berufsberatung Schleswig. Immerhin schafften 2011 sieben von 29 Schülern den Sprung ins Berufsleben oder in eine Ausbildung.

Das Hauptproblem, da ist sich Rehmke sicher, liegt oft bei den Eltern. "Manche Eltern sind schon in der zweiten oder dritten Generation arbeitslos", weiß Rehmke. So würden viele Jugendliche kaum Motivation entwickeln.

Manchmal können die Eltern ihre Verpflichtungen aber nicht wahrnehmen. So wie bei Hashi, der vor 15 Monaten aus Somalia nach Deutschland kam. "Ich hätte gerne eine Ausbildung", sagt er, "aber wenn ich keine Stelle bekomme, schließe ich zuerst die Realschule ab". Im Moment macht er noch den Hauptschulabschluss an der BTS. Ohne die BTS hätte er wohl nicht gewusst, wie es weiter geht, sagt er. Jetzt will er Kfz-Mechaniker werden. Auch seine Mitschüler wussten zuerst nicht, was sie machen wollten. "Meine Mutter sagte, ich solle Koch werden, aber das liegt mir nicht", erzählt Mitschüler Svilen. Durch die BTS hat er jetzt den Beruf des Zimmermanns im Visier. "Das liegt mir deutlich besser und macht Spaß."

Dietrich Tramsen, Vorsitzender des Naturschutzbunds Ostangeln, freut sich über die Nisthilfen. "Sie sind eine Förderung der Artenvielfalt", sagt Tramsen. Elterntiere könnten so den Nachwuchs sorgloser aufziehen. Die Nisthilfen ließen sich gut mit der BTS vergleichen, denn auch sie gebe den Jugendlichen einen Ort für Erziehung und Fortbildung.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen