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Offener Ganztag in Flensburg : Bessere Betreuung an Grundschulen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für höhere Qualität und Flexibilität steigen die Elternbeiträge für den offenen Ganztag deutlich – Sozialstaffel geplant

shz.de von
erstellt am 14.Jul.2017 | 05:51 Uhr

Die Eltern der gut 2400 Schüler der zehn Grundschulen der Stadt dürfen endlich auf eine bessere Betreuung ihrer Kinder vor und vor allem nach der Schule hoffen. In einer gemeinsamen Sitzung segneten Jugendhilfe- und Bildungsausschuss (ohne Gegenstimmen, bei Enthaltung des SSW) eine rund 2,3 Millionen Euro teure Betreuungsoffensive ab, die den offenen Ganztag für die derzeit 924 teilnehmenden Schüler auf ganz neue Füße stellt. Dabei gibt es aus Sicht der Eltern allerdings zwei Wermutstropfen. Die Verbesserungen greifen erst zu Beginn des Schuljahres 2018/2019 – und die Eltern müssen mit rund 1,5 Millionen Euro den Löwenanteil des verbesserten Betreuungsangebots bezahlen, das auf rund 2,3 Millionen Euro pro Jahr veranschlagt ist.

Konkret geht es um einen verbesserten Personalschlüssel von 1:20 auf 1:15 samt einer festgelegten Qualifikation der Betreuungskräfte. Jede Schule bekommt zehn Stunden pro Woche für eine pädagogische Koordination.

Ohne Mindestteilnehmerzahl soll das Angebot künftig an allen Schulen ab 7 Uhr vor dem Unterricht und bis 18 Uhr nach der Schule gelten. Es soll eine flexible tageweise Buchung möglich sein und eine Notfallbetreuung angeboten werden. Außerdem wird ein Bildungsangebot versprochen, das mit dem Schulprogramm abgestimmt ist.

Der städtischen Kostenübersicht zufolge beteiligt sich das Land bei den aktuellen Teilnehmerzahlen mit rund 280  000 Euro, die Stadt fördert mit rund 550  000 Euro. Mögliche Mehrkosten von rund 11  000 Euro sind bereits eingeplant. Für den Fall, dass die verbesserten Angebote auch besser angenommen werden, würde sich allerdings auch das finanzielle Engagement der Stadt weiter erhöhen.

Festgeschrieben sind dagegen die Elternbeiträge, die allerdings gegenüber der alten, von vielen Eltern als Verwahrung erlebten Betreuung stark ansteigen: So kostet die Betreuung bis 14.30 Uhr künftig 100 statt 50 Euro, das Angebot bis 16 Uhr steigt sogar von 75 Euro um 85 auf 160 Euro. Früh- und Spätbetreuung kosten extra. Eine Mutter, die noch die Grundsteuererhöhung für die Kita-Qualitätsoffensive zum Jahreswechsel im Hinterkopf hat, spricht in diesem Zusammenhang von einer verkappten Steuererhöhung für die Eltern. Vater Thomas Schmelter, zugleich Vorstandsmitglied im Verein Betreute Grundschule, spricht vom „nächsten Griff in die Brieftasche der Eltern“.

Jugendhilfeausschussvorsitzende Ellen Kittel-Wegner (Grüne) verweist darauf, dass eine Alternative mit einem Personalschlüssel von 1:18 zur Abstimmung gestanden habe. Doch diese Variante, für die bis 16 Uhr statt 160 nur 128 Euro fällig wurden, sei nicht nur von der Politik abgelehnt worden: „Auch die Eltern wollten den Personalschlüssel von 1:15.“ Zudem sei das geplante Angebot deutlich flexibel, womit zum Beispiel bei Bedarf nur Montag und Mittwoch gebucht werden könnten – und dann würden statt 160 nur 64 Euro fällig. „Grundsätzlich kostet mehr Qualität mehr Geld“, sagt Kittel-Wegner.

In einer Sozialstaffel sind für Familien mit geringem Einkommen Ermäßigungen analog zur Praxis in Kitas geplant. Nach Angaben von Elternvertretern müssten demnach rund 35 Prozent der Grundschul-Eltern gar keine Beiträge mehr zahlen, bislang sind sie mit 20 Euro beteiligt. Eine Mutter, die die vollen Beiträge bezahlen muss, schimpft: „Ich finanziere das ganze Konzept, und die Stadt schreibt sich das auf ihre Fahnen.“

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