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Vandalismus in Flensburg : Beschmierte Wände, kaputte Lichterketten: Zerstörungswut am Twedter Plack

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unternehmer bemühen sich um adventliche Stimmung. Doch sie kommen kaum gegen Randalierer an.

Flensburg | Wie auf Zuruf kommt eine ältere Kundin vorbei: „Das sieht so dekorativ aus“, schwärmt sie und erfährt, dass die Weihnachtsbeleuchtung nach böswilliger Zerstörung gerade erst wieder repariert worden ist. „Die Welt spielt momentan sowieso total verrückt“, entgegnet sie kopfschüttelnd.

„Im Moment sind Vandalen am Twedter Plack unterwegs“, beklagt Friederike Friedrich-Harder, Apothekerin in Mürwik. Gerade hat sie zwei Mal im Abstand von drei Tagen die Polizei angerufen, weil sämtliche Lichterketten aller fünf Ahorn-Bäumchen entlang des Marrensdamms heruntergerissen, hingeworfen und die Kabel durchgerissen waren. Wenige Wochen zuvor waren die Beamten vor Ort wegen Schmierereien. Unter anderem mit einem Hakenkreuz hatten Unbekannte die Hauswand hinter dem Durchgang zum Hinterhof verunstaltet.

Wegen Graffiti kommen die Polizisten raus, angesichts der zerstörten Adventsdeko haben sie zunächst die Erstattung einer Anzeige online empfohlen, berichtet Friederike Friedrich-Harder. „Ich habe schon etwas mehr von der Polizei erwartet“, gibt die gebürtige Hamburgerin zu, räumt aber ein, dass sich Polizisten den Schaden vor Ort inzwischen angesehen haben. Dennoch würde sie sich mehr Polizeipräsenz wünschen und setzt zudem auf aufmerksame Anwohner, die möglicherweise etwas von den Vorfällen mitbekommen haben.

Dass die beiden Fälle – Schmierereien und Beschädigung der Beleuchtung – zusammenhängen, glaubt Polizeisprecherin Sandra Otte nicht unbedingt. Was die Präsenz betrifft, sagt sie, dass gerade am Twedter Plack häufig Streifen unterwegs seien, und der Stadtteil liegt verkehrstechnisch so, dass ihn die Polizei oft anfährt. Von einer Häufung solcher Vorfälle von Sachbeschädigung hat die Polizeisprecherin keine Kenntnis. Sie habe den Fall an die Station Mürwik/Fruerlund weitergeleitet.

Friederike Friedrich-Harder führt die Apotheke seit fast elf Jahren, die Ahorn-Bäumchen stehen gerade so außerhalb ihrer Grundstücksgrenze und gehören der Stadt. „Wir dürfen sie schneiden“, sagt sie augenzwinkernd. „Hier draußen wird man etwas vernachlässigt“, erklärt sie. Deshalb haben sich die benachbarten Unternehmer „unserer Zeile“ sich zusammengetan, um den Plack im immerhin größten Stadtteil Flensburgs mit rund 15.000 Einwohnern selbst liebevoll fürs Fest zu gestalten.

„Alle geben sich Mühe“, betont die promovierte Pharmazeutin. Damit kein Fußgänger belästigt werde, wurden die Kabel durch Erde und Keller verlegt, ein Gartenbaubetrieb hat in den kugeligen Kronen viele kleine Leuchten angebracht. Umso mehr verärgere sie derartiger Vandalismus. Die Täter müssen irgendwann in den Morgenstunden des vergangenen Donnerstags und Sonnabends aktiv gewesen sein, vermutet Friedrich-Harder, kann sich aber kaum vorstellen, dass jugendliche Partygänger aus der Innenstadt auf ihrem Heimweg nach Mürwik hier randalierten. Sie hofft auf Hinweise aus der Nachbarschaft.

Der Schaden lässt sich noch nicht ganz genau beziffern. Die Beleuchtung pro Baum koste zwischen 350 und 400 Euro, die Reparatur nochmal extra. Dennoch will sich Friederike Friedrich-Harder von Vandalen nicht die Adventslaune verderben lassen. Weil die beleuchteten Bäume „einfach schön sind“, sagt sie, und so eine tolle Stimmung verbreiten, wenn es so lange dunkel ist, sollen die Lichterketten bis mindestens Mitte, am liebsten Ende Januar hängen bleiben.

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erstellt am 21.Dez.2016 | 09:13 Uhr

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