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Flensburger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 20:10 Uhr

Betreutes Wohnen ohne Wasser

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verärgerte Mieter: Seniorenwohnanlage unangekündigt etwa 22 Stunden lang von der Versorgung abgekoppelt

Helle Aufregung in einer Wohnanlage am Katharinenhof. Aus gutem Grund: Denn wenn ältere Menschen – zum Teil körperlich behindert – stundenlang ohne fließend Wasser in ihren Wohnungen ausharren müssen, ist das für sie zweifellos eine mittlere Katastrophe. Keine Möglichkeit sich zu waschen, keine Dusche, keine Toilettenspülung. Unter diesen haarsträubenden Bedingungen hatten etwa 70 Bewohner des Hauses „Betreutes Wohnen am Katharinenhof“ bis gestern zu leiden.

Eine von ihnen: Inge Krusch, 77 Jahre alt. Ihren Schilderungen zufolge war es Montag, 11.45 Uhr, als die Wasserversorgung plötzlich zusammenbrach. „Sie wurde ohne vorherige Ankündigung oder Information abgestellt und traf uns völlig überraschend“, sagt sie. So machte sie sich selbst schlau und begab sich mit ihrem Rollator an die Quelle des Übels.

Ihrer Einschätzung zufolge gibt es vor dem Haus seit etwa einem Dreivierteljahr eine offene Grube. „Die buddeln schon ewig dort“, sagt auch eine Nachbarin. Sie brachte in Erfahrung, dass es sich nicht um einen Notfall, sondern um eine normale Baumaßnahme handele, die binnen zwei Stunden abgeschlossen sein sollte. Doch erst fünf Stunden später floss das kostbare Nass wieder. Zumindest für fünf Minuten.

Später wurden die Bewohner darüber informiert, dass sie sich an einem Hydranten mit Wasser versorgen könnten. Es habe mit der Leitung unvorhergesehene Schwierigkeiten gegeben. „So standen wir also an dem Hydranten Schlange – was für ein Bild!“, sagt die alte Dame und schüttelt fast amüsiert den Kopf. Vorher hatten einige Leidensgenossen flaschenweise Mineralwasser aus dem Supermarkt geholt. „Wir haben uns alle gegenseitig geholfen, das war schon großartig“, sagt sie.

Erst gestern um 10 Uhr wurde die Versorgung über eine provisorische Leitung wiederhergestellt. Seitens der beauftragen Firma hieß es, es habe Probleme bei der Materialbeschaffung gegeben. Die Leitung habe schon Jahrzehnte auf dem Buckel, Ersatzrohre seien kaum zu bekommen; man sei schließlich in Hamburg fündig geworden. „Eine Verkettung unglücklicher Umstände und eine Fehleinschätzung zudem“, gibt ein Mitarbeiter zu, dem die Bewohner sichtlich leid taten. Der Schleswiger Bauunternehmer Siegfried Sindram indes, Eigentümer und Betreiber, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen; eine Mitarbeiterin in leitender Funktion wollte sich vor Ort zu den Vorgängen offiziell nicht äußern. Auch Inge Krusch konnte auf diesem Wege nichts in Erfahrung bringen.

Doch das ist für sie nicht Neues. Sie erinnert daran, dass im Januar der Strom über 15 Stunden ausgefallen war, der einzige Aufzug im Haus eine Woche lang nicht funktioniert hatte und nur wenig davon kommuniziert worden sei. „Die Gehbehinderten mussten sehen, wie sie die steilen Treppen herunterkamen“, sagt eine Nachbarin, die seit 2006 dort lebt. Die Wohnungen aber seien schön und günstig. „Sonst wären wir längst ausgezogen.“ Derzeit übrigens flackert das Fernsehbild verdächtig. Kein gutes Omen. „Der nächste Stromausfall“, orakelt Inge Krusch, „kommt bestimmt.“

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