Betreuungsverein: Ein Erfolgs-Duo tritt ab

Mitgründerinnen Ali Hasbach und Elke Becker nach 25 Jahren in den Ruhestand verabschiedet

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07. März 2018, 10:43 Uhr

Ära ist zu groß, Abschnitt greift zu kurz. Der Flensburger Betreuungsverein verabschiedete während der Feier seines 25-jährigen Jubiläums zwei Frauen, die diese 25 Jahre maßgeblich geprägt haben: Geschäftsführerin Elke Becker (63), und Alli Hasbach (72), die Vorsitzende des Vereins. Sie bauten in verantwortlicher Position ein Sicherungsnetz für alle Flensburger auf, die durch Krankheit, Sucht, Unfall oder angeborenes Handicap jemanden brauchen, der für sie treuhänderisch den Umgang mit einer immer komplexer werdenden Außenwelt regelt.

Die Einführung des Betreuungsrechts am 1. Januar 1992 änderte die Gewichte im Umgang zwischen Staat und Individuum nachhaltig. Wo bis dahin staatliche Institutionen über Durchgriffsmöglichkeiten bis hin zur Entmündigung verfügten, trat jetzt der Grundsatz der unabhängigen Betreuung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen in den Vordergrund. Die Stadt Flensburg holte damals die Wohlfahrtsverbände Diakonisches Werk, Rotes Kreuz, Arbeiter-Wohlfahrt, Caritas und die Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig (ADS) ins Boot. Und über ADS stießen schließlich auch Alli Hasbach und Elke Becker zum Betreuungsverein.

Hasbach leitete zu diesem Zeitpunkt schon das Haus der Familie. Davor hatte sich die Diplom-Pädagogin schwerpunktmäßig mit Jugendarbeit beschäftigt. Auch die Sozialpädagogin Elke Becker kam über das Scharnier ADS zum Betreuungsverein. Sie hatte vorher sieben Jahre im Flensburger Sozialamt gearbeitet und suchte eine neue berufliche Perspektive. Die bot sich unerwartet in einer Initiativ-Bewerbung beim damaligen ADS-Vorsitzenden Uwe Lendt. Becker wurde Geschäftsführerin des neuen Gebildes Betreuungsverein – mit einer sehr aktiven Vorsitzenden im Hintergrund.

Im Rückblick war es für Hasbach eine sehr befruchtende Gegensätzlichkeit. Sie, die Diplom-Pädagogin, setzte mit ihrer beruflichen Verwurzelung in der Jugendarbeit auf Eigenverantwortlichkeit, die Sozialpädagogin Becker verfolgte den helfenden Ansatz. „Wir haben oft und lange bis in die Nacht diskutiert und uns die Köpfe heiß geredet,“ erinnert sich Alli Hasbach. Das Modell, das dabei entstand, machte sich sehr schnell selbstständig und bewährt sich bis heute.

Für Hasbach und Becker hat sich vor allem das gleichberechtigte Nebeneinander von neben- und hauptamtlicher Betreuung bewährt. „Das war damals etwas Neues, Ehrenamt und Hauptamt auf einer Ebene zusammenzuführen“, so Hasbach. Wobei der überwiegende Teil der Betreuungen im Ehrenamt angesiedelt ist. „Wir haben 170 Mitglieder, von denen rund 130 als Betreuer auch aktiv sind“, so Hasbach. Sie werden verstärkt durch vier Sozialpädagogen, die sich nicht nur um die komplizierteren Fälle kümmern, sondern auch die ehrenamtlichen Kollegen – bei Bedarf – beraten.

Für Alli Hasbach wird das Loslassen keine neue Erfahrung sein. Sie hat schon 2010 geübt, als sie die Leitung im Haus der Familie abgab. „Ich kann gut aufgeben“, lacht sie. „Es ist einfach schön, über Zeit verfügen zu können.“ Das sieht Elke Becker genauso. Als junge Oma einer Enkeltochter hat sie eine Adresse in Bremen ins Navigationsgerät fest einprogrammiert – und dann ist da auch noch ein großer Garten, der versorgt werden will. „Ich werde ganz sicher nicht zu denen gehören, die im Ruhestand regelmäßig in der alten Firma vorbeischauen.“

Nachfolgerinnen des erfolgreichen Gespanns sind Ute Siebert, Juristin im Haus der Familie, und Britta Vespermann, Diplom-Pädagogin im Betreuungsverein Flensburg.

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