zur Navigation springen

Naturfilm-Festival : Beseelt von einer Sinfonie in Blau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch beim dritten Green-Screen-Festival gab es wieder tolle Naturfilme zu sehen. Im ausverkauften Kino 51 Stufen stimmte das Publikum über den Sonderpreis des sh:z ab

Klar, rein, spektakulär. Der Niyodo-Fluss ist das sauberste, das atemberaubendste Gewässer in ganz Japan. Ein Stück unberührte Natur, das die Schönheit des Wassers in allen Facetten widerspiegelt. Und als gestern die Zuschauer eintauchten in eine „Sinfonie in Blau“, wurde es fast andächtig still im Kinosaal. Was die Filmemacher Yuki Saito und Taki Nishigawa auf die Leinwand zauberten, war ein ästhetischer Hochgenuss.

Die japanische Produktion war einer von drei Wettbewerbsbeiträgen, die sich um den Publikumspreis des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages bewerben – dotiert mit 1000 Euro. Ein Bilderrausch in tausend Farben. Besonders die Sequenzen in Super Slow Motion und die Makro-Aufnahmen waren von bestechender Qualität: Wassertropfen wie Silberkugeln in einem Spinnennetz gefangen, vom Wasserfall aufgewirbelte Gischt, leuchtend wie ein Regenbogen.

Doch bei einer lyrischen Farbmalerei belässt es Yuki Saito nicht. „Heute sorgen Bauarbeiten an Flutregulierungen und Bewässerungen dafür, dass immer weniger Flüsse in ihrer ursprünglichen Form ihren Weg bis ins Meer fließen“, sagt der Regisseur. „Ich möchte, dass die Geschichte des blauen Wassers des Niyodo-Flusses den Menschen zeigt, dass Japan ein Land des schönen Wassers ist und dass wir alle es auch weiterhin schützen müssen.“

Schützenswert auch Vorpommerns Auen. Der gleichnamige NDR-Produktion von Christoph Hauschild dokumentiert eindrucksvoll, wie der Schreiadler, von dem es nur noch 100 Brutpaare gibt, wie Rotmilan, Kraniche oder Fischotter mit dem schwindenden Lebensraum zu kämpfen haben. Entwässerte Weiden oder intensiv bewirtschaftete Äcker verdrängen die für das Überleben der Tiere unverzichtbaren Feuchtgebiete. Doch man ist inzwischen bemüht gegenzusteuern, wie die Dokumentation zeigt – etwa durch renaturierte Moorflächen oder das „Tal der Hirsche“. Auf 1000 Hektar können sich dort zahlreiche Wildtiere frei bewegen. Zäune und Gehege gibt es nicht. Die Tiere folgen ihrem natürlichen Rhythmus.

Der dritte Beitrag beschäftigt sich mit den in der Kalahari-Wüste lebenden Erdmännchen. Dieser Film fand besonders großen Anklang bei Kindern, die gestern den Weg ins Kino 51 Stufen fanden. Dabei sind die drolligen Kerlchen beileibe nicht nur lustig. Sie scheuen sich nicht vor (durch Nahrungsdruck ausgelösten) heftigen Revierkämpfen, knacken und verspeisen gern mal einen leckeren Skorpion. Und – was die wenigsten wissen – ihre nächsten Verwandten sind die wenig geschätzten Hyänen.

Faszinierend die Nachtaufnahmen in den unterirdischen Bauten. Zu diesem Zweck wurden drei schwenkbare Kameras staub- und sandgeschützt in einer der stockfinsteren Behausungen montiert. Über einen Zeitraum von zwei Jahren entstanden so erstmals Bilder vom Leben unter der Erde – und der Zuschauer wurde Zeuge einer Geburt. Erdmännchen verfügen über soziale Intelligenz, über ein Höchstmaß an Verantwortungsbewusstsein in der Gemeinschaft. Ein Vergleich mit der Spezies Mensch dürfte dem Publikum einige Erkenntnisse abgerungen haben. Rainer Staupendahl aus Flensburg zumindest fand die Tiere durchaus menschlich. „Irgendwie putzig, aber auch sehr aufschlussreich“, lautete das Urteil von Monika Dallek aus Harrislee. Elke Maschke hingegen favorisierte den Film über die pommersche Auenlandschaft.

Doch die größte Begeisterung fand die Doku über das „Niyodo-Blau“. Doku? „Eher fremdartig, fast surreal“, befand ein Gast und für seinen Nachbarn war es schlicht „Kunst“. Wer schließlich den Preis nach Hause tragen kann, entscheidet sich erst nach Ende der Green-Screen-Tournee. Gewinner ist schon jetzt das Festival selbst. Im siebten Jahr seines Bestehens deutet sich ein Zuschauerrekord an.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 21.Aug.2013 | 00:43 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen