Wirtschaft + Familie : Betriebe sollen auf Familie setzen

Klare Ansage: Arbeitsstaatssekretär Ralph Müller-Beck will, dass die Betriebe im Land familienfreundlicher werden.
Klare Ansage: Arbeitsstaatssekretär Ralph Müller-Beck will, dass die Betriebe im Land familienfreundlicher werden.

Ralph Müller-Beck hält Handeln für zwingend notwendig. Der Arbeitsstaatssekretär sprach in der Phänomenta Flensburg bei einer Podiumsdiskussion, die im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche „Wirtschaft + Familie = Wachstum“ stattfand.

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12. November 2013, 10:00 Uhr

Deutliche Worte wählt Ralph Müller-Beck, wenn er auf den Fachkräftemangel im Zuge des demographischen Wandels zu sprechen kommt. „Die nächsten zehn Jahre werden Jahre des Handels“, sagte der Arbeitsstaatssekretär gestern in der Phänomenta. „Da werden wir nicht Akten wälzen und die Welt erklären.“

Die klare Ansage Müller-Becks kam nicht von ungefähr: „In den nächsten zehn bis 15 Jahren gehen Schleswig-Holstein altersbedingt tausende Arbeitskräfte verloren“, erklärte er. Ein wesentlicher Faktor, um die Folgen für die Wirtschaft abzumildern, sei eine familienfreundlichere Ausrichtung der Betriebe. Aus diesem Grund hatte das Kieler Wirtschaftsministerium gemeinsam mit dem Beratungszentrum „Wirtschaft Arbeit Leben Raum Nord“ (WAL Nord) eine öffentliche Podiumsdiskussion angesetzt, in der die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf diskutiert wurde. Die Veranstaltung war Teil der bundesweiten Aktionswoche „Wirtschaft + Familie = Wachstum“, die gestern begann.

Diese Rechnung machte auch Herbert Zickfeld, Präsident der FH Flensburg, am Rande der Veranstaltung auf. „Schleswig-Holstein als das Land zwischen den Meeren, fernab von den Metropolen und ohne ausgeprägte Industrie hat nur dann eine Chance, den demographischen Wandel ökonomisch gut zu überstehen, wenn Wirtschaft und Familie in Einklang gebracht werden.“

Dies haben mittlerweile offenbar schon viele Betriebe verstanden. „Eine Umfrage unter 5000 Handwerksbetrieben im Land zeigt, dass 86 Prozent von ihnen familienfreundliche Arbeitsmodelle anbieten“, betonte Udo Hansen, Geschäftsführer der Flensburger Handwerkskammer. „Dazu zählen etwa Ausbildungen in Teilzeit oder individuell vereinbarte Arbeitszeiten.“

Die einzige weibliche Vertreterin in der Runde, Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar, zeigte sich davon überzeugt, dass dem Fachkräftemangel anders als bislang begegnet werden müsse. „Für Frauen ist die familiäre Umgebung viel wichtiger als ein Dienstwagen.“

Eine andere Herangehensweise an den Fachkräftemangel wünscht sich auch Fabian Geyer. „Familienfreundlichkeit kann nicht von der Politik geschaffen werden.“ Der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Flensburg-Schleswig-Eckernförde kritisierte vielmehr die „kinder- und familienunfreundliche Gesellschaft“. Deshalb sei zunächst ein „kompletter Wechsel in der Bevölkerung“ notwendig.

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